Profi-Boxer Sylvester verliert nach WM auch EM

Neubrandenburg (dpa) - Profi-Boxer Sebastian Sylvester ist in seinem «Wohnzimmer» böse verprügelt worden. Fünf Monate nach dem Verlust des WM-Gürtels scheiterte der Mittelgewichtler vor 4300 Zuschauern in Neubrandenburger Sportforum auch beim Versuch, zum dritten Mal Europameister zu werden.

«Ich wollte hinten heraus kommen, aber es ging wirklich nicht mehr. Nach dem Cut floss Blut ins Auge. Ich habe die Schläge nicht mehr kommen sehen», sagte Sylvester nach seiner technischen K.o.-Niederlage gegen den Polen Gregorz Proksa.

Der wie immer stürmisch angefeuerte Lokalmatador, der zum siebten Mal in Neubrandenburg boxte, saß in der Pause zur vierten Runde blutüberströmt in seiner Ecke. Der Ringarzt riet ihm, den Kampf zu beenden. «Er konnte nichts mehr sehen. Es wäre zu gefährlich gewesen, den Kampf fortzuführen», sagte Trainer Karsten Röwer, der sich seinen 49. Geburtstag anders vorgestellt hatte.

Sylvester hatte die Runden zuvor klar abgeben müssen. Der 31-Jährige konnte seinen boxerisch überlegenen Rivalen nie stellen und kassierte zahlreiche klare Treffer. «Nach der ersten Runde bin ich besser in den Kampf gekommen. Nach dem Cut ist dann aber alles aus dem Ruder gelaufen», gestand er nach der fünften Niederlage in seinem 40. Kampf ein.

Der Röwer-Schützling hatte seinen IBF-WM-Gürtel im Mai diesen Jahres ebenfalls in Neubrandenburg gegen den Australier Daniel Geale verloren. Wie es für den Sauerland-Schützling weitergeht, ist fraglich. «Jetzt müssen wir Plan B rausholen, nachdem es mit Plan A nicht geklappt hat», meinte Sylvester. Wie der aussieht, weiß er aber auch nicht. «Ich muss jetzt erst mal darüber nachdenken, ob es sich überhaupt lohnt, noch einmal anzugreifen.»

Die Sauerland-Promotion verlor damit einen weiteren Protagonisten. Zum Glück meldete sich ein neuer an. In einem stallinternen Sauerland-Fight nahm der Exil-Kubaner Yoan Pablo Hernandez dem Amerikaner Steve Cunningham den IBF-WM-Titel im Cruisergewicht ab. Der Ringrichter brach den Kampf nach sechs Runden ab, da der Titelverteidiger nach zwei Cuts stark blutete. Hernandez lag nach Auswertung der Punktzettel mit 2:1-Richterstimmen (58:55, 59:54, 56:57) knapp vorn.

SOCIAL BOOKMARKS