Gütersloher Brücke in Verzug: Was der Stahlbauer sagt



In einem Gespräch der Beteiligten soll an diesem Donnerstag geklärt werden, wie es mit der Brücke am Gütersloher Westring weitergeht.

Die Träger an der Dalke stehen: Wie es weitergeht, soll am Donnerstag, 12. Mai, in einem Gespräch mit allen Beteiligten erörtert werden. Foto: Dinkels

Gütersloh (din) - Richard Rohlfing (57) will sich den Mund nicht verbieten lassen. „Ich muss sehen, dass Schaden von meinem Unternehmen abgewendet wird“, sagt der Stahlbauer aus Stemwede. Für die Verzögerung bei den Brückenbauarbeiten am Westring macht der Ingenieur die Stadt Gütersloh verantwortlich. 

Wie berichtet, wird die Fußgänger und Radfahrerbrücke auch zum 17. Juni nicht fertig und die Fertigstellung um unbestimmte Zeit verzögern. „Der Grund ist, dass die Stadt die Statik schuldete“, sagte Rohlfing dieser Zeitung. Nach der Auftragsvergabe im Juni vorigen Jahres habe es Monate gedauert, bis die Stadt wichtige Unterlagen freigegeben habe, ohne die er nicht habe anfangen können. „Nicht Ende Juni, nicht im Juli, nicht im August, nicht im September, nicht im Oktober.“ 

Behinderungsanzeige geschrieben

Der Stahlbauer Richard Rohlfing aus Stemwede.

Am 10. November habe er eine sogenannte Behinderungsanzeige gestellt und darauf hingewiesen, dass die Brücke nicht mehr zum vereinbarten Zeitpunkt am 8. April fertig werden würde. „Ich habe schon damals gesagt, dass das mindestens August werden wird.“ Rohlfings direkter Vertragspartner ist nicht die Stadt, sondern der Marienfelder Generalunternehmer Fechtelkord und Eggersmann, an den aus formalen Gründen die Behinderungsanzeige gegangen sei. Ansonsten betont Rohlfing sein gutes Verhältnis zu den Marienfeldern. 

Fünf Monate seien auf die Weise „vergeigt worden“. Erst am 20. November seien die Unterlagen per E-Mail über Fechtelkord und Eggersmann mit der Unterschrift von Alfons Buske, Leiter des Fachbereichs Tiefbau, bei ihm eingegangen. „Aus Kulanz“ habe er schon vorher das Material bei der Salzgitter AG bestellt. Als der neue Termin 17. Juni festgelegt worden sei, habe er Fechtelkord und Eggersmann mitgeteilt: „Wir brauchen mindestens bis Ende August.“ 

Ein zweiter Grund für die Verzögerung sei, dass die Stadt sich bisher nicht festgelegt habe, welche Farbe und Körnung der Belag der Brücke bekommen solle. Es sei vertraglich festgelegt, dass der Belag in der Werkstatt des Metallbauers aufgetragen werden solle. Das 45 Meter lange Mittelstück der Brücke sei zu Ostern fertig gewesen und habe zwischenzeitlich aus der Halle gezogen werden müssen, weil er Platz brauche. Fertiggestellt sei auch die etwa 22 Meter lange kleinere Brücke, die den Paul-Westerfrölkeweg in Richtung Innenstadt zurück auf die andere Seite der Dalke führen soll. Ebenfalls bis heute nicht entschieden sei, wie dafür die Schleppbleche aussehen sollen.

Welche Brückenelemente fertig sind

Von sechs weitere Brückenelementen seien zwei fertig und an vieren werde gearbeitet, erklärte der Stahlbauer. Er wies Vorwürfe von sich, die Komplexität der Arbeiten an den Brüstungen unterschätzt zu haben. Es hatte geheißen, das Abrunden von rund 80 000 Ecken und Kanten sei sehr aufwendig. „Das war nicht der Grund der Verzögerung“, sagte Rohlfing. Dem Architekten, der das behauptet habe, habe er Hausverbot erteilt. 

Rohlfing räumte ein, dass es Gespräche mit der Stadt gegeben habe wegen eines möglichen Aufschubs in Verbindung mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal für Berlin, das ebenfalls in seiner Werkstatt entsteht. Die begehbare Wippe stehe „zu 96 Prozent fertiggestellt“ in einer seiner drei großen Hallen. Da aber auch bei dem Denkmal das avisierte Datum 3. Oktober nicht gehalten werden könne, da die Statik nicht abschließend geregelt sei, habe das Vorhaben auf Gütersloh keinen Einfluss, sagte der Stemweder. 

Fazit: „Es wird ein paar Monate länger dauern“, so Rohlfing. Aktuell hoffe er auf eine Fertigstellung im Oktober, November oder Dezember. Zum Ablauf der Montagearbeiten sagte der Ingenieur, sie müssten zwingend mit dem großen Brückenteil beginnen, das über den Westring reiche. Das Verladen auf einen Transporter dauere schon fünf Stunden. Die verkehrsrechtliche Genehmigung für den Transport habe er. Er soll in der Nacht von einem Freitag auf einen Samstag erfolgen. Später müssten die übrigen Segmente verschweißt werden. Pro Segment rechne er zwei Schweißer mit je einem Arbeitstag. 

Gespräche laufen

Das Unternehmen Fechtelkord und Eggersmann wollte sich am Mittwoch nicht zu dem Bauvorhaben äußern. „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Stadt Gütersloh und möchten zu diesem Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben“, erklärte eine Sprecherin. 

Für die Stadt schrieb Sprecherin Susanne Zimmermann: „Es ist für Donnerstag ein Termin mit allen Beteiligten vereinbart, bei dem vorrangig besprochen wird, wie nun das Bauprojekt zügig zum Abschluss gebracht werden kann und was die Beteiligten dazu beizutragen haben, beitragen können oder müssen.“ Da alle Beteiligen das Ziel verfolgten, die Brücke so schnell wie möglich fertigzustellen, sei die Klärung der Frage nach der Verantwortlichkeit für die Verzögerung „zum jetzigen Zeitpunkt nicht prioritär, allerdings im Nachgang auch zu klären“. Weitere Details sollen nach dem Gespräch genannt werden. Laut Rohlfing droht eine Vertragsstrafe von 5000 Euro je Tag Verzug. 

Laut Rohlfing soll jemand von der Stadt vorstellig geworden sein und darum gebeten haben, Presseanfragen an die Stadt zu verweisen. Allerdings handele es sich um ein öffentliches Bauwerk. Ihm seien alle Mittel recht, Schaden von seinem Unternehmen abzuwenden. Seine Aussagen ließen sich komplett durch Unterlagen belegen, sagte der Stemweder.

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