Spanisches Niemeyer-Zentrum schließt

Madrid (dpa) - Das von dem brasilianischen Star-Architekten Oscar Niemeyer errichtete Kulturzentrum in der nordspanischen Stadt Avilés wird knapp neun Monate nach der Eröffnung bis auf weiteres geschlossen.

Hintergrund ist ein politischer Streit zwischen der Stiftung, die das Zentrum bislang betrieben hat, und der konservativen Regierung der Region Asturien.

Beide Seiten konnten sich nach Medienberichten nicht auf eine Erneuerung des Mietvertrags einigen, der am Donnerstag ausläuft. An diesem Tag wollen die Betreiber unter notarieller Aufsicht der Regionalregierung die Schlüssel des Zentrums überreichen. Niemeyer wird am Donnerstag 104 Jahre alt. Der Brasilianer hatte das Zentrum als sein wichtigstes Bauwerk in Europa bezeichnet.

In dem Komplex waren Weltstars wie Woody Allen, Kevin Spacey oder Jessica Lange aufgetreten. Das Niemeyer-Zentrum hatte der heruntergekommenen Industriestadt an der Atlantikküste zu einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen sollen - ähnlich wie dies mit dem Bau des Guggenheim-Museums in der baskischen Metropole Bilbao gelungen war.

Die konservative Regierung der Region Asturien will auf das Management des Zentrums einen größeren Einfluss nehmen. Sie legte den Verantwortlichen der Stiftung finanzielle Unregelmäßigkeiten zur Last. Die Stiftung, die von der sozialistischen Bürgermeisterin von Avilés unterstützt wird, wies die Vorwürfe zurück. Sie sieht in dem Vorstoß der Regierung einen Versuch, die Unabhängigkeit des Kulturzentrums einzuschränken, und kündigte eine Klage gegen die Regionalregierung an.

Das Niemeyer-Zentrum hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine feste Größe in der internationalen Kulturszene zu werden. Dazu schloss es sich mit renommierten Einrichtungen wie dem Lincoln Center in New York oder dem Centre Pompidou in Paris zusammen. Der architektonisch beeindruckende Komplex besteht aus vier Gebäuden und befindet sich auf einer Fläche, die in einen Fluss hineinragt.

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