Bei Gaultier wird der Laufsteg zur Reality-Show

Paris (dpa) - Eine Modenschau als Reality-Show: So inszenierte Jean Paul Gaultier am Samstag in Paris seine Prêt-à-Porter-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2012. Am Kopf des Laufstegs war ein Gerüst mit Kleiderständern aufgebaut. Während die Gäste warteten, wurden die Models dort gestylt.

Für die Schau selbst gab es eine Moderatorin, die alle Kleider einzeln ansagte, Namen und Lieblingsgerichte der Mannequins nannte und kleine Anekdoten erzählte. Das Spektakel erinnerte an die Salon-Präsentationen der 50er-Jahre und hob die Anonymität üblicher Schauen auf, rückte die einzelnen Kleidungsstücke in den Fokus. Der fantastischen Verarbeitung von Gaultiers Entwürfen - taillierten Trenchcoats, schmalen Bustiers und wie angegossen sitzenden Blazerjacken - kam das zugute. Nadelstreifen, Marlenehosen und Blusen aus weißem Seidencrêpe sowie nostalgischer Wäschelook verbanden Maskulines mit Femininem. Zudem zeigte Gaultier hautfarbene Seide und Leder mit einem Tattoo-Motiv.

Mit Show-Effekten arbeitete auch das holländische Designer-Duo Viktor&Rolf. Als Vorhang zum Catwalk diente ein überdimensional sich auftürmender Tüllrock, der in ein Corsagenoberteil mündete. An der Spitze schauten die Köpfe zweier Sängerinnen hervor, die die Schau musikalisch live begleiteten. Das zum Kitsch übertriebene Setting untermalte eine «Zuckerbäcker»-Kollektion mit zahlreichen Rüschen- und Volantkleidern in Pink- und Roséfarben.

In strahlendem Gelb und Weiß kamen die Entwürfe bei Sonia Rykiel auf den Laufsteg. Lässige Tennisröcke im 20er-Jahre-Stil zu feinem Streifenstrick, mädchenhafte Trägerkleider und wehende Hippiemodelle in den Farben eines Tulpenfeldes taugen für sommerliche Landausflüge. Neben Nathalie Rykiel, der Chefin der Modemarke, trat die neue Kreativdirektorin April Crichton als Designerin auf den Laufsteg.

Auf vornehme Zurückhaltung setzte der Australier Martin Grant. Seinen schulterfreien Seiden-Overalls in sattem Orange oder intensivem Blau und schmalen Shiftkleidern eignete Klasse. Fast unschlagbar sind Grants taillierte Trenchcoats, die er jede Saison variiert - diesmal in Beige mit einem zarten neongelben Rand am Saum, getragen zu ebenso gelben Sandalen.

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