Mehr als Lagerhaus und Lastwagen



Kreis Gütersloh (gl). Lastwagen und Lagerhäuser sind die nur nach außen hin sichtbare Spitze des Eisbergs der Logistikbranche. Der nach der Automobilindustrie und dem Handel drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland hat aber als branchenübergreifende Schnittstelle eine viel größere Bandbreite.

Kraftverkehr Nagel im interkommunalen Gewerbegebiet Versmold-Borgholzhausen ist ein großer Logistiker im Kreis Gütersloh. Jeden Abend verlassen 300 Lastwagen mit frischen Lebensmitteln das zentrale Umschlagslager.

Und die will die Bundesvereinigung Logistik (BVL) an diesem Donnerstag beim vierten Tag der Logistik deutlich machen – auch im Kreis Gütersloh. Wenn Blumen erst blühen, wenn sie im Geschäft angekommen sind, wenn die neue Küche wie bestellt ausgeliefert wird und wenn Pakete pünktlich ihre Adressaten erreichen – dann haben Logistiker ihre Hände im Spiel.

Logistik ist ein Zukunftsfeld

„Unsere Fachleute sorgen dafür, dass Güter und Waren stets dort sind, wo sie gebraucht werden“, sagte Dr. Stefan Schwinning, der Sprecher der BVL-Regionalgruppe Westfalen, am Dienstag in Gütersloh. Logistik sei mit einem Umsatz von 210 Milliarden Euro im vorigen Jahr ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so der Miele-Geschäftsbereichsleiter Logistik. Nach Einbrüchen in der Wirtschaftskrise („Wir hängen stark von der Konjunktur ab“) will die Branche jetzt mit 220 Milliarden Euro den Rekordumsatz von 2008 (218 Milliarden Euro) übertreffen.

Dafür werden Fachkräfte benötigt. „Logistik ist ein Zukunftsfeld“, wirbt Hendrik Schrenk von der Industrie- und Handelskammer Bielefeld. Da gebe es alles andere als nur Hilfsarbeiter. Der Tag der Logistik sei eine gute Gelegenheit, bei Firmen hinter die Kulissen zu schauen und sich an (Hoch-)Schulen zu informieren. Gesucht würden vor allem (Wirtschafts-)Ingenieure, Betriebswirte und Informatiker.

Intelligente Lösungen sind gefragt

Zuwachsraten von 70 Prozent seit 2006 meldet die IHK bei der Ausbildung von Fachlageristen und Fachkräften für Lagerlogistik. Seit zwei Jahren werden diese Bildungsgänge beispielsweise auch am Ems-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück angeboten.

4,4 Prozent aller Beschäftigten in der Region gehörten laut Schrenk 2007 zur Logistikbranche, Tendenz entgegen dem Bundestrend steigend. Im weitesten Sinne hänge sogar jeder zehnte Arbeitsplatz damit zusammen.

Intelligente Lösungen sind gefragt. Dr. David Frink vom Vorstand des Haller Modeunternehmens Gerry Weber nennt ein Beispiel: Alle 27 Millionen Teile, die jährlich weltweit mit Logistik-Dienstleistern umgeschlagen werden, haben ein Etikett mit Computerchip und Antenne, damit stets klar ist, wo sich das Stück befindet. „Früher haben wir einmal im Jahr in den Geschäften Inventur gemacht, heute machen wir das jede Woche und es dauert nur zehn Minuten.“ Für Frink ist Logistik „kein notwendiges Übel“, sondern unverzichtbar für den Erfolg von Firmen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf der Kreisseite Gütersloh in der Ausgabe vom 13. April.

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