«House of Cards»-Mitarbeiter klagen über Spacey
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Kevin Spacey wollte sich zu den neuen Vorwürfen nicht äußern. Foto: Flavio Lo Scalzo
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Los Angeles (dpa) - Acht ehemalige und aktuelle Mitarbeiter der US-Serie «House of Cards» haben offen über sexuelle Belästigungen durch den Hauptdarsteller Kevin Spacey (58) gesprochen.

«Es war ein vergiftetes Umfeld für junge Männer in Reihen der Crew, des Casts und der Statisten, die mit ihm zu tun hatten», sagte ein ehemaliger Produktionsassistent am Donnerstag dem TV-Sender CNN. «Kevin hatte wenig bis gar keine Skrupel, seinen Status und seine Position auszunutzen.»

Der Mann, der anonym bleiben wollte, berichtete von einer Autofahrt mit Spacey, bei der dieser ihm an die Hose gefasst und ihn später bedrängt habe. «Ich stand unter Schock.» Weitere Crewmitglieder bestätigten CNN, dass derartiges Verhalten am Set an der Tagesordnung gewesen sei. Männer hätten aus Angst, ihren Job zu verlieren, geschwiegen. Spacey selbst äußerte sich zu den neuen Vorwürfen zunächst nicht.

Medienberichten zufolge leitete die Polizei in London Ermittlungen gegen Spacey ein, weil er einen Mann sexuell belästigt haben soll. Das berichtet unter anderem der «Guardian». Scotland Yard bestätigte die Ermittlungen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, nannte aber keinen Namen. Es gehe um Vorwürfe gegen einen Mann, der einen anderen Mann im Jahr 2008 im Londoner Stadtteil Lambeth sexuell belästigt haben soll, hieß es lediglich in einer Mitteilung. Spacey war zu der Zeit Direktor des Old Vic Theatre in Lambeth.

Die niederländische Großbank ING kündigte an, wegen der Vorwürfe wegen sexueller Belästigung auf einen Auftritt von Spacey bei einem von ihr organisierten Unternehmertreffen zu verzichten. «Es ist nicht mehr wünschenswert, ihn auftreten zu lassen», heißt es auf der Webseite von BusinessBoost Live, einem von der ING organisierten Treffen in Rotterdam am 29. November. «Seine Anwesenheit würde ablenken vom Zweck der Veranstaltung, Unternehmer zu inspirieren, um ehrgeizige Ziele zu verfolgen.»

Die «House of Cards»-Produktionsfirma MRC richtete eigenen Angaben zufolge eine Hotline ein, bei der sich Mitarbeiter anonym melden können. Der Streamingdienst Netflix kündigte an, einen Mitarbeiter ans Set schicken zu wollen, um die Crew zu den Vorwürfen zu befragen.

In der erfolgreichen Politserie, die mit der kommenden sechsten Staffel enden soll, spielt Spacey den rücksichtslosen US-Präsidenten Frank Underwood. In den vergangenen Tagen hatten der Schauspieler Anthony Rapp (46, «Star Trek: Discovery») und andere Spacey sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Als Reaktion auf die Anschuldigungen gegen den Oscar-Preisträger war die Produktion von «House of Cards» vorerst unterbrochen worden. Spacey habe sich in therapeutische Behandlung begeben, erklärte eine Sprecherin am Mittwoch. Später berichtete CNN, die Sprecherin und ihre Agentur hätten sich von dem Schauspieler mittlerweile getrennt.

Spacey ist einer von mehreren Hollywood-Stars, die sich derzeit mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs konfrontiert sehen. Auch gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein kamen neue Anschuldigungen ans Licht. Die Schauspielerin Paz de la Huerta («Boardwalk Empire») sagte dem TV-Sender CBS, dass Weinstein sie 2010 zweimal vergewaltigt habe. Die New Yorker Polizei bestätigte, dass die Vorfälle untersucht würden.

Ivanka Trump, Tochter des US-Präsidenten, verurteilte unterdessen die Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz. «Viel zu oft sind Frauen durch die Kultur an unseren Arbeitsplätzen nicht mit angemessenem Respekt behandelt worden», sagte die Unternehmerin am Freitag auf einer internationalen Frauenkonferenz zur Gleichstellung in Tokio. «Es gibt viele Ausprägungen davon, auch Belästigung, die niemals toleriert werden darf.»

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Er löste die #metoo-Bewegung aus: Ehefrau Georgina Chapman hat sich mittlerweile vom Filmproduzenten Harvey Weinstein getrennt. Foto: Ian Langsdon
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Bei ihm hat sich Kevin Spacey entschuldigt: US-Schauspieler Anthony Rapp. Foto: Chris Pizzello/Invision
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Dustin Hoffman hat sich in einer Stellungnahme für sexuelle Übergriffe entschuldigt. Foto: Jordan Strauss/Invision
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Die «Sopranos»-Schauspielerin Annabella Sciorra warf dem US-Filmproduzenten Harvey Weinstein Vergewaltigung vor. Foto: Charles Sykes
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Auch gegen US-Regisseur James Toback wurden Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Foto: Richard Shotwell/Invision
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US-Regisseuer Quentin Tarantino bedauert es, nicht schon früher auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Harvey Weinstein reagiert zu haben. Foto: Peter Foley
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