Einzelhändler sorgen sich um Gütersloher Innenstadt


Einzelhändler in Gütersloh haben infolge von Corona nicht nur Einbußen erlebt. Viele haben auch reagiert. Und sie haben eine Sorge.

Mit einer Möblierung und Pflanzen hat Gütersloh Marketing im vergangenen Jahr versucht, die Attraktivität der Innenstadt zu erhören und damit dem Einzelhandel in Corona-Zeiten zu helfen. Foto: Dinkels

Gütersloh (gl) - 34 Prozent der Gütersloher Einzelhändler haben im Zuge der Corona-Krise starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Für 16 Prozent war oder ist die Krise existenzbedrohend. Die Mehrheit (70 Prozent) schaut aber trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft. 

Das geht aus der achten Unternehmerkunden-Studie im Auftrag der Commerzbank hervor. Dafür wurden bundesweit 3500 Einzelhandelsunternehmen mit einem Umsatz bis zu 15 Millionen Euro vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragt, davon indes nur 50 in Gütersloh. Darüber informiert die Commerzbank in einer Pressemitteilung.

„Der wiederholte Lockdown und die hohen laufenden Fixkosten haben die Hälfte der Einzelhändler in Gütersloh vor große Probleme gestellt. Von damit verbundenen Kundenverlusten berichten 44 Prozent“, erklärt Thomas Eckert, Leiter Unternehmerkunden Niederlassung Gütersloh. 40 Prozent mussten auf vorhandenes Eigenkapital zurückgreifen, um Umsatzeinbußen auszugleichen. 28 Prozent nahmen staatliche Hilfen in Anspruch, 18 Prozent der hiesigen Unternehmer wurden von Familie oder Freunden in Form einer Schenkung oder eines Darlehens unterstützt. 

Aber auch Kreditstundungen oder Bankkredite wurden in Anspruch genommen. Zwei von fünf der Gütersloher Einzelhändler nutzten außerdem Kurzarbeit, um die Krise zu überbrücken. Bei 58 Prozent der Unternehmen waren jedoch keine Personalmaßnahmen notwendig. 

Geschäfte bedienen ihre Kunden auch online

Die Corona-Krise hat laut den befragten Unternehmen das Einkaufs- und Konsumverhalten ihrer Kunden verändert. Dabei zeigen sich zwei gegenläufige Trends: „Einerseits hat Corona im Einzelhandel einen spürbaren Digitalisierungsschub ausgelöst, wie wir ihn auch als Commerzbank bei unseren Kunden feststellen“, erklärt Eckert. So berichtet ein Fünftel der Einzelhändler in Gütersloh, dass Kunden nun vermehrt online einkaufen. „Auf der anderen Seite sehen wir aber auch einen Nachholbedarf beim Konsum vor Ort. Denn ebenfalls jeder fünfte Einzelhändler bemerkt wieder mehr Bedarf an persönlicher Beratung. Die Studie zeigt daher, dass Kunden beide Kanäle nutzen wollen – digital und persönlich.“ 

Auf diese Bedürfnisse der Kunden hat der Einzelhandel in Gütersloh reagiert. So setzte jeder Dritte auf Angebote wie Click & Meet, jeder Fünfte beriet Kunden auch online. 16 Prozent investierten in den Auf- oder Ausbau einer Website oder App, weitere 18 Prozent in einen Online-Shop. 

Viele Einzelhändler zeigen sich jedoch auch besorgt um die Entwicklung der Innenstadt. Drei Viertel befürchten laut Commerzbank „in den nächsten fünf Jahren eine Verödung des Stadtzentrums durch Geschäftsschließungen kleinerer Läden, Restaurants und Kultureinrichtungen“.

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