„Befreiungsschlag“ für das Klinikum Gütersloh


Das Klinikum Gütersloh soll durch eine umfangreiche Maßnahme zukunftsfähig gemacht werden. Kostenpunkt: Insgesamt rund 50 Millionen Euro.

Hinter dem Ärztehaus II entsteht die neue Verwaltung des Klinikums Gütersloh: Der Beginn der Maßnahme ist für April geplant. Der Rat entscheidet heute über ein erweitertes Gesellschafterdarlehen. Foto: Bojak

Gütersloh (gl) -  Seit Jahrzehnten wird am Klinikum Gütersloh erweitert, saniert, aus- und angebaut. „Bisher kleinteilig“, wie Maud Beste, Geschäftsführerin des Klinikums, sagt. Im kommenden Jahr soll ein „Befreiungsschlag“ starten. „Damit wir zukunftsfähig bleiben.“ Der Rat entscheidet in seiner heutigen Sitzung über ein Gesellschafterdarlehen für das Klinikum.

Gesellschafterdarlehen soll aufgestockt werden

Wie berichtet, will das Krankenhaus an der Reckenberger Straße 41,6 Millionen Euro in neue Gebäude, Sanierungsmaßnahmen und medizinische Geräte investieren. Die Stadt Gütersloh als Gesellschafter soll ein Darlehen um 25,94 Millionen Euro auf insgesamt 38,5 Millionen Euro aufstocken.

Land will Zahl der Kliniken reduzieren

In Deutschland werden Krankenhäuser in einem dualen System finanziert. Die Länder übernehmen die Investitionskosten zum Beispiel für die Errichtung von Gebäuden und die Geräteausstattung. Krankenkassen und selbstzahlende Patienten finanzieren mit den Entgelten für Behandlungen die Betriebskosten wie Personal, Gebäudeerhaltung und Verbrauchsgüter. „Das Land NRW bemüht sich seit Jahren, die Zahl der Krankenhäuser zu reduzieren – vor allem im Rheinland und im Ruhrgebiet, aber auch in OWL“, erklärt Maud Beste.

Kaum Überhänge in OWL

Das sei einer der Gründe, warum das Land seit 2008 lediglich eine jährliche Pauschale in Höhe von 870 000 Euro für die Krankenhausförderung zur Verfügung stelle. Dabei gebe es in Ostwestfalen kaum Überhänge bei der Krankenhausversorgung, lediglich einige parallele Strukturen. „Die Krankenhäuser sollen über die wirtschaftliche Schiene genötigt werden, Kooperationen oder Fusionen mit anderen Kliniken einzugehen.“

Bestimmte Voraussetzungen sind notwendig

Der neue Krankenhausplan, der vom Land erarbeitet werde, sehe vor, die Spezialisierung der Kliniken voranzutreiben, erläutert die Geschäftsführerin. Um Leistungsgruppen und -bereiche zugeordnet zu bekommen, seien in den Häusern bestimmte strukturelle Voraussetzungen notwendig. So werde unter anderem bewertet, wie viele Fachärzte es gebe, ob das Krankenhaus eine 24-Stunden-Rufbereitschaft garantieren könne und welche medizinischen Geräte vorhanden sind. 

Zusätzliche Eigenmittel

Bevor die aktuelle Krankenhausplanung nicht abgeschlossen sei, erwarte sie keine Veränderung in der Zuweisung der Landespauschale, sagt Beste. Es sei auch sinnvoll, dass das Land seine Ressourcen wirtschaftlich einsetze. Für das Klinikum Gütersloh bedeute das aber auch, dass die notwendigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen über das erweiterte Gesellschafterdarlehen finanziert werden müssten. Zusätzlich werde das Klinikum Eigenmittel in Höhe von rund acht Millionen Euro einsetzen.

Investitionsplanung bis 2030

Mit dem Darlehen wird eine neue Verwaltung finanziert, eine neuer Zentral-OP mit neun Sälen und eine neue operative Intensivstation mit elf Betten. Aus Eigenmitteln soll die bestehende Intensivstation saniert werden, ebenso die Modernisierung der Station Innere. Im April soll die Maßnahme starten. Auf einem Grundstück an der Brunnenstraße, direkt neben dem Ärztehaus II, soll die neue Verwaltung errichtet werden. Das Klinikum hatte das Areal bereits 2012 für eine mögliche Erweiterung gekauft. Bis 2030 sei die Investitionsplanung veranschlagt, ergänzt Maud Beste. Dann werde voraussichtlich ein Anbau am Bettenhaus Süd erforderlich, als Ersatz für den Altbau aus den 1930er-Jahren.

Verkauf oder Fusion keine Alternativen

Die Erste Beigeordnete Christine Lang betonte auf Nachfrage erneut, dass es keine Alternative zur Finanzierung der Maßnahmen über ein Trägerdarlehen gebe. Fusionsgespräche mit dem St.-Elisabeth-Hospital seien erfolglos gewesen. Mit anderen Kliniken zum Beispiel in Münster oder Bielefeld zu fusionieren, ergebe kaum einen Sinn. „Das lohnt den Aufwand nicht“, so Lang. „Da bleiben wir lieber selbstständig.“ Auch ein Verkauf des Klinikums sei nicht vorgesehen. „Das Klinikum genießt ein hohes Ansehen.“ Auch von der Politik sei gewünscht, dass man im Haus noch etwas steuern könne. „Die Investitionen müssen jetzt getätigt werden. Dann stehen wir mittelfristig gut da.“

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