Skandal bei Olympia-Qualifikation im Pferdesport aufgedeckt
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Der Reitsport-Weltverband FEI hat Tricksereien bei der Olympia-Qualifikation aufgedeckt. Foto: Malte Christians/dpa
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Berlin (dpa) - Knapp fünf Monate vor den Olympischen Spielen hat der Reitsport-Weltverband FEI einen Skandal aufgedeckt und dabei eigene Fehler zugegeben.

Beim Kampf um Startplätze für die Spiele in Tokio ist bei mehreren Turnieren manipuliert worden, doch die Ergebnisse sind nun von der FEI nachträglich wieder gestrichen worden. «Es ist ein gutes Zeichen, dass es rausgekommen ist», sagte Soenke Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur. Der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN kommentierte die aufgeflogenen Mauscheleien: «Mit Fairplay und dem olympischen Gedanken hatte das nicht so viel zu tun.»

Ähnlich sieht es der FN-Präsident. «Ich will bestimmten Reitern keine Vorwürfe machen, aber irgendeiner wollte da betrügen», kommentierte Breido Graf zu Rantzau: «Das macht ja keiner aus Lust und Laune. Gut, dass auch die FEI ihre Fehler eingesehen hat.»

Menschliche Fehler seien «immer möglich», sagte Weltverbands-Präsident Ingmar De Vos, «aber wir werden immer unsere Verantwortung übernehmen, sie im Interesse unseres Sports zu beheben». Die FEI wolle «Probleme direkt angehen und Entscheidungen auf der Grundlage von Fairplay treffen».

Nach Protesten von verschiedenen Verbänden und Reitern hatte die FEI in den vergangenen Wochen Turniere in Frankreich und in Syrien untersucht. Dabei fiel ein Trick auf, um Punkte für die Olympia-Qualifikation zu ergattern.

«Die Untersuchung der drei Turniere in Villeneuve-Loubet im Dezember 2019 hat ergeben, dass entgegen der FEI-Regularien zwei Prüfungen nach Nennungsschluss hinzugefügt wurden, die für die Olympische Rangliste und die Weltrangliste zählten», teilte die FEI mit. Und sie gab zu: «Die aktualisierten Zeiteinteilungen der drei Turniere wurden ... aus Versehen von der FEI anerkannt.»

Der Trick war, dass nur informierte Reiter sich für die entsprechenden Prüfungen anmeldeten. Diese Wettkämpfe wurden bewusst für «einen kleinen Kreis organisiert, damit bestimmte Reiter Punkte sammeln können», erklärte der FN-Generalsekretär. Bei einer dieser Prüfungen waren beispielsweise nur fünf Paare am Start.

Der gleiche Trick wurde im Januar 2020 bei drei weiteren Turnieren in Villeneuve-Loubet genutzt. Auch die dort erzielten Ergebnisse wurden nun nach FEI-Angaben «entfernt», die Reiter verlieren ihre dort gewonnen Punkte.

Davon betroffen ist Mathilda Karlsson, die in Grönwohld in Schleswig-Holstein lebt. Die 35 Jahre alte Schwedin, die seit drei Jahren für Sri Lanka startet, war in Villeneuve-Loubet am Start, und das Gestüt Grönwohldhof vermeldete noch am 18. Februar auf der Internetseite die erfolgreiche Olympia-Qualifikation. Nach der Neuberechnung der Punkte sind aber nun zwei der 13 Einzel-Startplätze für Tokio an Taiwan und Hongkong gegangen - nicht an Thailand und Sri Lanka.

Die FEI fand auch bei drei Turnieren im Herbst 2019 in Damaskus, wo trotz des Bürgerkrieges im Land geritten wird, Unregelmäßigkeiten. Diese Regelverstöße haben aber nach Angaben des Weltverbandes keine Auswirkungen auf die Olympia-Startplätze. Syrien und Jordanien dürfen je einen Reiter nach Tokio schicken.

Auswirkungen haben hingegen drei positive Dopingproben. Kanada und Katar verloren ihre Olympia-Startplätze, weil Teammitglieder bei Qualifikationsturnieren mit verbotenen Substanzen erwischt worden waren. Nachrücker sind Marokko und Argentinien.

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