Historischer Adventskalender aus Gütersloh von 1947


Heute gibt es zig verschiedene Arten von Adventskalendern. Wie sie früher aussahen, zeigt ein Beispiel einer Familie aus Gütersloh.

Dieser Adventskalender von 1947 stammt von einer Familie aus Gütersloh und befindet sich nun im Archiv der Kommission Alltagskulturforschung des LWL in Münster. Fotos: LWL/Archiv für Alltagskultur

Münster/Gütersloh (gl) - Als sie den Neuzugang im Archiv der Kommission Alltagskulturforschung beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster betrachtet, staunt Ann-Kathrin Holler nicht schlecht. In ihren Händen hält die studentische Mitarbeiterin einen Adventskalender aus dem Jahr 1947 von einer Familie aus Gütersloh. Der 26 mal 35 Zentimeter große Papierkalender im Vierfarbdruck enthält klassisch 24 Papiertürchen, hinter denen sich einzelne Abbildungen verbergen.

Farbenfroh gestaltet

Wie der LWL mitteilt, wurde der vom Zeichner E. Hetzel 1945 signierte Kalender 1947 mit einer Auflage von 60.000 Stück im Peter-Hartmann-Verlag im Landkreis Dresden verlegt und vermutlich bundesweit im Buch- und Schreibwarenhandel vertrieben.

„Besonders fasziniert haben mich die farbenfrohe, fröhliche Gestaltung, die ich zwei Jahre nach Kriegsende nicht erwartet hätte, sowie die Tatsache, dass der Kalender über 70 Jahre lang aufbewahrt wurde und so gut erhalten ist“, erklärt Holler. „Dieses schöne Stück hat mich dazu veranlasst, mich mit der Geschichte des Adventskalenders auseinanderzusetzen.“

Weihnachtsuhr aus dem Jahr 1926

Adventskalender und ihre Vorformen sind schon mindestens seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. Sie sollten die Kinder in der Vorweihnachtszeit geistig und seelisch auf das Fest der Geburt Jesu Christi einstimmen, teilt der LWL weiter mit. Vielfach verbanden sie religiöse und pädagogische Anliegen, indem beispielsweise ein Tannenbaum täglich mit Versen aus der Bibel bestückt wurde oder die Kinder jeden Tag einen Strohhalm in eine noch leere Krippe legen durften.Weihnachtsuhr aus Obermassen im, Kreis Unna.

„Auch eine Weihnachtsuhr von 1926 aus Obermassen im Kreis Unna funktionierte nach diesem Muster. Bei der Uhr handelt es sich um ein Geschenk, das eine Tante nach einem Vorbild aus der Schweiz für ihre Nichten und Neffen bastelte“, ergänzt Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der LWL-Alltagskulturkommission in Münster. Die Uhr sei aus Papier hergestellt und mit Glanzbildern sowie dem Metallzeiger einer echten Uhr ergänzt worden. „Auf zwölf mit schwarzer und roter Tusche gezeichneten Feldern finden sich religiöse Verse und Sprüche, die die Kinder vom 12. bis 24. Dezember auswendig lernen sollten“, erläutert Cantauw.

Seit 1903 gibt es industriell gefertigte Kalender

Die selbstgebastelten Kalender erhielten demnach seit 1903 Konkurrenz von industriell gefertigten Produkten. Die als Werbebeigabe einigen Tageszeitungen beigelegten Papierkalender seien seinerzeit so beliebt gewesen, dass regional teils jährlich unterschiedliche Kalender herausgegeben worden seien. Wie der LWL ausführt, habe die Werbebranche erkannt, dass sich Adventskalender dazu eigneten, Produktwerbung und weltanschauliche Inhalte zu verbreiten. „So nutzte das NS-Regime Adventskalender zwischen 1933 und 1945 unter anderem auch dazu, die nationalsozialistische Ideologie in den privaten Bereich zu tragen. Auf den Adventskalendern waren völkische Motive oder Soldaten, Panzer und Kriegsschiffe abgebildet“, sagt Ann-Kathrin Holler. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sei der Druck von Adventskalendern aus Papiermangel eingestellt worden.

Motive aus der Vorkriegszeit

Wie groß das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Rückkehr zu einer unbeschwerten und besinnlichen Weihnachtszeit nach dem Krieg gewesen sein mag, lasse sich anhand des Kalenders aus Gütersloh erahnen. Mit der Abbildung der himmlischen Weihnachtsvorbereitungen zahlreicher Engelchen passe der Kalender zum Motivspektrum, das auch andere Adventskalender der Nachkriegszeit auszeichnete. „Viele Betriebe, die nicht zerstört waren und Material vorrätig hatten, wählten nun für ihre Druckerzugnisse Motive aus der Vorkriegszeit und den 1920er-Jahren“, erläutert Christiane Cantauw.

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