Große regionale Unterschiede bei der Ernte


Am kommenden Sonntag wird das Erntedankfest gefeiert. Anlass für die Gütersloher Landwirte und Landwirtinnen, auf die Ernte zu schauen.

Probleme bereitete den heimischen Landwirten in diesem Jahr vor allem die Trockenheit in den Sommermonaten. So blieb der Proteingehalt in Getreide niedrig.  Foto: dpa

Kreis Gütersloh (gl) - „Die Ernte ist in diesem Jahr geprägt von extrem großen regionalen Unterschieden“, resümiert Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, am Donnerstag. „Mit dem, was wir im Sommer gedroschen haben, sind wir zufrieden.“ So sei die Getreide- und Rapsernte erfreulicher ausgefallen als angesichts der Trockenheit zu erwarten war. Doch sie zeige je nach Standort und Niederschlag eine große Spannbreite. Zudem fielen die Proteingehalte im Getreide niedrig aus. Beim Raps verzeichnen die Landwirte eine gute Qualität mit guten Ölgehalten, allerdings auch hier mit großer Variation.

Trockenheit setzt Feldfrüchten zu

Ohne Regen wächst das Gras nicht. Der erste Grasschnitt als Futter für Rinder, Schafe und Pferde sei noch in Ordnung gewesen, hieß es. Doch mit der beginnenden Trockenheit im Frühsommer sei das Gras kaum noch gewachsen. So mussten die Tierhalter oft bereits das Winterfutter anbrechen, statt neue Vorräte für den Winter anzulegen.

Ebenso haben die Feldfrüchte Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben stärker als Getreide und Raps unter der Trockenheit gelitten. Denn sie bilden erst später ihren Ertrag. Dadurch fehlte ihnen der Regen über die Sommermonate. Teilweise sei der Mais nur hüfthoch gewachsen, auch Zuckerrüben Kartoffeln blieben oft klein. „Dadurch wird es dieses Jahr eher kurze Pommes geben“, sagt der Vorsitzende schmunzelnd. Die Erträge liegen mit großer Spanbreite zwischen unterdurchschnittlich bis maximal normal.

Menschen schauen mehr aufs Geld

Bei den Erdbeer- und Spargelbauern war die Wirtschaftlichkeit in diesem Jahr schwierig. Spargel und Erdbeeren wurden vielfach billiger aus anderen Ländern importiert. „Mit diesen Preisen konnten die Erdbeer- und Spargelbauern hierzulande nicht mithalten“, erläutert Westermeyer. Kostensteigerungen wie für Energie konnten die hiesigen Bauern nicht an die Kunden weitergeben. Zudem haben Bürgerinnen und Bürger in diesem Jahr sehr stark auf den Preis geschaut.Andreas Westermeyer ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh. Er zog am Donnerstag eine gemischte Bilanz für das Erntejahr 2022.

„Besonders in turbulenten Zeiten, wie diesen, wird uns die hohe Bedeutung der Ernährungssicherheit vor Ort wieder bewusst“, verdeutlicht der Vorsitzende. „So mussten wir in diesem Jahr erneut feststellen, wie plötzlich vermeintliche Gewissheiten überholt sein können.“ Westermeyer gibt zu verstehen: Gerade in Zeiten internationaler Krisen und anfälliger Handelsströme sei eine wettbewerbsfähige und heimische, regionale Erzeugung wichtig, die eine flächendeckende Versorgung beinhalte.

Auflagen setzen Bauern unter Druck

„Doch auf der anderen Seite prasseln immer neue Auflagen auf uns Bauernfamilien ein, die nicht auf fachlicher, sondern rein politischer Ebene entstehen“, schildert der Vorsitzende. Diese Gesetzesfülle und Regelungswut setzte besonders den kleineren, bäuerlichen Familienbetrieben zu und bringe sie in Existenznot. „Die Wirtschaftlichkeit vieler Höfe ist nicht mehr gegeben“, sorgt sich der Landwirt.

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