Lewandowski-Gala hebt die Stimmung: BVB atmet auf

Dortmund (dpa) - Vom Chancentod zum Goalgetter - ausgerechnet Robert Lewandowski stahl allen die Show. Mit drei Treffern zum 4:0 (2:0) über den FC Augsburg brachte der schon mehrfach wegen seiner Abschlussschwäche gescholtene Angreifer von Borussia Dortmund all seine Kritiker zum Schweigen.

Den anschließenden und für ihn ungewohnten Interview-Marathon meisterte der polnische Nationalspieler mit einem Dauerlächeln. «Super, heute hat fast alles geklappt. Drei Tore in einem Spiel, das ist mir in Polen noch nie gelungen», kommentierte der gefeierte und gefragte Matchwinner.

Die Gala von Lewandowski, der auch als Vorbereiter zum 3:0 von Mario Götze (75.) brillierte, hob die Stimmung. Drei Tage nach der Champions-League-Schlappe in Marseille (0:3) hielt der Meister sein Versprechen und zeigte eine Trotzreaktion. Sportdirektor Michael Zorc stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: «Nach der Klatsche in Marseille war es wichtig, in der Liga oben dran zu bleiben.»

Die Sprechchöre der Fans für den dreifachen Torschützen (30./44./78.) bereiteten auch Jürgen Klopp Genugtuung. Schließlich fühlte sich der BVB-Trainer in seiner Entscheidung bestätigt, trotz der Genesung von Lucas Barrios an dem in Marseille schwachen Lewandowski festzuhalten: «Robert ist ein Beispiel dafür, dass man mit Beharrlichkeit viel erreichen kann.» Und doch ließ Klopp keinen Zweifel daran, dass Barrios schon bald auf seinen Platz im Angriffszentrum zurückkehren wird. Für Lewandowski hat der Fußball-Lehrer auf Dauer eigentlich eine andere Position im Auge: «Er kann überragend auf der 10 spielen.»

Der Pole war einer der Stammspieler, die nach dem 0:3 in der Champions League nicht aus dem Team rotiert wurden. Gleich auf fünf Spieler von Marseille hatte Klopp gegen Augsburg in der Startelf verzichtet. Er wollte diese hohe Fluktuation jedoch nicht als Strafaktion gewertet wissen: «Es wäre das Gleiche passiert, wenn wir in Marseille 4:0 gewonnen hätten.»

Das neue Team schlug sich trotz anfänglicher Nervenschwäche prächtig und brachte den nur mäßig in die Saison gestarteten BVB zurück in obere Tabellenregionen. Obwohl zum ersten Mal seit der Meisterfeier im Mai zwei Bundesliga-Siege in Serie gelangen, verspürte Hans-Joachim Watzke wenig Lust auf eine Kampfansage an den Tabellenführer aus München. «Die Bayern werden Meister. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das ist auch nicht mehr unser Thema», sagte der BVB-Geschäftsführer dem TV-Sender Sky.

Missmutig kommentierte Jos Luhukay die Übermacht der Dortmunder: «Heute hat man den Klassenunterschied zwischen einem Meister und einem Aufsteiger gesehen.» Nur zu Beginn der 2. Halbzeit schöpfte der Gäste-Coach beim Stand von 0:2 kurz Hoffnung. Doch die Chance zum Anschlusstreffer vergab Gibril Sankoh (48.) per Foulelfmeter. «Danach haben wir den Mut und den Glauben verloren», klagte Luhukay.

Nur wenige Tage nach den Schlagzeilen um eine Schlägerei beim Oktoberfest, an der ein Augsburger Profi beteiligt gewesen sein soll, präsentierte sich der noch immer sieglose Aufsteiger phasenweise in bedenklicher Form. Zwischen dem Wiesn-Besuch und der deutlichen Niederlage sah Abwehrspieler Axel Bellinghausen jedoch keinen Zusammenhang: «Das 0:4 hatte nur sportliche Gründe.»

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