Neuer Metro-Chef wird dringend gesucht

Düsseldorf (dpa) - Für den größten deutschen Handelskonzern Metro muss nach wochenlanger Führungskrise möglichst rasch ein neuer Chef ausgewählt werden. Zwar ist der Kampf um die Konzernspitze mit der Rückzugsentscheidung von Vorstandschef Eckhard Cordes entschieden.

Unklar blieb nach dessen Ankündigung von Sonntag aber, wann Cordes den Düsseldorfer Konzern verlassen und wer sein Nachfolger wird. Die Börse reagierte am Montag mit einem Kurseinbruch. Aktionärsschützer fordern eine zügige Klärung der Spitzenpersonalie beim Metro-Konzern, der weltweit 280 000 Mitarbeiter hat, davon 110 000 in Deutschland.

Die Metro-Stammaktie fiel am Montagvormittag zeitweise um fast sieben Prozent auf 31,00 Euro und war damit das Schlusslicht im Leitindex Dax. Börsianer verwiesen in erster Linie auf die übliche Unsicherheit beim Abgang eines Vorstandsvorsitzenden und die damit verbundene Befürchtung eines drohenden Machtvakuums. Zudem sorgten sich Anleger über womöglich schlechte Zahlen. Andere vermuteten auch Gewinnmitnahmen, nachdem die Metro-Stammaktie in den vergangenen drei Handelstagen um zeitweise mehr als zehn Prozent gestiegen war.

Neuer Metro-Chef soll dem Vernehmen nach ein Handelsexperte werden. Seit längerem hält Aufsichtsratschef Jürgen Kluge nach einem Manager mit Chefpotenzial Ausschau, der den Metro-Vorstand verstärken soll. Mit mehreren Kandidaten seien bereits Gespräche geführt worden, an denen Cordes teilgenommen habe, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Unternehmenskreisen. Alle Optionen seien möglich, dazu zähle auch eine Übergangslösung. Bei dieser Variante fiel der Name von Finanzvorstand Olaf Koch. Ein Machtvakuum werde nicht eintreten.

Cordes hatte am Sonntag überraschend bekanntgegeben, für eine Verlängerung seines bis Ende Oktober 2012 laufenden Vertrages nicht zur Verfügung zu stehen. Durch Vorkommnisse der vergangenen Wochen sei er zu dem Schluss gekommen, dass eine vertrauensvolle Basis für einen Verbleib an der Metro-Spitze nicht mehr gegeben sei. Großaktionär Haniel hatte Gerüchte unkommentiert gelassen, wonach Cordes gehen solle. Haniel und der andere wichtige Großaktionär Schmidt-Ruthenbeck sprachen sich schließlich zwar für eine Vertragsverlängerung aus. Laut «Handelsblatt» (Montag) gelang es aber nicht, die dafür nötige Mehrheit im Aufsichtsrat zu organisieren.

«Ein neuer Chef muss schnell gefunden werden», sagte Analyst Bernd Müll von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ansonsten könne es zu Unsicherheit über die künftige Strategie von Metro kommen. Zuvor hatten Aktionärsschützer gefordert, die Nachfolge zügig zu klären, damit «endlich Ruhe einkehrt». Der künftige Metro-Chef stehe vor großen Herausforderungen, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher. Die Metro habe viele Baustellen wie den Streit mit Media-Markt- Gründer Erich Kellerhals und die Neuausrichtung von Media/Saturn.

Als potenzielle Cordes-Nachfolger werden laut «Handelsblatt» sowohl Manager aus dem Ausland als auch Metro-Verstände gehandelt. Darunter seien Pierre Bouchut, Finanzchef des französischen Lebensmittelhändlers Carrefour, und Peter Hogsted, Vorstandschef der britischen Baumarktkette Kingfisher. Joël Saveuse und Koch würden bei einer Metro-internen Lösung gute Chancen eingeräumt. Beide gelten als Übergangskandidaten.

Cordes war in den vergangenen Wochen von zwei Seiten unter Druck geraten: Nach einem Quartalsverlust bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn - der zweitwichtigsten Gewinnquelle des Konzerns nach den Metro-Großhandelsmärkten - war Unzufriedenheit aus dem Kreis der Eigentümer zu hören. Dabei spielten auch der Kursverlauf der Metro-Aktie und die nicht vollzogene Trennung von der Warenhauskette Kaufhof eine Rolle. Auch der Lebensmittelhändler Real gilt als ein Verkaufskandidat. Arbeitnehmervertreter sehen den rigiden Sparkurs von Cordes kritisch. Weltweit wurden 19 000 Stellen gestrichen.

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