US-Konzerne hängen europäische Konkurrenz ab

Stuttgart (dpa) - Die großen US-Konzerne haben ihre europäischen Wettbewerber im ersten Halbjahr bei Umsatz und Gewinn überrundet. Während die Umsätze der 300 größten europäischen Firmen stagnierten, stiegen die gemeinsamen Erlöse der US-Konzerne um fünf Prozent.

Das errechnete die Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Gut 80 Prozent der US-Firmen verzeichneten im ersten Halbjahr wachsende Umsätze, in Europa war es nur etwa die Hälfte (52 Prozent). «Der Abstand zwischen den US-Unternehmen und den europäischen Konzernen wird immer größer», stellt EY-Partner Markus Thomas Schweizer fest.

Grund sei unter anderem die Ukrainekrise, aber auch die schwache Entwicklung in Russland sowie die nach wie vor schwächelnde Konjunktur in vielen Ländern Europas, die die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen jüngst sogar als Gefahr für die Weltwirtschaft bezeichnete. Die Inflation ist in Europa seit Monaten so niedrig, dass sich die Sorge vor einer für die Konjunktur gefährlichen Deflation verbreitet. Mit Deflation wird eine verhängnisvolle Spirale aus fallenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft bezeichnet.

Auf der Gegenseite profitieren die US-Konzerne von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung, deutlich niedrigeren Energiekosten, einer niedrigen Arbeitslosigkeit - und einem größeren Abstand zu den geopolitischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der Ukraine.

Zwar schlage sich die Ukraine-Krise nicht direkt in den Bilanzen nieder, da das Russlandgeschäft durch die relativ gute Entwicklung in anderen Märkten größtenteils ausgeglichen werden könnte, hieß es weiter. Trotzdem dürfe der Effekt in der zweiten Jahreshälfte noch deutlich stärker spürbar werden. «Es herrscht große Unsicherheit in Bezug auf die weitere Entwicklung des Konflikts mit Russland. Das kostet Vertrauen und bremst Investitionen», sagte Schweizer.

Dass die europäischen Firmen alles in allem im Vergleich mit den USA nicht noch schlechter abschneiden, verdanken sie paradoxerweise den russischen Konzernen. Die konnten wegen des schwachen Rubels ihre Umsätze um 18 Prozent steigern.

Zumindest konnten die europäischen Topkonzerne ihre Profitabilität verbessern. Im Durchschnitt lag die Marge beim Gewinn vor Steuern - also der Anteil des Gewinns am Umsatz - bei 9,4 Prozent nach 9,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die US-Konzerne hatten aber auch hier die Nase vorn mit einer Marge von 12,1 Prozent. Der Abstand werde in einigen Branchen inzwischen beunruhigend groß, so Schweizer.

Den höchsten Gewinn aller 600 untersuchten Konzerne verzeichnete Apple mit umgerechnet 22,7 Milliarden Euro. Unter den verschiedenen Industrien stach sowohl in den USA als auch in Europa die Pharma- und Biotechbranche hervor. Volkswagen nahm in Europa Platz acht unter den gewinnträchtigsten Firmen ein.

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