BUND kritisiert Bielefeld und Gütersloher Bauherrin


Pferdepension und landwirtschaftlicher Betrieb oder private Reitsportanlage? Die Antwort ist entscheidend für die Hagedorn-Ranch.

Noch ruhen die Arbeiten hinter dem Bauzaun im Bielefelder Stadtteil Holtkamp. Foto: Dünhölter

Gütersloh/Bielefeld (gl) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW reagiert mit einer Pressemitteilung auf die neuerliche Genehmigung der Stadt Bielefeld für die Hagedorn-Ranch an der Brockhagener Straße im Ortsteil Holtkamp. Er kritisiert das Vorgehen der Stadt und fordert die Bauherrin und Gütersloher Geschäftsfrau Barbara Hagedorn auf, kein weiteres Baumaterial auf die Baustelle zu bringen.

Nachdem Hagedorn Unterlagen zur Wirtschaftlichkeit eines Pferdepensionshofs nachgeliefert hatte, hat die Stadt Bielefeld vorige Woche eine Nachtragsgenehmigung ausgesprochen. Gegen die bisherige Genehmigung hatte der BUND geklagt und auf dem Weg eines Eilantrags am Verwaltungsgericht im vergangenen Dezember einen Baustopp erwirkt. Aus Sicht des BUND handelt es sich nicht um einen landwirtschaftlichen Betrieb, sondern um eine private Reitsportanlage. Und die wäre in einem Landschaftsschutzgebiet nicht zulässig. 

„Baugenehmigung juristisch nicht tragfähig“

Barbara Hagedorn habe die für eine Genehmigung wesentlichen Unterlagen einfach ausgetauscht, so der BUND. Das Bauamt der Stadt sei dem offenbar gefolgt: Im „Nachtrag zur Baugenehmigung“ heiße es, dass sowohl das Gutachten zur Wirtschaftlichkeitsberechnung als auch der Planungsbericht für die SL Riding Ranch sowie die Landwirtschaftliche Betriebsbeschreibung – „also alle grundlegenden Papiere für die Baugenehmigung“ – nicht länger Gegenstand der Baugenehmigung seien. Sie seien jetzt durch völlig neue Papiere ersetzt worden. 

„Aus Sicht des BUND steht damit zweifelsfrei fest, dass die im Juni 2021 erteilte Baugenehmigung juristisch nicht tragfähig, also klar rechtswidrig war“, heißt es in der Mitteilung des BUND. Denn alle damals für die Anerkennung als landwirtschaftlicher Betrieb wesentlichen Nachweise seien zurückgezogen worden. Um das festzustellen, habe es erst einer Klage des BUND und eines Baustoppbeschlusses des Verwaltungsgerichts bedurft, stellt Sprecher Adalbert Niemeyer-Lüllwitz fest. Jetzt werde versucht, mit neuen Bauunterlagen und einer darauf gestützten neuen Genehmigung „eine im Landschaftsschutzgebiet nach wie vor unzulässige Reitsportanlage doch noch durchzusetzen“.

 „Widerspricht unserem Rechtsverständnis“

BUND-Vorstandsmitglied Jürgen Birtsch ergänzt: „Das Vorgehen der Stadt Bielefeld widerspricht unserem Rechtsverständnis. Die Behörde hat hier offenbar aus den schweren Fehlern bei der Erteilung der ursprünglichen Baugenehmigung nicht gelernt. Im Gegenteil wird hier erneut alles versucht, einen im Außenbereich rechtswidrigen Bau durch Vortäuschung einer hauptsächlichen landwirtschaftlichen Nutzung durchzusetzen.“ 

Der BUND fragt erneut, „ob nicht dabei auch der Einfluss der Geschäftsführerin der Hagedorn-Holding als stadtbekannter und finanzstarker Unternehmerin eine Rolle gespielt hat“. Hagedorn habe eine Aufhebung des Baustopps beantragt. Der BUND habe über seinen Anwalt Einsicht in alle neuen Unterlagen beantragt. „Aus unserer Sicht wäre der Weiterbau ein Verstoß gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts vom Dezember 2021. Wir fordern deshalb Hagedorn auf, bis zu einer gerichtlichen Klärung darauf zu verzichten“, erklärt Birtsch.

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