Jugendamt: Kreis möchte bald Klarheit



Kreis Gütersloh (gl). Der Kreis möchte möglichst bald Klarheit darüber, ob auch Halle, Harsewinkel und Schloß Holte-Stukenbrock in naher Zukunft ein eigenes Jugendamt einrichten wollen. „Wir hoffen auf eindeutige Äußerungen im nächsten halben Jahr“, sagt Landrat Sven-Georg Adenauer.

Nicht auf die lange Bank schieben: Der Kreis hofft innerhalb der nächsten sechs Monate auf klare Aussagen jener Kommunen, die den Ausstieg aus dem in Rheda-Wiedenbrück angesiedelten Kreisjugendamt erwägen.

Im Raum steht, dass diese drei Kommunen dem Beispiel von Verl und Rheda-Wiedenbrück folgen könnten. Adenauer und Kreisdirektor Christian Jung glauben nicht, dass derzeit darüber hinaus noch weitere Kommunen der Solidargemeinschaft des Kreisjugendamts den Rücken zudrehen könnten.

Gute Arbeit mit knappem Personal

Dem Landrat zufolge ist Gütersloh in NRW der einzige Kreis mit einem so großen Kreisjugendamt. Gleichwohl sind Adenauer und Jung von dessen effektiver Aufgabenerledigung und Struktur überzeugt. „Wir machen mit knappem Personal sehr gute Arbeit“, sagt der Kreisdirektor. Er wünscht sich, dass die Diskussionen über einen Ausstieg aus dem Kreisjugendamt „mehr unter fachlichen als unter finanziellen Aspekten geführt wird“.

Genau darauf hat jetzt auch die Stadtverwaltung Halle abgehoben, die trotz anderer politischer Überlegungen zur Jugendhilfe weiter auf den Kreis setzt, obwohl die Kommune in den vergangenen zehn Jahren unterm Strich 600 000 Euro mehr eingezahlt als sie an Leistungen bekommen hat.

Kostenexploionen durch Zuzüge

Das Blatt könne sich jederzeit sehr schnell wenden, verweist Kreisdirektor Jung auf nicht vorhersehbare Kostenexplosionen beispielsweise durch plötzliche Zuzüge von problembehafteten Familien. Dabei spielten auch die unbegrenzten Kontaktmöglichkeiten des Internets eine Rolle. „Die Heimunterbringung von zwei Kindern kostet ganz schnell 100 000 Euro pro Jahr“, rechnet Jung vor. Und das könne eine große Solidargemeinschaft eher verkraften als eine kleine Kommune.

Landrat Sven-Georg Adenauer hält die Grenze von 20 000 Einwohnern, ab der eine solche Einrichtung möglich ist, für zu niedrig. Im Verhältnis seien in kleineren Einheiten mehr Stellen nötig als in größeren. Je mehr Jugendämter es im Kreis gebe, desto teurer werde es für den Steuerzahler insgesamt. Adenauer: „Den Verler Personalschlüssel auf unser Kreisjugendamt angewandt, müssten wir 102 statt der tatsächlich 80 Stellen haben.“

Auf Bezirkssozialdienste hören

Kreisdirektor Christian Jung ergänzt: „Und ein Jugendamt mit beispielsweise acht oder neun Mitarbeitern, kann die ganze Bandbreite der Aufgaben nicht abdecken.“ So umfasse die Jugendgerichtshilfe beim Kreis drei Spezialisten. Auf Haller Verhältnisse umgerechnet, wäre das eine Drittelstelle. Jung hofft, dass die Politik mehr auf die Mitarbeiter der Bezirkssozialdienste hört, die die gesellschaftlichen Probleme und Phänomene tagtäglich hautnah erfahren.

Ganz gleich, wie sich die Kommunen entscheiden: Ein Kreisjugendamt für Borgholzhausen, Herzebrock-Clarholz, Langenberg, Steinhagen und Werther bleibt immer übrig. Diese Kommunen sind für Alleingänge zu klein und dürfen sich auch nicht zusammenschließen. Ein solches „Rest-Jugendamt“ wäre nach Gütersloh immer noch das zweitgrößte im Kreis. Jung sieht keine Probleme, mit einem solchen Jugendamt eine gute Arbeit zu machen.

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