Umbau statt Neubau bei Immobilien im Kreis Gütersloh


Die Gewerkschaft IG Bau Ostwestfalen-Lippe fordert Vermieter auf, bei Mieterhöhungen Maß zu halten, um Mieter nicht noch mehr zu belasten.

Auf 17,6 Millionen Quadratmetern wohnen die 366 104 Menschen im Kreis Gütersloh. Während die Gewerkschaft IG Bau vor breit angelegten Mieterhöhungen warnt, wird es für die Kommunen derweil immer schwieriger, ihr Bauland zu verkaufen. Foto: dpa

Kreis Gütersloh (gl) - Der Kreis Gütersloh wohnt auf insgesamt 17,6 Millionen Quadratmetern. Die verteilen sich zwischen Borgholzhausen und Langenberg auf 170 400 Wohnungen. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (Bau) mit. Die Gewerkschaft beruft sich auf aktuelle Daten zum Wohnungsbestand vom Statistischen Bundesamt, die vom Pestel-Institut (Hannover) analysiert wurden.

Demnach haben rund 27 100 Wohnungen im Kreis Gütersloh sieben oder sogar mehr Räume. „Wer so eine große Wohnung hat, die ihm auch noch gehört, hat eine Sorge nicht: die Angst vor steigenden Mieten“, sagt Sabine Katzsche-Döring. Die Vorsitzende der IG Bau Ostwestfalen-Lippe warnt die Immobilienwirtschaft davor, die Mietenspirale weiter nach oben zu drehen und damit die Inflation zusätzlich anzuheizen.

„Zitrone nicht noch weiter auspressen“

Katzsche-Döring fordert Privatvermieter genauso wie Wohnungsgesellschaften auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dies bedeute, bei den Mieten Maß zu halten und auf Steigerungen weitgehend zu verzichten. 

„Es geht darum, eines für den Wohnungsmarkt klar auszusprechen: Es ist ungehörig, die Zitrone weiter auszupressen. Ein Großteil der Haushalte wird durch die Kostenexplosion bei den Heizkosten ohnehin schon finanziell in die Knie gezwungen“, so Katzsche-Döring.

Flexibilität ist gefragt

Darüber hinaus warnt die IG Bau vor einer „Lähmungsphase beim Wohnungsbau“. Angesichts der aktuell schwierigeren Neubaubedingungen – Materialengpässe, steigende Materialpreise, hohe Baulandpreise und anziehende Bauzinsen – sei es dringend nötig, nach alternativen Wegen zu suchen. 

„Was wir jetzt brauchen, ist Flexibilität: Die Schaffung von neuem Wohnraum muss der Situation angepasst werden“, sagt Katzsche-Döring.

Büros zu Wohnraum umbauen

Vor allem Wohnungsbaugesellschaften seien gefordert: „Wenn der Neubau nicht realisierbar erscheint, bietet gerade das Umbauen von vorhandenen Nicht-Wohngebäuden zu Wohnungen Chancen. Der Umbau braucht weniger Material und ist schon deshalb der passende Weg zu mehr Wohnungen in der Krise.  Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Homeoffice nicht mehr gebraucht werden, können viele neue Wohnungen entstehen. Und das deutlich kostengünstiger als im Neubau“, so die IG Bau-Bezirksvorsitzende.

Darüber hinaus biete die Dachaufstockung bei Wohnhäusern, die in der Nachkriegszeit bis zum Ende der 1990er-Jahre gebaut wurden, ein enormes Potenzial: „Viele neue Wohnungen sind allein hier durch Aufstockung möglich – günstiger als jeder Neubau“, sagt Katzsche-Döring.

Preise sollen sich beruhigen

Die Preise für Wohnimmobilien und Baugrundstücke in Ostwestfalen-Lippe sind gegenüber den Durchschnittspreisen des Vorjahres auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich gestiegen. Die Anzahl der Verkäufe ist jedoch gesunken. 

Über diese Entwicklungen ist auf der gemeinsamen Arbeitssitzung aller Gutachterausschüsse für Grundstückswerte in Ostwestfalen-Lippe berichtet worden, teilt der Kreis Gütersloh in einem Bericht mit.

Schlechte Finanzierungsbedingungen und Planungsunsicherheiten

Anlässlich der jährlichen Zusammenkunft schilderten die Experten die Grundstücksmarktdaten des ersten Halbjahres. „Nachdem in den vergangenen Jahren sehr starke Preissteigerungen bei Wohnimmobilien zu verzeichnen waren, deutet sich nun seit Mitte des Jahres eine Preisberuhigung an“, sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe, Carsten Tannhäuser.

Für potenzielle Käufer hätten sich die Finanzierungsbedingungen zuletzt deutlich verschlechtert. Ein sehr hohes Preisniveau trifft auf deutlich angestiegene Bauzinsen, Lebenshaltungs- und Baukosten. „Hinzu kommen Planungsunsicherheiten zur Verfügbarkeit von Handwerkern und Baustoffen“, sagte Tannhäuser.

Immer weniger Verkäufe

Insgesamt ist die Anzahl der Verkäufe von gebrauchten Ein- und Zweifamilienhäusern in OWL gegenüber dem Vorjahr stark zurückgegangen. Auch bei Wohnungseigentum und Bauplätzen ist ein Rückgang der Verkaufszahlen zu verzeichnen, heißt es in der Mitteilung des Kreises Gütersloh. „Nachdem lange Wartelisten für Bauplätze bestanden, wird es selbst für günstiges kommunales Bauland schwieriger, Käufer zu finden“, sagte Carsten Tannhäuser, Sprecher der Arbeitssitzung aller Gutachterausschüsse für Grundstückswerte.

Umsatzzahlen und Preisentwicklungen zum Immobilienmarkt sind unter www.boris.nrw.de kostenfrei abrufbar.

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