Grün statt Schottergrau im Vorgarten



Gütersloh (rebo) - „Eine zugeschotterte Fläche und mittendrauf eine pompongeschnittene Kiefer oder ein in der Hitze verdorrter Buchsbaum.“ Wer Daniela Toman, Landschaftsarchitektin beim Fachbereich Grünflächen der Stadt, auf „Gärten des Grauens“ anspricht, löst bei ihr sofort bestimmte Assoziationen aus.

Treffpunkt Botanischer Garten: Auch dort kann man sich einige Anregungen holen und „mit den Augen stehlen“, empfehlen Umweltberaterin Beate Gahlmann (links) und Landschaftsarchitektin Daniela Toman.

Ebenso wie bei Beate Gahlmann, Umweltberaterin beim Fachbereich Umweltschutz. „In den vergangenen drei Jahren haben sich die Schottergärten geradezu explosionsartig ausgebreitet“, sagt Daniela Toman. Begonnen habe der Trend, vor allem Vorgärten mit Kies, Schotter oder farbigen Glasscherben zu befüllen, statt Büsche und Blumen zu pflanzen, vor rund zehn Jahren. Auch in Gütersloh sind immer öfter Flächen zu sehen, die so gestaltet sind.

Stauden sind eine pflegeleichte Alternative

Weil sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten lässt, plädieren die beiden Expertinnen, mit anderen Argumenten für einen grünen statt grauen Vorgarten. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass so ein Steingarten weniger Arbeit macht“, sagt Daniela Toman. Es gebe immer einen Anflug von Samen, die sich dann zwischen den Steinen niederließen und austrieben. Blätter würden herangeweht, Moose und Algen setzten sich bei Feuchtigkeit ab. Was üblicherweise als Unkraut angesehen werde, sei in der Regel sehr anspruchslos und setze sich auch in einem Schottergarten durch. „Eigentlich müsste ein Steingarten alle drei Jahre gründlich gesäubert werden.“ Werde die Fläche dagegen mit den passenden Pflanzen bepflanzt, nehme der Arbeitsaufwand nach und nach ab. „Wenn ich diese dicht aneinandergedrängten Stauden in ein Beet setze, ist der Pflegeaufwand gering“, ergänzt Beate Gahlmann und deutet im Botanischen Garten auf eine Fläche, die mit dieser Art bedeckt ist.

Wasserspeicher und Sauerstoffproduzent

Das Grün spiele zudem eine wichtige Rolle für das Klima – im Kleinen wie im Großen, so Daniela Toman. „Vegetationsflächen speichern Wasser, wenn es regnet“, zählt sie auf. Bei Starkregen wirkten sie als wirksamer Puffer, so dass das ablaufende Wasser nur nach und nach in die Kanalisation fließe. „So werden Überschwemmungen verhindert.“ Pflanzen produzierten beim Wachstum Sauerstoff und würden Kohlendioxid binden, führt Toman aus. „Und drittens verdunstet Wasser über die Blätter. Auf diese Weise tragen sie zur Kühlung bei.“

Steine heizen auch Hauswände auf

Beate Gahlmann ergänzt: „Steine dagegen heizen sich auf.“ Es gebe Studien, die das Bundesumweltamt in Auftrag gegeben habe, die zeigten, dass sich dadurch auch die Häuserwände erhitzten. Im Sommer stelle sich deshalb auch beim Lüften am Abend kaum eine Abkühlung innerhalb der Häuser ein.

Vorgarten als Lebensraum

In Zeiten des Artensterbens seien auch Vorgärten wichtige Flächen, um Lebensräume zu sichern. „Insekten brauchen Pflanzen“, betont Beate Gahlmann. Stünden die richtigen Pflanzen im Garten, fänden auch Insekten ausreichend Nahrung. „Und weiter: Wenn es den Insekten gut geht, geht es auch den Vögeln gut.“ So greife eins ins andere.

Unterstützung beim Fachbereich Umweltschutz

Wer sich über eine klimafreundliche Gartengestaltung informieren will – die nicht zuviel Arbeit bereitet – findet bei Beate Gahlmann und ihren Kollegen beim Fachbereich Umweltschutz Unterstützung. Dort gibt es zum Beispiel Tipps, welche Arten in die Region passen und damit auch die richtigen für die Insekten in der Region sind. In der Broschüre „Lebendige Gärten in Gütersloh“ gibt es Hinweise zur Anlage unterschiedlicher Gärten, zu Ansprechpartnern, die bei der Umsetzung beraten können sowie zu Bezugsquellen für Pflanzen und Samenmischungen.

Wichtige Mosaiksteine

„Wenn ich mir bei der Planung ein wenig Arbeit mache, lässt sich ein Garten gestalten, der nicht zuviel Arbeit macht und zudem ein schönes Aushängeschild für das Haus ist“, sagt Daniela Toman. Natürlich rette ein einzelner grüner Vorgarten nicht die Welt, betont die Landschaftsarchitektin. „Aber er ist ein einzelnes kleines wichtiges Mosaiksteinchen. Man kann auch mit diesen Kleinstrukturen etwas erreichen.“

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.