Kampfjets gegen Gaddafi - Gefechte in Bengasi

Paris/Bengasi/Kairo (dpa) - Die Aufständischen gegen Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi können unter dem Schutz einer internationalen Luftstreitmacht weiterkämpfen.

Kampfjets aus Frankreich und anderen Staaten patrouillieren den libyschen Luftraum - bereit, Angriffe Gaddafis auf die Bevölkerung mit Gewalt zu unterbinden. Den ersten Luftangriff flogen französische Jets, die nach Angaben des Generalstabs ein Fahrzeug aus der Luft beschossen.

Die von den Vereinten Nationen gebilligte Operation, eine Flugverbotszone durchzusetzen, begann fast zeitgleich mit einem Gipfel der Staatengemeinschaft in Paris. Noch am Samstag versuchten Gaddafis Truppen, Aufständische im Osten des Landes bei heftigen Gefechten zurückzudrängen.

Damit steht der wochenlange blutige Bürgerkrieg wohl vor einer Wende. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte nach dem Sondergipfel, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Außenministerin Hillary Clinton teilnahmen, dass es keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Alliierten gebe.

«Weitere französische Flugzeuge stehen bereit, um gegen Panzer zu intervenieren, die Zivilisten bedrohen», sagte er. Noch könne Gaddafi einlenken. Eine sofortige Waffenruhe könne für ihn das Schlimmste noch verhindern.

Auch US-Präsident Barack Obama unterstrich die Entschlossenheit der Weltgemeinschaft. «Das libysche Volk muss beschützt werden», sagte er nach einem Treffen mit der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff in Brasília.

Kampfjets und Aufklärer drangen in den libyschen Luftraum ein und überflogen auch die Aufständischen-Hochburg Bengasi. Flugzeuge mehrerer Staaten würden jegliche Angriffe der Gaddafi-treuen Truppen auf die eigene Bevölkerung unterbinden, kündigte Sarkozy an. Es gehe nicht darum, für die Libyer zu entscheiden, sondern sie zu verteidigen, damit sie selbst ihre Zukunft gestalten könnten, sagte er.

Der UN-Sicherheitsrat hatte das Vorgehen der Staatengemeinschaft mit der Resolution 1973 in der Nacht zum Freitag autorisiert.

Nach inoffiziellen Berichten flogen die ersten Alliierten-Maschinen bereits über Libyen, als der Sondergipfel in Paris noch lief. An den Aufklärungsflügen waren demnach französische Rafale-Jets und britische Maschinen beteiligt.

In einer gemeinsamen Abschlusserklärung forderten die zwei Dutzend Spitzenpolitiker Gaddafi erneut auf, die Gewalt einzustellen, seine Streitkräfte aus den eroberten Gebieten zurückzuziehen und humanitäre Hilfe zu ermöglichen. «Wir sind zu allen nötigen Aktion entschlossen, auch zu militärischen, gemäß der UN-Resolution», hieß es.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ergänzte: «Es wird niemand gelingen, die internationale Staatengemeinschaft in ihrer Entschlossenheit zu spalten.» Deutschland lehnt eine militärische Beteiligung an dem Einsatz ab und hatte sich im Sicherheitsrat bei der Abstimmung enthalten.

Die Truppen Gaddafis hatten nach Augenzeugenberichten noch kurz vor Gipfelbeginn Bengasi mit Artillerie und Panzergranaten beschossen. Arabischen Medien zufolge drangen Regierungseinheiten in die südlichen Vorstädte ein. Auch Kampfflugzeuge seien über das Stadtgebiet geflogen. Ein Militärjet wurde abgeschossen - unklar war, ob er den Rebellen oder den Regierungstruppen gehörte.

Nach Angaben des Vorsitzenden der provisorischen Gegenregierung in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, gab es viele Opfer. In den Krankenhäusern herrsche großer Andrang, sagte er dem Sender Al-Dschasira.

Die Führung in Tripolis stritt ab, Bengasi angegriffen zu haben. Die Truppen hätten lediglich «in Selbstverteidigung» gehandelt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Jana.

Gaddafis Truppen waren am Freitagabend, wenige Stunden nach einer Erklärung einer Waffenruhe, aus über 100 Kilometer Entfernung kommend auf Bengasi vorgerückt.

In Briefen an verschiedene Staatsführer warnte Gaddafi noch am Samstag vor einem militärischen Eingreifen. Wer sich in die Angelegenheiten des Landes einmische, werde dies bedauern. Die Angreifer müssten «unkalkulierbare Risiken für das Mittelmeer und Europa in Kauf nehmen», drohte Gaddafi.

Das UN-Flugverbot bezeichnete er als nichtig. Sie stehe «im Widerspruch zur UN-Charta, die jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Mitgliedslandes verbietet», hieß es in dem Schreiben Gaddafis, das an Sarkozy, den britischen Premierminister David Cameron und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon adressiert war.

Gaddafi schrieb einen weiteren Brief an Obama, in dem er diesen seinen «Sohn» nannte. «Selbst wenn Libyen und die USA - Gott verbiete es - in den Krieg miteinander treten, wirst Du für immer mein Sohn bleiben», hielt Gaddafi fest.

Die USA wollen ihre Beteiligung nach einem Zeitungsbericht zeitlich stark begrenzen. US-Soldaten dürften nach dem Willen Obamas nur «Tage, nicht Wochen» in den Kampf verstrickt werden, berichtete die «New York Times» (Samstag) unter Berufung auf Regierungskreise.

Merkel unterstrich nach dem Gipfeltreffen in Paris die deutsche Haltung, sich nicht an dem Militäreinsatz zu beteiligen. Die US-Stützpunkte in Deutschland könnten aber dafür genutzt werden. Die Teilnahme der kanzlerin an dem Treffen in Paris wurde von französischen Kommentatoren als «gutes Zeichen für Europa» gewertet.

Aufsehen erregte das Fernbleiben der Afrikaner, die nach Medienberichten in Mauretanien eine letzte Vermittlungsaktion vorbereiten wollten. Die Arabische Liga war dagegen ebenso durch ranghohe Repräsentanten in Paris vertreten wie die Europäische Union.

Nach anderen Ländern wie Großbritannien, Belgien, Spanien, Italien, Dänemark, Katar, den USA oder auch Kanada kündigte auch Norwegen seine Beteiligung an dem Militärseinsatz an. Man werde sechs Kampfjets vom Typ F-16 bereitstellen, erklärte Ministerpräsident Jens Stoltenberg.

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