Chronologie: Ägypten auch nach Mursis Sturz gespalten

Berlin (dpa) - Nach nur einem Jahr im Amt wird Ägyptens Präsident Mohammed Mursi vom Militär gestürzt. Das Land ist seither gespalten: Anhänger und Gegner stehen sich unversöhnlich gegenüber.

24. Juni 2012: Die Wahlkommission erklärt Mursi, den Kandidaten der Muslimbruderschaft, zum Sieger der Präsidentenwahl. Am 30. Juni legt er seinen Amtseid ab.

29. November: Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch.

25. Januar 2013: Mindestens 500 000 Ägypter protestieren gegen Mursi.

8. März: Die Wahlkommission beschließt die Verschiebung der für April geplanten Parlamentswahl. Oppositionsgruppen rufen zum Boykott auf.

2. Juni: Das oberste Verfassungsgericht spricht dem von Muslimbrüdern und Salafisten dominierten Oberhaus des Parlaments die Legitimität ab. Auch die von Mursi durchgeboxte Verfassung sei unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen, heißt es.

30. Juni: Eine Unterschriftenkampagne, mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfeln in Massenprotesten Hunderttausender. Die Initiatoren von «Tamarud» (Rebellion) sammelten nach eigenen Angaben über 22 Millionen Unterschriften.

1. Juli: Armeechef und Verteidigungsminister General Abdel Fattah al-Sisi fordert ultimativ: Islamisten und Opposition müssen den Konflikt innerhalb von 48 Stunden lösen.

2. Juli: Mursi will im Amt bleiben. Islamistische Politiker und Geistliche rufen dazu auf, die legitime Führung zu verteidigen. Bei Zusammenstößen gibt es mindestens 22 Tote und Hunderte Verletzte.

3. Juli: Mursi wird vom Militär gestürzt und unter Arrest gestellt. Bei Gewalt auf den Straßen werden mindestens zwölf Menschen getötet.

4. Juli: Viele führende Muslimbrüder werden festgenommen. Bei Krawallen kommen mindestens neun Menschen ums Leben. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident.

5. Juli: Zehntausende Islamisten protestieren gegen Mursis Absetzung. Das Militär feuert auf Demonstranten. Bei Straßenschlachten sterben mindestens 36 Menschen. Mansur löst das Parlament auf.

7. Juli: Religiöse Kräfte verhindern die Ernennung des Friedensnobelpreisträgers Mohammed ElBaradei zum Ministerpräsidenten einer Übergangsregierung.

8. Juli: Bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und dem Militär in Kairo werden mehr als 50 Menschen getötet. Das Militär gibt an, Bewaffnete hätten den Offiziersclub der Republikanischen Garde stürmen wollen. Die Muslimbruderschaft spricht von Angriffen auf friedliche Demonstranten beim Morgengebet.

9. Juli: Die Islamisten lehnen sowohl den neu eingesetzten Chef der Übergangsregierung, Hazem al-Beblawi, als auch Mansurs Fahrplan für Neuwahlen binnen sechs Monaten ab.

12. Juli: Hunderttausende Mursi-Anhänger demonstrieren in Kairo. Befürchtete Ausschreitungen bleiben aus. Bei Unruhen auch in anderen ägyptischen Städten in den Tagen darauf gibt es jedoch wieder Tote.

24. Juli: Armeechef Abdel Fattah al-Sisi ruft für den folgenden Freitag zu Massendemonstrationen auf. Sie sollen ihm ein Mandat zur «Bekämpfung des Terrors» geben. Die Muslimbruderschaft mobilisiert umgehend ihre Anhänger.

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