Auf Messe läuft individuelle Beratung auf Augenhöhe


Auf der Fachmesse für Ausbildung und Studium Vocatium kommen seit Dienstag Schüler und Betriebe in der Stadthalle Gütersloh zusammen.

Im Gespräch während der Vocatium-Messe: Salih Arslan (links), Schüler des Ems-Berufskollegs in Rheda-Wiedenbrück, und Ausbilder Najib Parwez. Foto: Roggenkamp

Gütersloh (blz) - Aufgeregte Schüler, intensive Gespräche und verlockende Angebote: Die dritte Fachmesse für Ausbildung und Studium Vocatium, läuft seit Dienstag in der Stadthalle Gütersloh und verzeichnet eine durchweg positive Resonanz. 50 Aussteller klären in persönlichen Gesprächen über Berufsperspektiven auf und stellen sich den Fragen und Forderungen der jungen Generation. 2000 Jugendliche von 24 Schulen der Region nutzen das Angebot.

Das Institut für Talententwicklung (IFT), Veranstalter der Berufsmesse, lud auch zur Diskussion zum Thema „Berufswahl und Recruiting: Herausforderungen und Chancen zwischen Corona, Krieg und Klimakrise“ ein. Teilnehmende waren Aussteller, Lehrer der Schulen in Gütersloh und Bürgermeister Norbert Morkes. Sie tauschten sich über den Fachkräftemangel und die dadurch fehlende Besetzung gewerblicher Stellen aus. Eine Problematik, die durch die Corona-Pandemie befeuert wurde.

„Nie zuvor so viele Zusagen von Ausbildungsbetrieben“

„Die Schüler hatten nie zuvor so viele Zusagen von Ausbildungsbetrieben“, sagte Kerstin Jürgens, Berufsorientierungslehrerin am Reinhard-Mohn-Berufskolleg. Die Chancen auf freie Stellen seien gut, die Schüler aber vom Überangebot überfordert. Um der Orientierungslosigkeit entgegenzuwirken, sei die Messe Vocatium eine vielversprechende Maßnahme. Das Feedback der Schüler sei zu 99 Prozent positiv, berichtete Jürgens, Interesse sei vorhanden.

„Bequemlichkeit“ der Jugendlichen hinterfragt

Michael Klein, Geschäftsführer der Verler Nobilia-Werke, beklagte den Mangel an Nachwuchskräften. Er nutzte die Möglichkeit, um die jüngere Generation für das Handwerk zu begeistern. „Als Unternehmen möchten wir Perspektiven schaffen.“ Der direkte Kontakt mit der Jugend sei notwendig: „Als potenzielle Ausbilder wollen wir ein Top-Beziehungsmanagement aufbauen, und die Azubis an das Unternehmen binden“, betonte Carmen Ellebracht, Personalentwicklung von Karl Brand. Beschrieben wurde eine kritische Entwicklung: Schüler würden die Selbstfindung bevorzugen. Berufsorientierungslehrer Michael Schaper attestierte eine ,Bequemlichkeit“. Eine Karriere sei durch ein Studium zu erreichen. Ausbildungen hingegen seien mit harter Arbeit verbunden. Vocatium will aufzeigen, dass Ausbildung und Karriere vereinbar sind. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer, dass Unternehmen, Eltern und Lehrer „Hand in Hand“ gehen, Eigeninitiative fördern, aber auch motivieren müssten.

Im Dialog: (oben v. l.) Kerstin Jürgens, Carmen Ellebracht, Martina Czerwinski, Michael Klein, Michael Schaper, Marian Brackmann, (unten v. l.) Leonie Johannwille, Bürgermeister Norbert Morkes und Tanja Hage.

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