Negativrekord ade? Schalke kann mit Tasmania gleichziehen 
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Will nicht den Negativrekord mit Schalke 04: Christian Gross. Foto: Annegret Hilse/Pool via REUTERS/dpa
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Berlin (dpa) - Um die Position des Schlusslichts in der ewigen Tabelle der Fußball-Bundesliga muss sich Tasmania Berlin noch nicht sorgen.

«Da bleiben wir ganz klar abgeschlagen Letzter. Das kann uns keiner nehmen», sagte der Fanbeauftragte des Clubs, Hacel Bazić, der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich auch nicht der FC Schalke 04, der am 9. Januar (15.30 Uhr/Sky) aber in einer anderen unrühmlichen Kategorie mit dem Hauptstadtclub gleichziehen kann. Bleiben die Schalker auch gegen die TSG 1899 Hoffenheim ohne Sieg, ziehen sie mit Tasmania gleich, die in der Saison 1965/66 als bisher einziger Verein 31 Begegnungen nacheinander nicht gewinnen konnten. «Das wäre nicht der erste Rekord, der uns flöten geht», sagte Bazić.

Die Königsblauen sind wenig erpicht darauf, mit dem Sinnbild für Erfolglosigkeit künftig im gleichen Atemzug genannt zu werden. «Wir wollen es natürlich abwenden, dass wir den Minusrekord einstellen. Wir wollen nicht weiter auf der Niederlagen-Seite stehen und dieses Heimspiel unter allen Umständen gewinnen», sagte Schalkes Trainer Christian Gross.

Und in Berlin-Neukölln sind sie stolz auf diese Sachen, die anderswo Trainergesichter zum Erröten bringen würden. Mit der 0:3-Niederlage bei Hertha BSC machte Königsblau am vergangenen Wochenende in Berlin auch ein knappes Dutzend Tasmania-Anhänger unglücklich. Die Fans hatten Schalke am Samstagabend unter dem wenig charmanten Motto «Hauptstadtfußball wertschätzen: Keine weitere Herabwürdigung durch abgewirtschaftete Kommerzvereine» auf dem Coubertinplatz vor dem Olympiastadion angefeuert. Mit dabei: Der Fanbeauftragter Bazić. «Selbst die Hertha-Fans fanden das lustig», sagte er zu der Aktion.

«Einer unser wichtigsten Rekorde geht uns wohl verloren», sagte auch Tasmania-Legende Hans-Günter Becker. Doch wehmütig sei er deswegen nicht. Damals war Becker Kapitän der Teams. Der heute 82-Jährige spielte zunächst im Mittelfeld und dann als Verteidiger.

«Im Gegensatz zu Schalke haben wir unseren Rekord über eine Saison aufgestellt», ergänzte der aktuelle Präsident der Tasmanen, Almir Numic. Und auch die Hintergründe seien damals andere gewesen: Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten bei Hertha BSC wechselte die Tasmania in die Bundesliga. Das habe seiner Zeit nicht nur die Vereinsführung überrascht.

«Ich selbst war da in Scharbeutz», erinnerte sich Tasmania-Kapitän Becker. Eines Tages habe ihn dann ein Bekannter angesprochen und gefragt, ob er immer noch im Urlaub sei. «Ich meinte: ja klar! Wir sind noch 14 Tage hier.» Ohne es zu wissen war Becker aber über Nacht Kapitän einer Erstligamannschaft geworden.

Die erste kleine Sensation ließ nicht lange auf sich warten: Vor mehr als 81 000 Zuschauern gewann Tasmania im Olympiastadion gegen den Karlsruher SC. «Manch einer dachte, das geht jetzt immer so weiter», sagte Becker. In jenem Jahr erzielten die Tasmanen allerdings am Ende nur 15 Tore, kassierten 108 Gegentreffer und stiegen als Letzter ab.

«Je länger wir das Null-zu-Null halten konnten, desto besser», sagte Becker zur Taktik. Kurz vor Ende der Saison beendete der Verein dann mit einem Sieg gegen Borussia Neunkirchen die Serie. «So hat das Abenteurer Bundesliga ein versöhnlicher Ende genommen.»

In letzter Zeit habe die Tasmania wieder viele Medienanfragen bekommen, sagte Präsident Numic. Für den Verein habe sich der Negativrekord bisher ausgezahlt. Kaum eine andere Amateurmannschaft erwecke selbst in Zeiten von Corona ein solches Interesse wie der Berliner Club. «Allein diese Woche sind zwei Fernsehsender bei uns zu Besuch», betonte Vereinsfunktionär Numic.

Dabei verbindet ihren Club mit dem später insolventen SC Tasmania 1900 nur ein Teil des Namens. Offizieller Rechtsnachfolger ist der 1973 gegründete heutige Fünftligist nicht. «Deswegen steht auch 1973 - und nicht 1900 - im Wappen», erklärte Numic.

Einen Tipp hat Tasmane Becker rund 55 Jahre nach der eigenen Rekordserie für die Schalker noch: zusammenhalten! So könne zwar die Krise nicht abgewandt werden, aber immerhin gemeinsam bewältigt werden - ohne, dass sich einzelne Spieler in der Winter-Transferperiode schon nach etwas Besserem umgucken.

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