Schau mit historischen Reise-Plakaten in Berlin

Berlin (dpa) - Sehnsucht nach Sonne, Abenteuer und fernen Ländern? Dann nichts wie weg, doch wohin?

Reisen werden heute immer häufiger im Internet gebucht - aber auch im digitalen Zeitalter werben Reiseländer, Fluggesellschaften und Tourismusanbieter noch mit großformatigen Plakaten für sich.

Die Ausstellung «Rund um die Welt» im Deutschen Historischen Museum Berlin (bis 1.9.) zeigt, dass die Plakatwerbung in früheren Zeiten eine ganz eigene Kunstgattung war. Erstmals stellt das Museum in einer großen Schau Tourismusplakate mit dem Schwerpunkt auf den 1920er und 1930er sowie den 1950er und 1960er Jahren aus.

Ob Dampfschiffe, Flugzeuge, Bauwerke, Strandleben oder Sehenswürdigkeiten - knallige, fröhliche Farben bestimmen die Optik der 260 ausgestellten Bilder. Klare Linien und einfache, manchmal augenzwinkernde, komische Botschaften beherrschen die Plakate und erinnern an Bilderbuch-Illustrationen oder sogar Comics. Fotografien verarbeiteten die Plakatkünstler nur in Ausnahmefällen. Grafiker wie Ottomar Anton, Jupp Wiertz, Ludwig Hohlwein, Donald Brun und Herbert Leupin setzten die Wunsch-Wirklichkeit mit Zeichenstift und Tuschkasten in Szene - naturalistisch, im Stil des Art déco oder der Neuen Sachlichkeit.

Da ragt dann immer wieder ein mächtiger, immer verheißungsvoll rot glänzender Schiffsbug ins Bild, elegante Passagiere gehen an Bord. Von Österreich bis Australien strahlt die Sonne an einem überirdisch klaren, blauen Himmel. Junge, hübsche Frauen in reizenden Posen machen schon damals Werbung für den Badeurlaub an der Ostsee, für das «bezaubernde Österreich» und das geheimnisvolle Japan. Und natürlich sollen die berühmten Wahrzeichen wie Eiffelturm, Freiheitsstatue und Brandenburger Touristen in die jeweiligen Metropolen locken.

Auf dem Nordamerika-Plakat lehnt ein Cowboy lässig am Gatter, in Australien strebt eine blonde Badenixe mit Surfboard unter dem Arm den erfrischenden Fluten zu, im damaligen Ostafrika wartet die barbusige schwarze Schönheit mit den eindrucksvollen Halsringen. Der Schritt vom landestypischen Symbol und den Besonderheiten von Städten und Regionen zum alles über einen Kamm scherenden Stereotyp ist da oft kurz.

Die Geschichte des Reisens ist auch eine Geschichte der Motorisierung. Reedereien, Fluggesellschaften und Eisenbahnen aus aller Welt preisen ihre neuen, schnellen, komfortablen und günstigen Verbindungen an. Gerne auch mit dem Zeppelin: Im Jahr 1932 «Nach Südamerika in 3 Tagen!». Deutschland wirbt im Jahr 1935 für Autoreisen auf seinen gut ausgebauten Straßen.

Politisch spannt sich der Bogen der Schau von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis in die Jahre des westdeutschen Wirtschaftswunders und des Aufbaus des DDR. Einige Plakate zeigen die Propaganda-Aktion der sogenannten «Kraft durch Freude»-Freizeitorganisation der Nationalsozialisten, mit der auch Einkommensschwächeren Reisen ermöglicht werden sollten. Diese Reisen hätten die Akzeptanz des Nazi-Regimes gerade in Arbeiterkreisen in ungeahnter Weise befördert, schreibt der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Alexander Koch, im Vorwort zum Ausstellungskatalog.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fingen die Westdeutschen dann in den 50er und 60er Jahren an, die Welt zu entdecken. Das Reiseangebot für DDR-Bürger war dagegen von Anfang an stark einschränkt. «Lernen Sie die Heimat unserer Freunde kennen», warb 1967 das DDR-Reisebüro für einen Aufenthalt in der Sowjetunion - der allerdings erst beantragt und genehmigt werden musste. «Die Kurorte gehören den Werktätigen» heißt es 1954 in einer Werbung des FDGB.

Kuriose Kitsch-Souvenirs und alte Reiseführer ergänzen die Plakatschau. Kofferaufkleber von Hotels und Fotos von Bord deutscher Kreuzfahrtschiffe und von Fluggesellschaften sind ebenso zu sehen wie ein riesiger, in den 30er Jahren gebräuchlicher Schrankkoffer. «Eine große Inspiration und eine Erinnerung daran, warum Menschen reisen», schrieb ein Besucher aus New York über die Ausstellung ins Gästebuch. «Memorabilien aus einer wirklich romantischen Zeit», meinte ein Gast aus Australien. Und ein Berliner notierte sehnsüchtig: «Nichts wie weg».

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