Lotsen unterstützen Schlaganfallpatienten in Gütersloh


Sogenannte Lotsen unterstützen Schlaganfallpatienten in Gütersloh und ganz OWL. Das Projekt läuft vorerst aus.

Nora Hermanns ist Schlaganfall-Lotsin arbeitet über das Ende der Projektphase hinaus für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Foto: Mario Haase

Gütersloh (gl) - Das Projekt Stroke OWL, das die Einführung von Patientenlotsen in Deutschland erprobt, ist im September ausgelaufen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe geht jedoch davon aus, dass die Krankenkassen die Lotsen weiterhin finanzieren werden.

Projekt wird mit 7,1 Millionen Euro gefördert

Mehr als 1600 Patientinnen und Patienten seien in Ostwestfalen-Lippe in den vergangenen vier Jahren von 17 Schlaganfall-Lotsen betreut worden, teilt die Stiftung mit. Gefördert wurde das Projekt mit 7,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes, durchgeführt von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und ihren Kooperationspartnern – den Krankenkassen und Kliniken. 

Bis die wissenschaftliche Auswertung vorliege, werden noch einige Monate vergehen. Fast alle beteiligten Krankenkassen seien vom Projektverlauf so überzeugt, dass sie die Versorgung durch Schlaganfall-Lotsen in der Modellregion Ostwestfalen-Lippe bereits weiterfinanzierten. In Gütersloh sind sie unter anderem am St.-Elisabeth-Hospital tätig.

Professor spricht von einem „Leuchtturmprojekt“

Rund 120 Teilnehmer einer Online-Tagung haben jüngst ein positives Zwischenfazit gezogen. Von einem „Leuchtturmprojekt“ spricht Professor Dr. Peter Löcherbach aus Mainz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management. Sozialpolitiker Günter Garbrecht (Bielefeld), Vorsitzender des Projektbeirats, sieht in der Zwischenfinanzierung der Kassen gar schon die „halbe Miete“ auf eine gesetzliche Verankerung von Lotsen. 

Erste Ergebnisse aus Befragungen zeigen laut Mitteilung, dass Patientinnen und Patienten, die Hilfe von Schlaganfall-Lotsen bekommen haben, eine deutlich bessere Lebensqualität verzeichnen. Die Uni Bielefeld werde die Daten weiter auswerten. Dabei soll es auch um die Frage gehen, ob Lotsen dazu beitragen, wiederholte Schlaganfälle zu vermeiden. 

Ein Lotsenhandbuch soll die Idee verbreiten

Ein erstes, greifbares Ergebnis des Projekts liegt in wenigen Tagen vor: Ein Lotsenhandbuch, das dazu dienen soll, die Idee der Patientenlotsen zu verbreiten. Über alle Krankheitsbilder hinweg gebe es aktuell 43 Projekte mit Patientenlotsen in Deutschland. 

Gemeinsam sei ihnen das Ziel, Patientinnen und Patienten mit komplexen Versorgungsbedarfen sogenannte Kümmerer an die Seite zu stellen, die sie durch unser komplexes Gesundheitssystem begleiten und beraten.

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