Rio tanzt sich im Karneval warm für die WM

Rio de Janeiro (dpa) - Die Karnevalshochburgen im Fußball-WM-Gastgeberland Brasilien sind außer Rand und Band: Millionen Narren tanzten und feierten bei sommerlichen Temperaturen durch die Nacht in den Rosenmontag.

Auch Fußball-Weltmeister stürzten sich prominent ins Getümmel. «Só Alegria» (Nur Freude) hieß das Motto nicht nur in der Stadt am Zuckerhut, wo am Wochenende wieder zahlreiche Samba-Viertelszüge (Blocos) durch die Straßen tobten.

Im Rios legendärem Sambódromo verfolgten rund 80 000 Zuschauer das traditionelle Defilee der Sambaschulen, deren Tänzer und Tänzerinnen mit farbenprächtigen Kostümen fantasievoll Geschichten erzählten und deren Samba-Queens viel nackte Haut zeigten. Die letzte der sechs Sambaschulen verließ den wohl bekanntesten Karnevalsboulevard der Welt am Rosenmontag erst um 5.42 Uhr in der Früh.

Zum Auftakt der jeweils maximal 82-minütigen Einzel-Defilees hatte Império da Tijuca mit 3500 kostümierten Teilnehmern die Einflüsse afrikanischer Kultur und Religion auf Brasilien thematisiert. Die Sambaschule São Clemente präsentierte in ihrem Auftritt das Alltagsleben in Rios Favelas (Armensiedlungen). In der ersten Runde zogen auch die Schulen Acadêmicos do Grande Rio, Mangueira, Acadêmicos do Salgueiro und Beija-Flor durch das Tribünenstadion.

Die Zuschauer bekamen eine hollywoodreife Choreographie geboten. Chinesische Drachen, Riesen-Eidechsen, afrikanische Krieger, Götter der Unterwelt und die Elemente Wasser, Feuer, Erde, Himmel tanzten an den Tribünen und den strengen Juroren vorbei. In monatelanger Handarbeit hatten die Sambaschulen riesige Motivwagen gebaut und bei unzähligen Proben die Tänze zum eigens komponierten Samba-Lied einstudiert. Alle Kostüme sind handgefertigt - vom Federbusch bis zum Schuhwerk. In der Nacht zum Dienstag stand in Rio die zweite Runde der Defilees auf dem Programm.

Fußballweltmeister Ronaldo «Fenômeno» (1994, 2002) wurde beim Karneval in São Paulo eine besondere Ehre zuteil. Unter dem Motto «R9 - Der echte Flug von Fenômeno» ließ die Sambaschule «Gaviões da Fiel» die vielen Karriere-Stationen des Ex-Stürmers Ronaldo Luís Nazário de Lima aufleben. Der dreifache Weltfußballer selbst fuhr auf dem letzten der Motivwagen mit. «Das war einfach nur bewegend», sagte der sichtlich gerührte 37-Jährige nach dem Umzug. Die Sambaschule bot für ihr Defilee fünf Motivwagen sowie rund 4000 Tänzer, Tänzerinnen und Trommler auf.

Auch der noch aktive Fußball-Weltmeister Ronaldinho (2002) stürzte sich ins bunte Treiben. In Salvador da Bahia sang er vor tanzenden Menschen ins Mikrofon. Am Dienstag wollte er in der Stadt am Zuckerhut weiter feiern. In Recife in Nordosten des Landes waren die Narren schon am Samstag zu Hunderttausenden auf die Straße gezogen. Dort lockte der «Galo da Madrugada» (Hahn der Morgendämmerung) mit einem zehnstündigen Nonstop-Musikprogramm. Der Straßenumzug gilt als einer der größten der Welt.

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