Middelhoff-Prozess: Berater Berger wartet noch auf sein Geld

Essen (dpa) - Um seinen Millionenforderungen gegen Thomas Middelhoff Nachdruck zu verleihen, hat der Unternehmensberater Roland Berger in den vergangenen Monaten den Druck auf den ehemaligen Topmanager stetig erhöht. Doch gebracht hat es ihm wenig.

Der 76-Jährige sagte am Dienstag im Untreue-Prozess vor dem Essener Landgericht, die von ihm eingeleiteten Zwangsvollstreckungsmaßnahmen hätten bislang «leider nicht» dazu geführt, dass etwas bezahlt worden sei.

Berger verlangt vom früheren Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor 6,7 Millionen Euro plus Zinsen. Hintergrund ist ein misslungenes gemeinsames Aktiengeschäft aus dem Jahr 2008. Um an sein Geld zu kommen, hatte Berger Middelhoff sogar gezwungen, vor einem Gerichtsvollzieher Auskunft über seine Vermögensverhältnisse zu geben. Der Vorfall hatte im Juli Aufsehen erregt, weil Middelhoff über ein Garagendach vor wartenden Journalisten geflohen war.

Middelhoff selbst bestätigte vor Gericht: «Ich schulde ihm Geld.» Er sei jedoch zurzeit nicht in der Lage, Bergers Forderung zu erfüllen, weil sein Vermögen durch Rechtsstreitigkeiten blockiert sei. Er habe Berger deshalb dingliche Sicherheiten angeboten, Berger wolle jedoch Bargeld. Das könne er allerdings im Moment nicht anbieten.

Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller schränkte zudem ein, Bergers Forderungen seien nicht unbestritten. Sein Mandant wolle seinerseits Ansprüche gegen Berger geltend machen. Nach Auffassung Middelhoffs habe Berger seine Pflichten bei dem Aktiengeschäft «sträflich vernachlässigt» und dadurch einen erheblichen Schaden verursacht.

Über ein Treffen mit Middelhoff am 12. Januar 2009 konnte Berger dem Gericht dagegen wenig Auskunft geben. Er erinnere sich nicht mehr wirklich daran, sagte der Berater. Nach den damals ausgetauschten E-Mails sei es aber wohl um gemeinsame Geschäftsaktivitäten gegangen.

Middelhoff hatte Flugkosten von über 17 000 Euro für einen Charterjet nach Berlin laut Anklage in voller Höhe durch Arcandor zahlen lassen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Middelhoff aber vor allem wegen privater geschäftlicher Angelegenheiten in der Stadt war.

In dem Untreue-Prozess wirft die Anklage Middelhoff vor, den inzwischen insolventen Handelskonzern insgesamt mit betriebsfremden Kosten von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Charterflüge, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück.

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