Ein Hauch Honig in der Luft dank Kerzen aus Bienenwachs 



Kerzen spenden nicht nur Licht, sie wärmen auch. Wilfried und Helga Carlmeyer stellen Kerzen aus Bienenwachs in Handarbeit her.

Aus dem Wachs der eigenen Bienen stellen Wilfried und Helga Carlmeyer ihre Kerzen her. Bereits seit 40 Jahren gibt es bei ihnen in Steinhagen zur Weihnachtszeit die besonders duftenden Bienenwachskerzen. Fotos: Kleinemeier

Steinhagen (gl) - Der sanfte Duft von Honig füllt die Küche von Wilfried und Helga Carlmeyer. Doch das liegt nicht daran, dass hier geschlemmt wird. Helga Carlmeyer rollt Bienenwachskerzen, die das liebliche Aroma in der Luft verbreiten.

Früher noch mehr Kerzen hergestellt

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit – und das seit 40 Jahren – machen die Carlmeyers in Steinhagen Kerzen aus dem Wachs ihrer eigenen Bienen. „Früher haben wir noch mehr Kerzen gemacht“, sagt Wilfried Carlmeyer. Heute sind es noch etwa 200 bis 300 pro Jahr, die sie herstellen und verkaufen. Bevor Helga Carlmeyer mit dem Rollen der Kerzen anfangen kann, müssen zunächst die Bienen tätig werden. An den hinteren Bauchschuppen haben sie Wachsdrüsen. „Aus denen schwitzen sie das Wachs als dünne Plättchen aus“, erklärt Wilfried Carlmeyer. Die Waben können die Bienen selbst formen. Bei den Imkern ist es jedoch üblich, dass sogenannte Mittelwände in den Bienenstock eingesetzt werden. Auf diesen Wachsplatten bauen die Bienen dann ihre Waben, die so eine bessere Stabilität haben.

Wachs muss elastisch sein

Der nächste Schritt: Das Wachs muss geschmolzen werden. Das geschieht mit einem Sonnenwachsschmelzer. „Die Waben kommen in einen Behälter mit einer Glasscheibe oben drauf. Wenn dort die Sonne drauf scheint, schmilzt das Wachs“, erklärt Carlmeyer. Die Energie der Sonne nutzen – laut Carlmeyer in der Imkerei schon seit jeher eine bewährte Methode. Der geschmolzene Block Wachs wird anschließend gewalzt – so sind die Mittelwände elastisch genug, dass man sie in die Kerzenform drehen kann. Und da kommt Ehefrau Helga ins Spiel. Zunächst schneidet sie den Docht zurecht. „Der muss von der Dicke passend zum Durchmesser der Kerze sein“, erklärt sie. Dann rollt sie die Wachsplatten um den Docht. Dabei ist durchaus Fingerspitzengefühl gefragt. Damit die Kerze richtig herunterbrennt, muss sie oben zu einem Kegel zusammenlaufen. Und die Kerzen müssen selbstverständlich schön und symmetrisch aussehen. Denn „das Auge kauft auch mit“, wie Wilfried Carlmeyer sagt.

Andere Qualität als andere Kerzen

Bienenwachskerzen gibt es auch in gegossener Form. Auch das haben die Carlmeyers früher selbst gemacht. Diese handgemacht herzustellen, lohne sich aber heute nicht mehr. Deshalb kaufen sie sie inzwischen hinzu.

Die Bienenwachskerzen sind laut den Carlmeyers von höherer Qualität als herkömmliche Kerzen. „Sie enthalten kein Paraffin und keine anderen Zusätze“, sagt Wilfried Carlmeyer. Und auch der Geruch der Bienenwachskerzen sei besser. „Sie enthalten keine künstlichen Duftstoffe, sondern riechen einfach nach dem Bienenwachs“, betont Ehefrau Helga.

Kein gutes Bienenjahr

Das Wachs für die Kerzen stammt von ihren eigenen Bienen. Zwar hat Wilfried Carlmeyer das Imkern immer nur als Nebentätigkeit betrieben – das aber mit viel Leidenschaft und seit bereits mehr als 50 Jahren. Er hatte einst bis zu 130 Völker, aktuell sind es noch gut 10.Mit viel Fingerspitzengefühl: Helga Carlmeyer rollt das Bienenwachs zu einer Kerze. Links liegt die Rolle mit dem Docht-Material. Dieses Jahr sei für die Bienen jedoch kein gutes gewesen. Das Wachs erzeugen sie im Frühjahr, wenn ein gutes Nektarangebot herrscht. In diesem Frühjahr aber habe es viel zu viel geregnet, teilweise sogar noch gefroren. Ihre Bienenwachskerzen werden die Carlmeyers aber auch dieses Jahr wieder auf dem Christkindlmarkt in Rheda-Wiedenbrück verkaufen – in der Hoffnung, dass dieser wie gewohnt über die volle Länge stattfinden kann. In ihrem eigenen Haus gehören die Bienenwachskerzen in jedem Fall fest zur Weihnachtsdekoration. „Auch unser Tannenbaum wird mit selbstgemachten Kerzen geschmückt“, sagt Helga Carlmeyer voller Vorfreude auf die gemütliche Adventszeit.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.