Hintergrund: Mehrparteienbündnisse in Landtagen

Berlin (dpa) - Über viele Jahre stellten in den Landesparlamenten jeweils nur zwei Parteien die Regierungskoalitionen.

Seit die Parteienlandschaft bunter geworden ist, kommt es immer häufiger zu Bündnissen aus mehrerer Parteien und neuen Farbenspielen. In Thüringen könnte Rot-Rot-Grün eine Chance haben.

In SCHLESWIG-HOLSTEIN führt der Sozialdemokrat Torsten Albig seit Juni 2012 eine Koalition aus SPD, Grünen und der dänischen Minderheitenpartei SSW - die sogenannte Dänen-Ampel. Das bunte Bündnis regiert mit einer Stimme Mehrheit.

In NORDRHEIN-WESTFALEN wurde Hannelore Kraft (SPD) im Juli 2010 Chefin einer rot-grünen Minderheitsregierung. Dabei kamen ihr die Stimmen der Linkspartei zugute, obwohl es keinen formellen Tolerierungsvertrag gab. Im März 2012 fand Rot-Grün keine Mehrheit für den Landeshaushalt und scheiterte.

Im SAARLAND setzte 2009 CDU-Ministerpräsident Peter Müller erstmals auf eine bunte Regierung seiner Partei mit FDP und Grünen. Seine Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ließ die scharz-gelb-grüne «Jamaika-Koalition» im Januar 2012 platzen.

In HAMBURG wagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) 2001 ein Dreierbündnis seiner Partei mit Freien Demokraten und der Partei des Rechtspopulisten Ronald Schill. Das Bündnis zerbrach mit einem Eklat, als Schill seinem Regierungschef im August 2003 mit der Aufdeckung eines angeblichen homosexuellen Verhältnisses drohte.

In BREMEN ließ sich SPD-Bürgermeister Klaus Wedemeier 1991 auf eine «Ampelkoalition» mit FDP und Grünen ein. Das vorzeitige Ende kam 1995 wegen einer Affäre um die Nutzung von Vogelschutzgebieten, die der grüne Umweltsenator im Alleingang bei der EU angemeldet hatte.

Auch in BRANDENBURG hielt die Ampel der Jahre 1990 bis 1994 nicht bis zum Ende der Legislaturperiode. Der Grund: Sozialdemokraten und Bürgerrechtler von Bündnis 90 überwarfen sich im Streit über Stasi-Kontakte von SPD-Ministerpräsident Manfred Stolpe.

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