Glücksspiel: Kinder kranker Eltern übernehmen Sucht


Sie zerstört Existenzen und Familien: die Glücksspielsucht. Und oftmals überträgt sich die Abhängigkeit auf Kinder Erkrankter.

Rücken die Problematik in den Blick: (v. l.) Jana Kuhlmann (Kinderschutzbund), Bettina Flohr (Kinderschutzbund), Tobias Tegeder (Abteilung Gesundheit, Kreis Gütersloh), Sarah Schmidt (Kinderschutzbund), Silke Major (Abteilung Gesundheit, Kreis Gütersloh) und Renate Bethlehem (Leiterin Faba-Naturprojekt) vor dem Haus des Deutschen Kinderschutzbundes in Gütersloh. Foto: Kreis Gütersloh

Kreis Gütersloh (gl) - Glücksspielsucht zerstört Existenzen und Familien – und Kinder aus Familien, in denen schon ein Elternteil glückspielsüchtig ist, sind besonders gefährdet, ebenfalls Suchtopfer zu werden. Das ist am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht noch einmal in den Blick gerückt worden.

 Auch das Team Glücksspielsucht vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Gütersloh beteiligte sich Ende September am Aktionstag. Silke Major und Tobias Tegeder waren mit einem Lastenrad unterwegs und besuchten verschiedene Beratungsstellen in der Stadt Gütersloh.

Experten klären auf

Dort klärten die Experten über die Gefahren der Glücksspielsucht auf und brachten auch Informationsmaterial zu Hilfemöglichkeiten mit. Ihre Tour durch die Stadt schlossen sie mit dem Besuch beim Kreisverband Gütersloh des Deutschen Kinderschutzbundes ab. Dort tauschten sie sich mit den Mitarbeiterinnen zum Thema Kinder in glücksspielbelasteten Familien aus, das den Schwerpunkt des Aktionstages in Nordrhein-Westfalen bildete.

Beim fachlichen Austausch ging es darum, wie man Kinder aus glücksspielbetroffenen Familien unterstützen kann und verhindert, dass sie später ebenfalls süchtig werden. Denn laut Angaben der Landesfachstelle haben diese Kinder ein zehnmal höheres Risiko, eine Spielsucht zu entwickeln als Gleichaltrige ohne glücksspielsüchtigen Elternteil.

Wie betroffenen Kindern geholfen werden kann

„Betroffene, die zu uns kommen, kommen häufig aus Familien mit Spielsucht“, erläutert Tobias Tegeder vom Team Glücksspielsucht. „Umso wichtiger ist es auch, präventiv tätig zu werden, über die Problematik aufzuklären und auf Gefahren des Glücksspiels hinzuweisen.“

Der Prävention nimmt sich im Kreis Gütersloh etwa das Faba-Naturprojekt an, dessen Leiterin Renate Bethlehem ebenfalls am Austausch beim Kinderschutzbund teilnahm. Das Projekt nimmt jedes Jahr acht Gütersloher Mädchen und Jungen aus betroffenen Familien im Alter von acht bis elf Jahren auf. Ziel ist es, die psychische Widerstandskraft der Kinder zu stärken. Die Kinder übernehmen bei regelmäßigen Treffen saisonbedingte Aufgaben im Garten und auf der Obstwiese.

Problematik in den Fokus rücken

Sie lernen, mit Werkzeugen und Materialien umzugehen, graben, säen, pflanzen, pflegen, ernten, fühlen, erfassen, erfahren und gestalten. Kontakt zu Hoftieren wie Hühnern nebst Küken, Honigbienen und Schafen gehören ebenso zum Programm. Glücksspielsucht betreffe häufig Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, bleibe auch nahen Angehörigen oft lange verborgen und sei weiterhin ein Tabuthema, erläutert Silke Major.

„Das wollen wir ändern und die Suchtproblematik in den gesellschaftlichen Fokus rücken. Betroffenen und deren Familien und Freunde möchten wir eine erste Anlaufstelle bieten und sie auf Unterstützungsangebote aufmerksam machen.“

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