Experte: Zu viele pauschale Unwetterwarnungen

Berlin (dpa) - Zu oft und auch zu pauschal wird in Deutschland vor Unwettern gewarnt, findet Eberhard Reimer. Der Forscher vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin sieht einige Tücken bei den Vorhersagen. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur plädiert er dafür, die Erfahrungswerte der Menschen in den einzelnen Regionen zu berücksichtigen.

Frage: Warum ist es eigentlich so schwierig, Unwetter exakter vorherzusagen?

Antwort: Das ist auch für die Fachwelt immer wieder überraschend. Vor allem Schwerschauerprognosen sind sehr schwierig zu machen. Man kann zwar vorher eine sogenannte Superzelle ausmachen. Aber im Detail ist es noch nicht möglich, im Modell vorherzusagen, wo die sich dann genau abregnet. Das hängt auch von vielen regionalen Eigenheiten ab. Da braucht man immer noch das Fachwissen und die Erfahrungswerte der Menschen vor Ort. Vor allem Starkregen sind häufig sehr punktuell und vorab schwer zu lokalisieren. Wir werden nie so weit sein, dass wir vorhersagen, morgen um 12 Uhr wird es in Berlin-Wilmersdorf einen dicken Schauer geben. Generell gilt aber, je kurzfristiger die Vorhersage, desto verlässlicher.

Frage: Wird denn zu oft gewarnt?

Antwort: Aus meiner Sicht, ja. Und es wird ja pauschal für eine Region gewarnt. Dabei gibt es auch da Unterschiede. In Berlin zum Beispiel gibt es Bereiche wie West-Charlottenburg, wo es kaum regnet, während in der Schiene Zehlendorf, Wilmersdorf, Neukölln regelmäßig sehr viel mehr runterkommt. Das hat mit dem Mikroklima zu tun, mit Bebauung, Wasser- und Grünflächen.

Frage: Können denn Regenradar-Apps auf dem Handy helfen?

Antwort: Tja, da können Sie zwar Regen im Radar sehen. Aber Sie wissen ja nichts über Windgeschwindigkeiten und Windrichtung dort oben. Also: Wie geht's weiter mit der Wolke? Da braucht man schon diffizilere Zusatzinformationen.

Frage: Was würden Sie bei Wettervorhersage und Unwetterwarnungen denn anders machen?

Antwort: Ich würde warnen, aber in einer anderen Tonlage. Es war immer erfolgreich, wenn die Wettervorhersage etwas länger war und mehr erklärt wurde. Manchmal reicht ja ein Satz. Aber gerade bei einer schwierigen Wetterlage ist eine längere, flexiblere Vorhersage günstiger. Das kann man eben nicht bündig in zwei Sätze packen. Aber Radiostationen wollen es oft genau so.

Frage: Hören Sie selbst denn den Wetterbericht?

Antwort: Na klar, ich nehme das hin - und relativiere es gleich.

ZUR PERSON: Eberhard Reimer ist Forscher im Institut für Meteorologie der Freien Universität (FU) in Berlin.

Institut für Meteorologie

SOCIAL BOOKMARKS