Vettel will perfektes Finale: Pole-Rekord und Sieg

Sao Paulo (dpa) - Caipirinha statt Glühwein, Motorenlärm statt Adventsmusik: Beim ersten Formel-1-Finale am ersten Advent will sich Sebastian Vettel in Weihnachtsstimmung bringen.

Noch einmal die schnellste Qualifikationsrunde zum alleinigen Rekord, noch einmal auf dem obersten Treppchen stehen, bevor es nach der für ihn erfolgreichsten Saison in die verdienten Winterferien geht. «Danach freut man sich sicher, dass es vorbei ist», sagte der Doppel-Weltmeister Vettel vor dem Großen Preis von Brasilien.

Während den schon lange gescheiterten Rivalen nur noch der wenig tröstliche Kampf um die Vizemeisterschaft bleibt, kann sich Vettel reich beschenken. Vor allem will er aber die Scharte von Abu Dhabi auswetzen, als ihn ein Reifenplatzer in Runde eins aus dem Rennen warf. Bis jetzt ist die Ursache für den bislang einzigen Ausfall in diesem Jahr ungeklärt. Dafür weiß Perfektionist Vettel, was ihn auf dem 4,309 Kilometer langen Autodromo José Carlos Pace erwartet. «Sao Paulo liegt 1000 Meter über dem Meeresspiegel, das kostet uns ein bisschen Power», sagte er. Hinzu kommt: «Wenn es regnet, was wahrscheinlich ist in Sao Paulo, gibt es extremes Aquaplaning.»

Ein Sieg inklusive Pole wäre für den 24 Jahre alten Hessen der perfekte Abschluss einer famosen Saison. Vor einem Jahr gewann er in dem rennsportverrückten Land, die Pole hatte sich damals aber sensationell Landsmann Nico Hülkenberg geholt. Für die Sekunden-Jagd gegen den Uhrzeigersinn stellt auch Vettel das Training speziell im Nackenbereich um. Deutsche Rivalen muss der Red-Bull-Star im Kampf um den besten Startplatz nicht fürchten. Die Pole kann er zum 15. Mal in dieser Saison holen und damit die alleinige Führung in der Statistik vor dem Briten Nigel Mansell (1992) übernehmen..

Das Mercedes-Duo Michael Schumacher - er stand vor zehn Jahren in Sao Paulo als erster Deutscher auf Startposition eins - und Nico Rosberg will die schwache Saison zumindest versöhnlich abschließen. «In den vergangenen Rennen haben wir einige gute Resultate unter den Top Sechs erzielt. Es wäre toll, diesen Trend in Brasilien fortzusetzen und die Saison zu einem guten Ende zu bringen», sagte Rekordchampion Schumacher. Rosberg pflichtete bei: «Die stärkere Qualifikations- und Renngeschwindigkeit in Abu Dhabi macht mich zuversichtlich, dass wir pushen und versuchen können, eines der Autos von den Top-Drei-Teams zu kriegen.»

Adrian Sutil will sich mit einem Top-Ten-Platz für den Verbleib bei Force India bewerben. Für Timo Glock wäre es schon ein Riesenerfolg, im 19. Versuch in diesem Jahr endlich mal in den zweiten Qualifikationsabschnitt mit dem Marussia-Virgin zu kommen.

Die bereits gescheiterten Verfolger wollen indes Vettel noch einmal schlagen und sich so ein bisschen Optimismus für die nächste Saison erhalten. Neben den drei Kandidaten auf den zweiten WM-Platz, Jenson Button, Fernando Alonso und Mark Webber ist das vor allem Lewis Hamilton. Der McLaren-Mann ist noch immer berauscht vom Glücksgefühl in Abu Dhabi. «Es wäre großartig, in den Winter mit einem weiteren Sieg zu gehen», sagte der Weltmeister von 2008. Diesmal ist aber nicht mal mehr WM-Platz zwei für ihn drin.

Den hat derzeit sein Teamkollege inne: Button will wenigstens den Vizetitel. Der Weltmeister von 2009 setzt ebenfalls voll auf Sieg. «Selbst wenn das heißt, bis zur letzten Runde im letzten Rennen kämpfen zu müssen.» Was in Interlagos nichts Neues wäre.

Im Klassement hat Button zehn Punkte Vorsprung auf Alonso, Webber liegt 22 Zähler zurück. Nur mit einem Sieg - Webbers letzter war am 1. August 2010 - könnte Vettels Stallrivale möglicherweise noch bis auf WM-Platz zwei vorfahren und die Red-Bull-Bilanz weiter veredeln. Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft gingen ja bereits wieder an den Branchenprimus. Die großen Geschenke sind vergeben, die Zeit der Besinnlichkeit kommt in der Formel 1 aber erst nach dem ersten Advent.

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