St. Pauli marschiert - KSC im freien Fall

Karlsruhe (dpa) - Die Stimmung der Fans im Wildparkstadion war beinahe bundesligareif. Doch während die Anhänger des FC St. Pauli auf Tabellenplatz zwei weiter von einer Rückkehr ins Oberhaus träumen können, kämpft der Karlsruher SC wieder im Tabellenkeller der 2. Liga.

Das verbindende Element zwischen dem KSC und St. Pauli war am Montagabend die gemeinsame Geschichte in der 1. Bundesliga. Doch während KSC-Trainer Rainer Scharinger nach fünf Niederlagen in Serie um seinen Job bangen muss, untermauerten die Hamburger beim 2:0 (1:0)-Erfolg im Wildparkstadion ihre Ambitionen auf die direkte Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. «Ich traue St. Pauli den Aufstieg zu», sagte Holger Stanislawski, der frühere Kiez-Coach und jetzige Hoffenheim-Trainer, der unter den 18 978 Zuschauern weilte. Die Kulisse war bundesligareif.

Beim KSC geht es mit Durchhalteparolen weiter. «Wir müssen die Ruhe bewahren, auch wenn die Situation momentan unschön ist», mahnte Präsident Ingo Wellenreuther, dessen Wunschtrainer Scharinger war. Sportdirektor Oliver Kreuzer forderte: «Für Rostock gilt nun: Verlieren verboten.» In Anspielung auf seinen HSV-Kollegen Frank Arnesen sagte er noch: «Sie können sicher sein, dass Rainer Scharinger mit uns nach Rostock fliegt - und auch wieder mit zurück.»

Dabei war der KSC mit zwei Siegen aus drei Spielen verheißungsvoll in die Saison gestartet, ehe der freie Fall begann. Nun findet man sich auf Platz 15 wieder - mit 19 Gegentoren als Schießbude der Liga. Während die Offensive mit Louis Ngwat-Mahop, Klemen Lavric, Bogan Müller und dem wiedererstarkten Alexander Iaschwili besser aufgestellt ist als in der Vorsaison, ist die komplett ausgetauschte Defensivreihe das große Manko. Zur Achillesferse wurde die Innenverteidigung um Giuseppe Aquaro und Niklas Hoheneder.

«Man sieht beim einen oder anderen die Defizite und manchmal auch Qualitätsunterschiede», kommentierte KSC-Coach Scharinger. Man habe gegen St. Pauli, Düsseldorf, Cottbus und Braunschweig erkennen müssen, dass zur Spitze ein großer Abstand ist. Noch richtet sich die Stimmung im Verein nicht gegen den 44-Jährigen, Beschimpfungen oder Pfiffe der Fans blieben bisher aus.

Auch die Spieler nehmen sich selbst in die Pflicht. «Die Stimmung bei uns ist nicht verloren gegangen, wir dürfen uns jetzt nicht vergraben», meinte KSC-Schlussmann Dirk Orlishausen kämpferisch. «Wir müssen jetzt weiter daran arbeiten, den Bock umzustoßen.»

Für St. Pauli könnte die Saison dagegen so weitergehen: 19 Punkte aus acht Spielen und Tabellenplatz zwei sprechen für sich. KSC- Präsident Wellenreuther sagte: «Die steigen für mich auf jeden Fall auf.» Dagegen sah Florian Bruns für sein Team noch einen langen Weg. «Man muss in diesem Jahr sehr, sehr viele Punkte sammeln, um oben dranzubleiben. Die ersten sechs, sieben Mannschaften in der Tabelle punkten ja ständig», sagte der Torschütze zum 1:0 (17. Minute).

Für das 2:0 hatte Marius Ebbers gesorgt (46.). Hamburgs Coach Andre Schubert machte auch den Badenern Mut: Er habe Leidenschaft im Spiel gesehen, und die sei «immer eine Grundvoraussetzung, um aus schwierigen Situationen herauszukommen».

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