dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Nokia streicht 10 000 Stellen - Standort Ulm schließt

Espoo (dpa) - Der kriselnde Handy-Riese Nokia streicht 10 000 Arbeitsplätze, um seine Zukunft zu sichern. Damit fällt rund jede fünfte Stelle im Handy-Geschäft weg. Die Jobs werden bis Ende 2013 abgebaut, wie das finnische Unternehmen am Donnerstag ankündigte. Der Standort für Forschung und Entwicklung in Ulm mit zuletzt 730 Mitarbeitern soll schon Ende September schließen. Deutschland bleibe aber ein sehr wichtiger Standort für Nokia, betonte Konzernchef Stephen Elop in einer Telefonkonferenz. Er hob vor allem das Zentrum für ortsbezogene Dienste in Berlin hervor. Die Mitarbeiter in Ulm arbeiteten aber an Projekten, die Nokia nicht mehr fortführen werde.

EZB: Euroraum-Wachstum bleibt schwach - hohe Unsicherheit

Frankfurt/Main (dpa) - Die Konjunkturaussichten für den Euroraum sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank derzeit trübe. Die aktuell hohe Unsicherheit durch die wieder aufgeflammte Schuldenkrise laste auf Vertrauen und Stimmung, wodurch sich größere Wachstumsrisiken für den Euroraum ergäben, erklärten die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Nach Einschätzung der EZB steuert der Euroraum weiterhin auf eine leichte Rezession zu. Eine dramatische Verschlechterung sieht die EZB zwar nicht. Die Risiken seien aber gestiegen. Umso wichtiger sind aus Sicht der Währungshüter eine solide Haushaltspolitik sowie umfassende Reformen an Arbeitsmärkten wie auch im Finanzsektor.

Anleiheauktion: Italien holt sich Geld zu steigenden Zinsen

Rom/Frankfurt (dpa) - Italien hat am Donnerstag drei Anleihen platziert. In Rom spülte die Auktion wie geplant 4,5 Milliarden Euro in die Staatskasse, wie aus Angaben der italienischen Schuldenagentur hervorgeht. Allerdings wird das Zinsniveau immer kritischer. Vor der wichtigen Parlamentswahl in Griechenland am Sonntag steigt die Nervosität an den Anleihemärkten immer weiter. Um bis 2015 Geld zu leihen, werden für Italien 5,3 Prozent Zinsen fällig. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung im Mai waren es noch 3,91 Prozent. Anleger, die Papiere mit Laufzeiten bis 2019 und 2020 zeichneten, verlangten sogar mehr als 6 Prozent.

Russland zu Fünf-Milliarden-Kredit für Zypern bereit

Moskau (dpa) - Russland ist zu einem neuen Kredit über bis zu fünf Milliarden Euro für das hoch verschuldete EU-Mitglied Zypern bereit. Der Bitte des Inselstaates werde aller Voraussicht nach entsprochen, sagte Pawel Medwedew, Berater des russischen Zentralbankchefs Sergej Ignatjew, der Moskauer Tageszeitung «Nesawissimaja Gaseta». Im vergangenen Dezember hatte Zypern bereits einen russischen Staatskredit über 2,5 Milliarden Euro für viereinhalb Jahre zu einem Zins von 4,5 Prozent aufgenommen. Auf Zypern seien große russische Konzerne eingetragen, die einen Teil ihres Geldes in zyprischen Banken deponierten, sagte Analyst Andrej Tschernjawski. «Deshalb will Russland den Konkurs dieser Banken nach Kräften verhindern.»

Baden-Württemberg will notfalls aus EnBW wieder aussteigen

Stuttgart (dpa) - Die baden-württembergische Landesregierung will den Einstieg in den Energiekonzern EnBW notfalls wieder rückgängig machen. Wenn der französische Energieversorger EDF ihr nicht knapp die Hälfte des Kaufpreises zurückerstattet, will Grün-Rot eine Rückabwicklung des Deals. Das geht aus dem Klageantrag hervor, den das Land bei der internationalen Handelskammer in Paris eingereicht hat. Darin heißt es, die EDF solle den angeblich zu viel gezahlten Betrag von zwei Milliarden Euro zurückzahlen. Hilfsweise solle die EDF verurteilt werden, den Kaufpreis von 4,7 Milliarden Euro plus Zinsen zurückzuzahlen und die rund 45 Prozent der Aktien zurückzunehmen. Sollte das Schiedsgericht dem nicht stattgeben, hat das Land beantragt, den Vertrag für nichtig zu erklären.

Lohnverzicht gegen Jobgarantie: Vier Monate Pokern bei Opel

Rüsselsheim/Bochum (dpa) - Das Konzept für die Sanierung von Opel soll im Herbst stehen. Bis Oktober wollen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter die Details für ihren gemeinsamen Deutschland-Plan festklopfen, berichtete die IG Metall am Donnerstag. «Wir haben mit dieser Lösung Zeit gewonnen, nicht mehr und nicht weniger», sagte NRW-IG Metall Bezirksleiter Oliver Burkhard. Opel leidet wegen des schwachen europäischen Automarktes an Überkapazitäten und fährt ähnlich wie Peugeot oder Fiat Verluste ein. Der ursprüngliche Plan, schnell Kapazitäten abzubauen und Werke zu schließen, liegt nach einem Kompromiss mit den Arbeitnehmern aber vorerst auf Eis.

Google bietet E-Books auch in Deutschland an

Hamburg (dpa) - Google wird künftig auch in Deutschland E-Books anbieten. Zum Start sollen «Hunderttausende Titel» zur Verfügung stehen, kündigte Google-Manager Santiago de la Mora am Donnerstag in Hamburg an. Google arbeitet dabei mit Verlagen wie Blanvalet, DVA, Goldmann, Heyne, Bastei Lübbe, C.H. Beck, Hoffmann & Campe, Klett Cotta, Springer Science+Business Media, Münchner Verlagsgruppe, Walhalla und Gmeiner zusammen. Damit seien deutsche Autoren wie Charlotte Link, Siegfried Lenz, Andrea Maria Schenkel, Wolfgang Hohlbein und Richard David Precht vertreten. Der weltweite Markt der E-Books wird bislang von Amazon und Apple dominiert.

Sorgen um die Eurozone halten Aktien unter Druck

Frankfurt/Main (dpa) - Die Unsicherheit vor den Wahlen in Griechenland am Wochenende und Sorgen um Spanien haben deutsche Aktien am Donnerstag belastet. Der Dax stand am Nachmittag 0,93 Prozent tiefer bei 6095 Punkten. Für den MDax ging es um 1,01 Prozent auf 9881 Punkte abwärts. Der TecDax verlor 1,59 Prozent auf 722 Punkte. Der Eurokurs stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2551 (1,2534) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7968 (0,7978) Euro.

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