Popkomm 2011: «Digitalisierung tut nicht weh»

Berlin (dpa) - IFA, Kunstmessen, Literaturfestival, Medienwoche und jetzt auch noch die Music Week mit 300 Terminen. Der Berliner Kalender ist diesen Monat so rappelvoll, dass ein Stadtmagazin schon mit einem «Festival Overkill» titelte. Da hat es die Musikmesse Popkomm nicht leicht, ihren Platz zu finden.

Mit 400 Ausstellern ist das Treiben auf dem alten Flughafen Tempelhof ähnlich bescheiden wie beim Neustart 2010. Die fetten Jahre im Rock/Pop-Geschäft und einer Popkomm als Event sind schon länger vorbei.

Aber Jammern ist auf der dreitägigen Popkomm, die unter dem Dach der Music Week läuft, nicht angesagt. Die Deutschen wollen aufholen, was das digitale Geschäft angeht, beim Streaming aus dem Netz und bei Downloads also. Berlin sieht sich als Kreativmetropole natürlich ganz vorne: als «Musikhauptstadt», wie Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) bei der Eröffnung am Mittwoch sagt.

«Digitalisierung tut nicht weh» und «Berlin - nur arm und sexy?» sind passenderweise Themen, die diskutiert werden sollen. Wie wandelt sich der Musikkonsum in Zeiten der Netzwerke und Smartphones? Ein David Guetta hat bei Facebook 25 Millionen Anhänger, referiert Holger Weiss, Chef der Berliner Internetfirma Aupeo.

Immer noch machen CDs den größten Teil des Umsatzes in Deutschland aus. Die Zahl von Nutzern, die sich Musik für Geld aus dem Internet herunterladen, wächst aber. Es gibt hierzulande 70 legale Online-Musikanbieter. «Die deutsche Musikbranche ist für die digitale Zukunft gut gerüstet», erklärt Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie.

Aber jährlich grüßt das Murmeltier: Internetpiraterie bleibt ein Problem. 2010 wurden 46 Millionen Musikalben illegal heruntergeladen, das sind drei Viertel aller Alben-Downloads. «Trotz eines recht gut ausgeprägten Unrechtsbewusstseins fehlt leider noch immer der Respekt vor den Leistungen der Kreativen und ihrer Partner», sagt Drücke. Der Markt sei «gestört».

Wer sich von solchen Sorgen ablenken will, hat bei der zweiten Berlin Music Week viel Auswahl. Das Programm ist etwas besser zu durchschauen als bei der Premiere der Dachmarke 2010, die mit der Modewoche ein großes Vorbild hat. Die Popkomm bietet zwar auch Bands eine Live-Plattform, ist aber wieder eine reine Fachveranstaltung für Internetfirmen, Labels, Konzertagenturen und Musikverlage.

Konzerte und Clubabende außerhalb der Messe sind öffentlich. Beim Berlin Festival spielen James Blake, Primal Scream, Beginner und Suede in der historischen Flughafenkulisse von Tempelhof. Mitten am Kurfürstendamm ist eine «Silent Disco» geplant, bei der die Tanzenden Kopfhörer tragen. Der Nachwuchs kann sich bei der Musikwoche Tipps in Workshops holen - ohne Häme wie bei Dieter Bohlen, wurde vorher versprochen.

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