Gütersloher Politik schiebt Ringen um Roteiche auf



Ein Baum steht einer Investition in Millionen-Höhe im Weg. In Gütersloh muss einen Entscheidung gefällt werden.

Alt und mächtig steht die Roteiche auf dem potenziellen Baugelände an der Bundesstraße 61/Berliner Straße. Foto: Borgmeier

Gütersloh (gl) - Der Drops schien eigentlich schon gelutscht. Eine ziemlich alte und ziemlich große Roteiche auf der Gewerbefläche an der Bundesstraße 61 neben der TWE-Strecke sollte erhalten bleiben. So hatte es der Ausschuss für Planung, Bauen und Immobilien Ende September auf Antrag der Grünen beschlossen. 

Jetzt kam das Thema in der jüngsten Sitzung des Ausschusses noch einmal auf den Tisch. Das Unternehmen, dem die Fläche gehört, möchte dort eine Gewerbehalle errichten und hat darum gebeten, einen Beschluss zu fassen, dass die Eiche gefällt werden dürfe. Das vorweg: Es wurde noch kein Beschluss gefasst. Das Thema wird den Ausschuss im Dezember noch einmal beschäftigen. 

Wirtschaftlichkeit gefährdet

Eine Investorengemeinschaft des Unternehmens Hagedorn und des Paderborner Bauunternehmens Bremer AG, das auf dem hinteren Gelände schon das DHL-Zentrum gebaut hatte, will eine rund 10 000 Quadratmeter große Gewerbehalle auf dem Gelände errichten. Laut Projektentwickler Rick Mädel fielen mit dem Baum rund 1550 Quadratmeter weg. 

„Der Erhalt des Baumes lässt das gesamte Projekt unwirtschaftlich werden. Die Hallen hätten somit keinen ordentlich nutzbaren Zuschnitt mehr; der Kern der Halle entfällt“, schrieb Mädel an die Stadt. 

Nutzer stehen noch nicht fest

Er wies außerdem darauf hin, „dass es zum aktuellen Zeitpunkt keinen festen Nutzer gibt. Erst wenn wir eine gewisse Sicherheit über Planung und Zeitplan haben, können wir potenziellen Nutzern unser Projekt anbieten.“ Geplant sei ein Gewerbepark, der an verschiedene Nutzer vermietet werden könne. Die Nutzer könnten aus dem Bereich Dienstleistung, leichte Produktion, Verarbeitung, E-Commerce oder auch Logistik kommen. 

Zu beachten sei bei der Suche nach geeigneten Mietern die Einhaltung der Lärm- und Verkehrskontingente. Die Ergebnisse der Gutachten hätten aber gezeigt, dass die Kontingente für eine Vielzahl von Nutzern ausreichend seien.

Baurecht hat Vorrang vor Baumschutz

Gleichzeitig stellte der Investor noch den Antrag, einen weiteren Baum fällen zu dürfen, der auf einer Fläche steht, auf der ein Büro- und Hallen-Komplex geplant sei. Mit dem Baum würde er „so schmal werden, dass der vordere Grundstücksteil wirtschaftlich nicht mehr nutzbar ist“, heißt es. 

Im Ausschuss äußerten CDU und SPD Verständnis für den Wunsch des Projektentwicklers. FDP und AfD sprachen sich dafür aus, den September-Beschluss zu kippen. Die Grünen beharrten hingegen darauf. Grundsätzlich gilt in Gütersloh, dass Baurecht Vorrang hat gegenüber der Baumschutzsatzung. Allerdings müssen an anderer Stelle Ersatzbäume gepflanzt werden.

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