Politik für harte Strafen - Spürhunde im Einsatz

Frankfurt/Main (dpa) - DFB-Boss Theo Zwanziger droht mit der Abschaffung der Stehplätze, die Politiker fordern lebenslange Stadionverbote für Rowdys und die Vereine setzen bei der Durchsetzung des Verbots von Pyrotechnik erstmals sogar Spürhunde ein.

Im Kampf gegen die zunehmende Gewalt im Fußball gehen die betroffenen Institutionen auf Konfrontationskurs zu den Fans. «Wir müssen jetzt Maßnahmen finden, um dieser neuen Gewalt Herr zu werden und noch Schlimmeres zu verhindern», kündigte Zwanziger in einem Interview des «kicker» an.

Als Möglichkeiten führte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine «noch genauere Fantrennung, stärkere Kontrollen, personalisierte Tickets bei Auswärtsspielen, aber auch eine Beschränkung oder komplette Aufgabe von Stehplätzen» an. «Alle diese möglichen Maßnahmen müssen aber eng mit der Polizei abgestimmt sein, denn neue Verbote oder Maßnahmen im Stadion könnten dafür sorgen, dass sich die Gewalt wieder stärker in die Außenbereiche verlagert», sagte Zwanziger.

Auch die Politik will härter durchgreifen. So wird der Ruf nach lebenslangen Stadionverboten für verurteilte Fußball-Rowdys immer lauter. Nach seinen Amtskollegen aus Bayern und Niedersachsen sprach sich auch Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) im Gespräch mit der «NDR 1 Welle Nord» für diese drastische Maßnahme aus.

Schlie plädierte vor dem Treffen der Innenminister in Weimar zudem dafür, auf die Eintrittskarten für Spiele der 1. und 2. Bundesliga einen Aufschlag von je 50 Cent zu erheben, um damit Fan-Projekte zur Gewaltprävention zu unterstützen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sprach sich für einen «Event-Euro» pro Ticket aus, um damit die zunehmenden Kosten für Polizeieinsätze zumindest teilweise zu kompensieren. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) lehnt eine Beteiligung der Vereine an den Polizeikosten ab.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich appellierte an die Vernunft von Fans und Vereinen, schloss aber auch harte Maßnahmen gegen Gewalttäter nicht aus. Wenn «alle Prävention nichts hilft, muss man auch mit ordnungspolitischen Maßnahmen vorgehen», betonte der CSU-Politiker bei der Sportministerkonferenz in Weimar. «Das bedeutet, dass man auch Fans von Fußballspielen ausschließt.» Die Vereine müssten begreifen, «dass sie nichts davon haben, wenn ihre Fußballspiele durch Gewalt belastet und zerstört werden und sich am Ende auch die Sponsoren zurückziehen».

Auch der Kampf gegen die illegale Pyrotechnik, deren Verbot der DFB und die DFL bei ihrem Sicherheitsgipfel am Mittwoch endgültig besiegelt hatten, nimmt schärfere Formen an. Beim Bundesligaspiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln werden von der Polizei erstmals Sprengstoff-Spürhunde eingesetzt. «Die Hunde erkennen an Sachen und Menschen schneller, ob jemand etwas mitnimmt», sagte Bremens Pressesprecher Tino Polster.

Eine heftige Kontroverse hat unterdessen der vom DFB-Kontrollausschusses geforderte Ausschluss Dynamo Dresdens aus dem Pokal-Wettbewerb 2012/13 ausgelöst. «Es kommt so rüber, als ob man ein Exempel statuieren will. Man sollte alle Vereine gleich behandeln und sich nicht einzelne Clubs herauspicken, um sie dann zu bestrafen, damit es für andere abschreckend wirkt», kritisierte Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten, der vor seinem Engagement bei Bayer Leverkusen für Dresden spielte, in einem Beitrag der «Welt».

Auch Ex-Dynamo Hans-Jürgen Dörner bezeichnete in der «Welt» die drohende Strafe als «sehr, sehr drastisch. Das wäre für den Verein ein erheblicher Imageschaden und ein großer finanzieller Verlust». In dieser Saison hat der Zweitligist im DFB-Pokal rund 1,5 Millionen Euro verdient.

Die Vorwürfe der Dresdner an die Adresse von Borussia Dortmund, wonach es bei dem von Krawallen begleiteten Pokalspiel in der Vorwoche «immense Sicherheitslücken sowohl beim Veranstalter als auch bei den Einsatzkräften der Polizei» gegeben habe, sorgte wiederum beim deutschen Meister für Verdruss. Dies sei «äußerst befremdlich», sagte BVB-Sprecher Josef Schneck der Nachrichtenagentur dpa. «Für die jüngste Stellungnahme haben wir kein Verständnis und weisen die Darstellung scharf zurück», ergänzte Schneck auf der Vereinshomepage.

Angesichts der vielen Brandherde ist der DFB bereits um seine Außendarstellung besorgt. «Mit dem Bild, dass der DFB derzeit öffentlich abgibt, bin ich natürlich nicht zufrieden. Wir stehen sportlich, wirtschaftlich und damit auch perspektivisch glänzend da (...) und werden trotzdem mit Themen wie Gewalt oder möglichen Steuerdelikten von Schiedsrichtern konfrontiert. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Wir müssen uns diesen Dingen stellen und sie ausräumen», sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach der «Welt».

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