Gütersloh trauert um Psychiatrie-Reformer Klaus Dörner 



Völlig umgekrempelt hat er den Umgang mit psychisch kranken Menschen. Jetzt ist Klaus Dörner gestorben.

Blumen zum 80. Geburtstag: Ende November 2013 gratuliert Maria Unger als damalige Bürgermeisterin Güterslohs dem Altersjubilar, der von 1980 bis 1996 als Ärztlicher Leiter der Westfälischen Klinik die deutsche Psychiatrie komplett umkrempelte. Am Sonntag ist Klaus Dörner gestorben. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (cabo) - Er war die herausragende Persönlichkeit der deutschen Psychiatrie: Der frühere Leiter der damaligen Westfälischen Klinik Gütersloh und jetzigen LWL-Klinik, Professor Dr. Klaus Dörner, ist am Sonntag im Alter von 88 Jahren in Gütersloh gestorben.

Klaus Dörner wurde 88 Jahre alt

„Er stand seit den 1980er Jahren wie kaum ein anderer für die Sozial- und Gemeindepsychiatrie in Deutschland“, sagte der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Georg Lunemann zum Tode Dörners.

„Der LWL und viele seiner Weggefährten trauern um ihn. Wir würdigen seine Lebensleistung für eine humane, soziale und gemeindeorientierte Psychiatrie. Davon profitieren wir bis heute.“

Dörner hatte von 1980 bis zu seinem Ruhestand Ende 1996 als Ärztlichen Leiter der Westfälischen Klinik Maßstäbe im Umgang mit psychisch kranken Menschen gesetzt.

Reformer und Persönlichkeit

Dazu sagte LWL-Gesundheitsdezernent Prof. Dr. Meinolf Noeker: „Klaus Dörner entwickelte sich zum wohl bekanntesten und überzeugendsten Pionier einer konsequenten Sozial - und Gemeindepsychiatrie in der Bundesrepublik. Sein offensiv verfolgtes Ziel war es, die traditionellen, ausgrenzenden Anstaltsstrukturen der Nachkriegszeit zu überwinden.“

Die „Enthospitalisierung“ gilt dabei sicherlich als sein bedeutendes Projekt, das die öffentliche Wahrnehmung für psychisch Kranke grundlegend veränderte. Seit vielen Jahren in den deutschen Kliniken praktisch eingeschlossene Patienten wurden unter Dörners Ägide in Wohngruppen entlassen – und lebten plötzlich mitten in der Gesellschaft.

Geistiger Vater eines völlig neuen Umgangs

Wiedergewonnener Alltag in Normalität sollte helfen, verschüttete Fertigkeiten und Beziehungen wiederzubeleben, um Selbstbestimmung zurückzugewinnen. Neben der Auflösung der Langzeitbereiche und ihrer Überführung in die heutigen LWL-Wohnverbünde und LWL-Pflegezentren hatte Dörner auch den Impuls für die Gründung des Vereins „Daheim“ gesetzt, der Dörner selbst in dessen letzter Lebenszeit betreute.

Klaus Dörner war nicht nur Psychiater, sondern auch promovierter Historiker. In seinem Buch „Bürger und Irre“ hatte er die Linien der Psychiatriegeschichte und das schwere, langwährende Erbe des Nationalsozialismus gesellschaftskritisch nachgezeichnet.

Gütersloh als Mekka der Sozialpsychiatrie

„Immer mit dem Impuls: Was folgt daraus für eine humane Psychiatrie der Zukunft“, sagte Dezernent Noeker. Dörner habe die traditionsreichen „Gütersloher Fortbildungstage zu einem bundesweiten Mekka der Gemeinde- und Sozialpsychiatrie gewandelt“.

Sie seien der Ort für intensive Kontroversen zu den Reformschritten gewesen, um Anstaltsstrukturen zu überwinden und Unterstützung in den Lebensbereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit aufzubauen. Dabei sei das LWL-Klinikum in Gütersloh zum „Experimentallabor für diesen umfassenden Transformationsprozess“ geworden.

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