Wales trauert: Suizid-Tragödie um Idol Gary Speed

London (dpa) - Der Suizid des walisischen Fußball-Idols und Nationaltrainers Gary Speed hat den britischen Fußball in Trauer und Entsetzen gestürzt. «Ich bin erschüttert», sagte der ehemalige Bayern-Profi und Landsmann Mark Hughes.

Speed war in seinem Haus in Huntington bei Chester von Polizeibeamten erhängt aufgefunden worden. «Es gibt keine Hinweise auf Fremdverschulden, und die Angehörigen sind informiert», erklärte ein Sprecher der ermittelnden Cheshire Police.

Der frühere Premier-League-Profi Speed wurde nur 42 Jahre alt. «Ich kann es nicht glauben. Vor ein paar Tagen haben wir unsere Kinder zusammen zur Schule gebracht», äußerte Englands Fußball-Nationalspieler Michael Owen, der in der Nähe von Speeds Haus wohnt, bestürzt in der BBC.

Der einstige Rekordprofi Speed war nicht nur in Wales ein Idol. Für den FC Everton, Leeds United, Newcastle United, die Bolton Wanderers und Sheffield United absolvierte er fast 700 Liga-Spiele im englischen Spitzenfußball. Speed war der erste Spieler überhaupt, der die Marke von 500 Einsätzen in der Premier League durchbrach.

Die Todesnachricht war unmittelbar vor dem Spiel von Swansea City, dem einzigen walisischen Verein in der Premier League, gegen Aston Villa bekanntgeworden. Nach einer Schweigeminute applaudierten die Zuschauer und sangen spontan: «Es gibt nur einen Gary Speed.» Bei der Partie standen vier walisische Nationalspieler in der Startformation.

Auch vor dem Duell zwischen dem FC Liverpool und Manchester City am frühen Abend ehrten Profis, Trainer und Fans den Toten. «Das war eine schockierende Nachricht, er war ein großartiger Typ», sagte Liverpools Coach Kenny Dalglish, der Speed 1998 zu Newcastle geholt hatte. «Fußball wird in Momenten wie diesen vollkommen irrelevant.» Dalglish verzichtete in der Spitzenpartie auf den trauernden Nationalspieler Craig Bellamy.

Der walisische erste Minister Carwyn Jones war ebenso geschockt wie alle Fußballfans auf der Insel: «Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.» Der nationale Fußball-Verband (FAW) bat in einer Beileidbekundung um «Respekt für die Privatsphäre der Familie». Noch am Samstagnachmittag war Speed bei der BBC in einer Fußballshow aufgetreten.

Im Dezember 2010 hatte er die walisische Nationalmannschaft von John Toshack übernommen, erreichte in zehn Spielen fünf Siege. Wales schloss die Qualifikations-Gruppe G zur Europameisterschaft 2012 als Vierter ab. Als Mittelfeldspieler von Leeds hatte Speed zwischen 1990 und 2004 insgesamt 85 Länderspiele für Wales absolviert und sieben Tore erzielt. «Worte können nicht beschreiben, wie traurig ich mich fühle bei dieser schrecklichen Nachricht», sagte sein früherer Nationalmannschaftskollege Ryan Giggs.

«Der Verband will keine Details über den Tod des 42-Jährigen bekanntgeben», hieß es am Sonntag auf der Internetseite des walisischen Fußball-Verbandes. 1992 war Speed mit Leeds United an der Seite des exzentrischen Franzosen Eric Cantona Meister geworden - der Höhepunkt in seiner 22-jährigen Profikarriere. Mit 535 Einsätzen war Speed bis 14. Februar 2009 Rekordspieler der englischen Eliteliga.

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