Gütersloher Hausarzt Harald Frenz übergibt seine Praxis



Häufig haben Hausärzte Probleme, einen Nachfolger zu finden - nicht so bei Harald Frenz aus Gütersloh.

Gütersloh (gl) - Im Sommer gibt Harald Frenz nach mehr als 20 Jahren als Hausarzt seine Praxis am Kolbeplatz auf. Die gute Nachricht: Er hat eine Nachfolgerin gefunden. Und darf sich damit ruhig und gelassen darauf freuen, dass ihm bald mehr Zeit für seine Leidenschaft für die Musik und für das Reisen bleibt.

Nachfolgersuche in vielen Fällen nicht einfach

Dass Harald Frenz eine Nachfolgerin für seine Hausarztpraxis gefunden hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Zuletzt hatte sein Kollege Brune seine Praxis in Spexard geschlossen. Dessen Patienten müssen sich nach einem Hausarzt an einem anderen Standort umsehen. Das sei nicht einfach, sagt Frenz. Viele Praxen seien ausgelastet.

Ab August wird Michaela Strenge Frenz‘ Platz einnehmen. Noch arbeitet die 35-Jährige als Fachärztin in der Notaufnahme an der Uni-Klinik Düsseldorf. Ein Zufall hat die beiden Mediziner am 19. November 2020 zusammengeführt. Harald Frenz kann das Datum noch so genau benennen, weil Michaela Strenge an dem Tag als Patientin zu ihm kam. „Ich war mit meinem Mann zu Besuch bei den Schwiegereltern hier in Gütersloh“, erzählt sie. Weil sie Erkältungssymptome geplagt hätten und sie eine Coronainfektion habe ausschließen wollen, habe sie in einigen Arztpraxen angerufen. „In dieser Praxis, hat man mir gesagt, ich könnte vorbeikommen“, sagt sie.

Arzt lernt Nachfolgerin als Patientin kennen

„Und wie ein Hausarzt das bei einem ersten Kontakt mit einem Patienten so macht, habe ich Frau Strenge gefragt, was sie beruflich macht“, ergänzt Harald Frenz, während die beiden in seinem Sprechzimmer sitzen. Michaela Strenge arbeitet gerade für zwei Tage mit in der Praxis, um die Abläufe kennenzulernen und schon mit einigen Patienten in Kontakt zu treten. „Und als Frau Strenge mir erklärt hat, sie sei Ärztin, habe ich gesagt: Ach, das ist ja interessant. Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie Lust haben, meine Praxis zu übernehmen.“

Die beiden vergangenen Jahre mit der Corona-Pandemie seien sehr anstrengend gewesen, erklärt Harald Frenz, warum er beschlossen hat, dass für ihn nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen. „An manchen Tagen bin ich um halb Fünf aufgestanden, um alles für die Covid-Impfungen vorzubereiten.“ Aber davon ganz abgesehen: „Ich habe auch noch andere Leidenschaften, denen ich mich jetzt widmen werde“, sagt Frenz. Das Klavierspielen sei eine Passion. Und Reisen – in die Toskana zum Beispiel. Dazu will der 64-Jährige jetzt endlich Italienisch lernen. „Die Sprache ist so wohlklingend“, schwärmt er. Eine Lehrerin hat er auch schon gefunden. „Ich habe schon einen Stundenplan, was ich demnächst morgens bis 12 Uhr erledigen werde“, sagt Frenz schmunzelnd.

Wechsel soll im Sommer vollzogen werden

Mitte des Jahres wird der Wechsel vollzogen. Ende Juni zieht sich Harald Frenz zurück. Anfang August will Michaela Strenge ihre Laufbahn als Hausärztin starten. In den Wochen dazwischen will sie die Räume am Kolbeplatz renovieren.

„Meine Schwerpunkte sind Infektiologe und Prävention von Infektionskrankheiten, Reisemedizin, Notfall- und Palliativmedizin“, zählt die 35-Jährige auf. Sie freue sich darauf, jetzt einen neuen Weg einzuschlagen, sagt sie. Obwohl sie schon eine Weile überlegt habe, ob es richtig sei, selbstständig eine Praxis zu übernehmen. Dazu gehöre auch, betriebswirtschaftliche Aufgaben zu erledigen und Personalverantwortung zu übernehmen. Das bewährte Team von Harald Frenz wird künftig Michaela Strenge zur Seite stehen. Annika Wenner, Fatima Borogovac und Kirsten Schwabedissen kennen die Patienten und die Patienten wiederum wissen, dass sie sich auf die drei Frauen verlassen können.

Praxisteam bleibt bestehen

In diesem Fall hat sich für die Beteiligten alles zum Guten gefügt. Michaela Strenges Mann – ein gebürtiger Gütersloher – und ihre fünfjährige Tochter freuen sich, künftig in der Dalkestadt zu leben. Das Praxisteam behält seinen Arbeitsplatz und die Patienten eine Nachfolgerin für ihren Hausarzt. Und Harald Frenz kann ruhig gehen. „Es hätte mir in der Seele wehgetan, wenn ich hier den Schlüssel hätte umdrehen müssen.“

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