Hoffnung auf niedrige US-Zinsen bringt Dax weitere Rekordstände

Frankfurt/Main (dpa) - Die Hoffnung auf noch länger niedrige US-Zinsen hat dem Dax am Dienstag weitere Rekordstände eingebracht.

Der lange träge deutsche Leitindex zog nach Aussagen von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen bis auf 11 228,37 Punkte an. Zum Schluss behauptete er ein Plus von 0,67 Prozent auf 11 205,74 Punkte, was den fünften Gewinntag in Folge bedeutete. Die Einigung im griechischen Schuldendrama gab dem Börsenbarometer keine Impulse.

Yellen bekräftigte vor dem Bankenausschuss des US-Senats, sie werde auf die erste Zinsanhebung seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise Ende 2008 vorab aufmerksam machen: mit der Streichung des Worts «Geduld» aus ihrer Erklärung zur Zinssitzung.

Zum Zeitpunkt äußerte sich Yellen nicht. Derzeit versichert die Fed, sie könne bei der absehbaren Zinsstraffung «geduldig» vorgehen. Nach den Worten Yellens bedeutet das, dass zumindest in den beiden kommenden Notenbanksitzungen noch keine Zinsanhebung zu erwarten ist.

«Der Markt ist erleichtert, dass die Fed-Chefin nicht aggressiver eine mögliche Zinserhöhung verfolgt», kommentierte Händler Markus Huber vom Londoner Broker Peregrine & Black die positive Dax-Reaktion. Für Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner treibt die nun beseitigte Unsicherheit über eine Zinswende schon vor dem Herbst den Dax an: «Diese Frage ist nun geklärt.»

Die anderen deutschen Aktienindizes entwickelten sich verhaltener: Der MDax der mittelgroßen Unternehmen, der schon zum Handelsstart ein Rekordhoch erreicht hatte, schloss 0,12 Prozent schwächer bei 19 827,32 Punkten, während der Technologiewerte-Index TecDax ein Plus von 0,04 Prozent auf 1570,23 Punkte schaffte.

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,78 Prozent auf 3547,10 Punkte hoch. In Paris und London legten die nationalen Indizes ebenfalls zu, und der US-Leitindex Dow Jones Industrial gewann zum europäischen Börsenschluss knapp ein halbes Prozent.

Kursbewegende Unternehmensnachrichten waren dünn gesät. Die Aktien der Energiekonzerne RWE und Eon setzten sich auch ohne Neuigkeiten mit Gewinnen von 3,82 beziehungsweise 2,85 Prozent an die Dax-Spitze.

RWE-Titel waren im bisherigen Jahresverlauf mit etwa minus 8 Prozent schwächster Wert im Leitindex. Schlusslicht waren am Dienstag hingegen die Vorzugsaktien von VW, die 1,12 Prozent einbüßten. Der Autobauer dürfte am Freitag Eckdaten für das Jahr 2014 vorlegen.

Favorit im TecDax waren die Aixtron-Titel mit einem Kurssprung von 6,30 Prozent. Der kriselnde Ausrüster für die LED-Industrie will nach Jahren in der Verlustzone zumindest in der zweiten Jahreshälfte 2015 wieder einen operativen Gewinn einfahren. Die Aussicht auf Synergien nach der Fusion mit E-Plus verteuerte die Aktien des O2-Mutterkonzerns Telefónica Deutschland um 0,88 Prozent.

Die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere fiel auf 0,31 (Vortag: 0,32) Prozent. Der Rentenindex Rex verlor 0,50 Prozent auf 139,98 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,09 Prozent auf 158,80 Punkte. Der Euro notierte bei 1,1306 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1328 (1,1298) US-Dollar festgesetzt, der Dollar kostete damit 0,8828 (0,8851) Euro.

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