Fußgängerzone in Gütersloh soll zur Oase werden


Die Fußgängerzone in Gütersloh soll zur Klimaoase werden. Die Idee der Grünen wird auch von anderen Fraktionen unterstützt. 

Aus manchen Blickwinkeln gleicht der Konrad-Adenauer-Platz am Rathaus schon einer grünen Oase. Aus Richtung Sparkasse wirkt er hingegen auf manchen wie eine Steinwüste. Foto: Dinkels

Gütersloh (gl) - Die Gütersloher Innenstadt soll deutlich grüner werden. Die Idee der Grünen einer Klimaoase in der Fußgängerzone wird auch von CDU, SPD, BfGT und FDP unterstützt. Ein gemeinsamer Antrag steht am kommenden Montag im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz zur Debatte. Es geht um grüne Fassaden, kleine Parks und schattenspendende Bäume.

Nach dem Willen der Fraktionen soll die Fußgängerzone zu einem überregionalen Leuchtturmprojekt für die Klimafolgenanpassung werden, und zwar bis zum Stadtjubiläum im Jahr 2025. „Wir wollen eine attraktive Innenstadt mit einem Alleinstellungsmerkmal von überregionaler Strahlkraft entwickeln. Unsere Vision hat den Charakter einer Oase mit begrünten Fassaden, schattenspendenden Gründächern, zusätzlichen Sitzmöglichkeiten und Spielflächen“, erklärt Dr. Martin Noack (Grüne) in einer gemeinsamen Mitteilung.

Idee stößt auf Unterstützung 

Hintergrund ist demnach ein Projektaufruf des Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel – Klima- und Transformationsfonds“. Es werden hochinnovative und investitionsstarke Projekte der Grün- und Freiraumentwicklung mit den Zielen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung gefördert, die beispielgebend für andere Kommunen sind.

Die Idee der Grünen stößt auf Unterstützung der anderen Ratsfraktionen, da sie verschiedene bestehende Anliegen aufgreift und bündelt. So hatte die CDU im November 2021 eine Expertenanhörung zum Thema Schwammstadt beantragt, welches in der kommenden gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Umweltausschuss stattfinden wird. 

Mehr Frischluft und Schatten in der Innenstadt

Die BfGT hatte knapp ein halbes Jahr zuvor für die Steigerung der Attraktivität der Innenstadt die Erstellung eines Konzeptes zur Gastronomieentwicklung beantragt. Die FDP hatte im Frühjahr zur Erhöhung der Biodiversität die Umgestaltung der Rasenflächen auf dem Konrad-Adenauer-Platz gefordert. Und Grüne und SPD setzen zuletzt die Schaffung klimaresilienter Schulhöfe durch.

Die Verwaltung soll nun beauftragt werden, ein Konzept und Leitlinien für die Entwicklung der Innenstadt zu einer Klimaoase zu erstellen. Durch einen hohen Anteil an horizontaler und vertikaler Begrünung soll in der Innenstadt mehr Frischluft und Schatten bereitgestellt werden. „Gleichzeitig werden zusätzliche Lebensräume für Insekten geschaffen und Regenwasserauffangmöglichkeiten entwickelt“, heißt es. 

Öffentlicher Freiraum soll mehr begrünt werden

In einem ersten Schritt soll die Verwaltung bis zum 15. Oktober eine Förderskizze einreichen. Gefördert werden 85 bis 90 Prozent der Kosten von Projekten ab einer Million Euro Volumen. Dabei stehen für die Klimaoase Gütersloh laut Mitteilung drei Hebel zur Verfügung:

Erstens: Die Stadt kann das eigene Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünung für private Gebäude in der Fußgängerzone mit extra hohen Fördersätzen – für die Pioniere zum Beispiel bis zu 90 Prozent – ausstatten. Zweitens: Die Stadt kann eigene Gebäude und die ihrer Töchter selbst zu innovativen begrünten Hinguckern entwickeln, zum Beispiel das Rathaus und die Stadtbibliothek.

Drittens: Der öffentliche Freiraum kann deutlich mehr begrünt werden, wie es der Fachbereich Grünflächen aktuell selbst vorschlägt, zum Beispiel in der Strengerstraße und um den Kolbeplatz herum.

Vorreiter bei Klimaresilienz 

Die Stadtverwaltung, Concept GT und Gütersloh Marketing gaben in ersten Gesprächen laut Mitteilung ein positives Feedback. Auch mit der Bürgerstiftung, Vertretern des Klimabeirats und anderen Akteuren würden aktuell Gespräche geführt.

„Bis zum Stadtjubiläum 2025 soll die Fußgängerzone in eine Oase verwandelt werden und einzigartige Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangebote bieten. In den fünf Jahren danach sollen auch andere Hitzeinseln in der Kerninnenstadt deutlich reduziert und neue Grünflächen geschaffen werden“, erläutert Klaus Sperling, klimapolitischer Sprecher der BfGT, den Zeitplan des Projekts mit mehreren Entwicklungsstufen. Stefan Bethlehem (SPD): „Wenn wir nichts machen, werden die Kosten für die Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel später nur noch höher. Aber wenn wir jetzt handeln, können wir Vorreiter bei der Klimaresilienz sein.“

Auch Einzelhändler und Gastronomen profitieren

„Dabei ist uns besonders die hohe Aufenthaltsqualität für alle Generationen wichtig. Wir denken da zum Beispiel an das Konzept Spielende Stadt und natürlich auch an Barrierefreiheit, erklärt Frederik Rickel, umweltpolitischer Sprecher der CDU. Sascha Priebe, Fraktionsvorsitzender der FDP, ergänzt: „Von mehr Besuchern und längeren Aufenthalten sowie der Aufwertung ihrer Gebäude profitieren auch unsere Einzelhändler und Gastronomen. Sicher bietet die Klimaoase weiteren Unternehmern einen Anreiz, sich hier anzusiedeln.“

Martin Noack: „In diesem Projekt vereinen wir alles, was unsere Innenstadt zukunftsfähig macht und es ergeben sich viele Synergien für die Stadtentwicklung in Gütersloh, zum Beispiel mit der Neu-Entwicklung von Postareal und ZOB und der neuen Innovationsmanufaktur Gütersloh.“

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