Schauspieler Burkhard Driest gestorben
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Burkhard Driest 2019 bein Internationalen Filmfest Oldenburg. Der Schauspieler und Autor ist gestorben. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Berlin (dpa) - Nur wenige Sekunden reichten, um Burkhard Driest einen Platz in der Fernsehgeschichte zu sichern. «Sie gefallen mir!», sagte Romy Schneider und tätschelte Driests Arm, «Sie gefallen mir sehr!».

In Jeans und Lederjacke saß Driest 1974 in der WDR-Talkshow «Je später der Abend» und berichtete von seinem Leben - Bankraub inklusive. Es waren aufregende Zeiten, und in diesem legendären Live-Auftritt schien er sogar «Sissi» zu verzaubern. Nun ist der Schauspieler und Autor tot. Driest starb im Alter von 80 Jahren am Donnerstag nach langer Krankheit in Berlin, wie seine Familie am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Ob als Romanschriftsteller, Theaterautor oder Schauspieler - Driest bediente sich einer breiten Palette an künstlerischen Talenten. Als Bösewicht und Nonkonformist gab er sich ein rebellisches Image, das ihn stets begleitete. Der 1939 in Stettin als Sohn eines Kaufmanns und einer Klavierlehrerin geborene Driest bürstete gerne gegen den Strich. «Meine Schulzeit war eine Kette von Protesthandlungen.» Eine berufliche Position im Leben zu erringen - «das kotzte mich an», sagte er in einem Interview.

Nach der Flucht mit der Familie in den Westen lebte er in Peine. Die Eltern ließen sich 1950 scheiden, Driest zog zunächst mit der Mutter nach Göttingen, 1957 dann wieder zum Vater zurück.

Viermal flog er vom Gymnasium, dann machte er doch Abitur - als Drittbester seines Jahrgangs. Danach studierte Driest zehn Semester Jura, allerdings nicht zu Ende. Wie er später berichtete, gab er zwar seine Examensarbeit in Zivilrecht ab, gestand aber bei Ermittlungen der Polizei, im März 1965 eine Sparkasse im niedersächsischen Burgdorf überfallen zu haben. Er habe so einen Mittäter decken wollen. Nach drei Jahren und vier Monaten wurde er aus der Justizvollzugsanstalt Celle wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

In der Freiheit schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch und veröffentlichte 1974 seinen ersten Roman, den er im Gefängnis auf Tonband diktiert habe. «Die Verrohung des Franz Blum» hat starke autobiografische Züge. «Nicht gerade ein Stück Weltliteratur, aber empfohlen von Martin Walser, immerhin» schrieb «Die Zeit». Reinhard Hauff verfilmte das Buch später für das Fernsehen mit Jürgen Prochnow in der Haupt- und Driest in einer Nebenrolle.

Auch mit der Malerei hatte Driest im Gefängnis heimlich begonnen. Er finanzierte sich damals mit Jobs im Hamburger Hafen oder als Schmuggler dänischer Pornofilme. Auf größeren Leinwänden malte er dann Szenen aus den Streifen.

Der Erfolg des Romans zog Aufträge als Drehbuch- und Theaterautor nach sich. Für Rainer Werner Fassbinders letzten Film «Querelle» (1982) schrieb er mehrere Script-Fassungen, von denen der Regisseur aber keine nahm. Doch als Polizist Mario trat er mit Jeanne Moreau, Brad Davis und Franco Nero in dem Film auf. Für Peter Zadeks Musicalerfolg «Andi» und in der Revue «Falco meets Amadeus» im Berliner Theater des Westens steuerte er die Texte bei.

Skandale blieben weiter nicht aus. In «Private Life Show» (1995) spielte er den Moderator einer angeblich neuen Programmreihe, die als «live» angekündigt wurde. Dabei gingen die Teilnehmer mit Messern aufeinander los. Am Ende wurde Driest vor laufender Kamera erstochen. Entsetzte Zuschauer riefen beim Saarländischen Rundfunk an, der Sender musste sich erklären. Die Produktion wurde heftig kritisiert. «Jetzt knallt die ARD völlig durch», schrieb die «Süddeutsche Zeitung».

Auch Lob und Verriss lagen im Leben von Burkhard Driest nah beieinander: 1999 wurde er als Darsteller im TV-Film «Callboys - Jede Lust hat ihren Preis» (Sat.1) harsch kritisiert, für sein Drehbuch zum ARD-Film «Schande» hingegen gelobt. Mehrere Romane folgten, auch eine TV-Krimi-Reihe, in der Kommissar Costa auf Ibiza ermittelt. «Schreiben bedeutet für mich einen nochmaligen und neuen Zugang zum Leben - mit Bedacht noch einmal alles anders und richtig machen, wenn auch nur in der Fantasie und auf dem Papier.»

Driest war dreimal verheiratet und ist Vater von zwei Kindern. Seine Tochter Johanna lebte bei ihm auf Ibiza und hatte mit 15 Jahren ihr Literaturdebüt («Crazy for Love»). Ihren Vater beschrieb sie als «rund und plump und schräg, wie seine Nase».

«Es gibt keinen Grund mehr, irgendwelche Aggressionen gegen mich aufzubauen, ich kann kaum noch einen Stein hochheben, geschweige denn eine Keule, so take it easy. Just take me as I am», sagte Burkhard Driest vor zehn Jahren, als er 70 wurde.

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