Nike-Auftragsfertiger muss Überstunden nachzahlen

Jakarta/Beaverton (dpa) - Es klingt ein wenig nach moderner Sklaverei: Mehr als 4000 Fabrikarbeiter in Indonesien haben nach Gewerkschaftsangaben jahrelang Nike-Schuhe genäht, ohne dafür Überstundenzulagen zu bekommen.

Erst auf Druck von Arbeitnehmervertretern zahlt nun ein Auftragsfertiger des US-Sportartikelkonzerns seinen Beschäftigten mehr als 1 Millionen Dollar (785 000 Euro). Die Firma PT Nikomas habe mehr als eine halbe Million Überstunden nicht vergütet, erklärte die Gewerkschaft SPN am Donnerstag in Jakarta. Im Rahmen einer Vereinbarung würden die Mitarbeiter dafür jetzt entschädigt. PT Nikomas ist einer der größten Auftragsfertiger des Sportartikel-Weltmarktführers im Land. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

«Das wird Schockwellen produzieren» sagte der Vorsitzende der SPN, Bambang Wirahyoso. Die Gewerkschaft sei bereit, sich auch für alle anderen Arbeiter einzusetzen, die nicht richtig bezahlt wurden. Nike, aber auch Konkurrenten wie Adidas oder Puma lassen ihre Schuhe zum überwiegenden Teil in Asien herstellen. Alleine Nike hat mehr als 30 Hersteller in Indonesien unter Vertrag.

Den Gewerkschaftern zufolge ist den Mitarbeitern sogar noch mehr Gehalt vorenthalten worden. Die Vereinbarung beziehe sich - wie nach indonesischem Gesetz vorgeschrieben - nur auf die vergangenen zwei Jahre, sagte der Direktor der US-Organisation «Educating for Justice», Jim Keady, der sich für die Arbeiter eingesetzt hatte. «In Wirklichkeit sind die Arbeiter aber über 18 Jahre um Lohn betrogen worden.»

Sportartikel sind ein Multimilliarden-Dollar-Geschäft, bei dem die Konzernen satte Profite einstreichen. Nike hatte in seinem ersten Geschäftshalbjahr, das im November endete, unterm Strich mehr als 1,1 Milliarden Dollar verdient. Auch Adidas hatte zuletzt Rekordgeschäfte verbucht. Die beiden Riesen kämpfen um die Vorherrschaft auf dem Markt.

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