Hagedorn-Ranch: BUND zweifelt Wirtschaftlichkeit an


Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) lässt nicht locker. In einer Mitteilung kritisiert er erneut das Konzept für die Hagedorn-Ranch.

Im Juli hatte die Stadt Bielefeld eine Nachtragsgenehmigung für die Ranch an der Brockhagener Straße erteilt. Sie liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Foto: Dünhölter

Gütersloh/Bielefeld (gl) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW ist dem Antrag der Gütersloher Geschäftsfrau Barbara Hagedorn an das Verwaltungsgericht Minden, den Baustopp für ihr Projekt SL Riding Ranch in Bielefeld aufzuheben, entgegengetreten. 

Das Gericht hatte im Eilbeschluss vom 13. Dezember 2021 festgestellt, dass der geplante Betrieb zur Pensionspferdehaltung nicht die erforderlichen Voraussetzungen eines privilegierten landwirtschaftlichen Vorhabens erfülle. Auch die für den „Nachtrag zur Baugenehmigung“ neu eingereichten Bauunterlagen ändern aus Sicht des BUND nichts an dieser Bewertung. Die vom Gericht geforderte „Nachhaltigkeit und Rentabilität“ eines landwirtschaftliche Betriebs werde auch durch den „Nachtrag“ nicht belegt, heißt es jetzt in einer Mitteilung des BUND.

„Kosten werden kleingerechnet“

Nach dem neuen Wirtschaftsgutachten gehe Hagedorn weiterhin von sehr hohen Boxenmieten von 550 Euro pro Pferd aus. Die Personalkosten würden hingegen kleingerechnet. Dazu stellt BUND-Vorstandsmitglied Jürgen Birtsch fest: „Insgesamt soll dieser circa 51 Hektar große Betrieb mit seinem anspruchsvollen, für den Pferdesport gebautem Gebäudekomplex und 40 Pferden, die konstant zu betreuen sind, mit deutlich zu wenigen Arbeitskräften bewirtschaftet werden. Erfahrene Landwirte sagen uns: Das kann nicht funktionieren.“ Es werde zusätzliches Personal benötigt, für das keine Kosten eingerechnet seien. 

Zudem würde das Wirtschaftsgutachten die Lohnkosten für den Stallarbeiter viel zu niedrig ansetzen. Dazu sagt BUND-Sprecher Adalbert Niemeyer-Lüllwitz: „Offenbar hat Frau Hagedorn nicht vor, der einzigen geplanten Arbeitskraft wenigstens den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Würde der berücksichtigt, schmilzt der ohnehin niedrige erzielbare Gewinn so zusammen, dass eine Rentabilität des Betriebs nicht mehr gegeben ist“.

„Rentabilität und Zukunftsfähigkeit nicht gegeben“

Auch die eingeplante Ausstattung des Betriebes mit Maschinen und Geräten mache klar, dass eine Rentabilität und Zukunftsfähigkeit nicht gegeben sei. So würden beispielsweise für den erforderlichen Schlepper deutlich zu geringe Anschaffungskosten angesetzt. Für diese sei allenfalls ein 20 bis 30 Jahre alter gebrauchter Traktor auf dem Markt verfügbar. Einige für die Grünlandnutzung unverzichtbare Geräte seien gar nicht vorgesehen. 

Dazu Jürgen Birtsch: „Mit diesem museumsreifen und unvollständigen Geräte- und Maschinenpark lassen sich 51 Hektar landwirtschaftlicher Flächen nicht pflegen.“ Eine nachhaltige und dauerhafte Bewirtschaftung der Flächen im Sinne eines funktionierenden landwirtschaftlichen Betriebs sei offenbar nicht geplant. „Das Betriebskonzept ist einzig auf einen Reitsportbetrieb ausgerichtet“, so Birtsch. 

„Landwirt würde das nicht riskieren“

Auf der Grundlage dieses Betriebskonzepts würde kein vernünftiger Landwirt einen neuen Betrieb gründen und den Einsatz erheblicher Mengen an Eigenkapital riskieren, so der BUND. Für Barbara Hagedorn sei aber die Situation eine andere: Sie verfüge über die nötigen Barmittel und Einkünfte aus ihrer Unternehmensgruppe, um solch ein Risiko einzugehen.

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