Lukas Rietzschel liest in Gütersloh aus „Raumfahrer“


Mit „Raumfahrer“ stellt der Nachwuchsautor Lukas Rietzschel seinen zweiten Roman vor. Worum es geht, erzählte er im Bambi-Kino.

gilt als wichtige Stimme einer jungen Generation von deutschen Schriftstellern. Am Donnerstag war er auf Einladung der Buchhandlung Markus zu Gast im Bambi-Kino. Das Foto zeigt ihn im Gespräch mit Vera Corsmeyer, Juniorchefin der Buchhandlung an der Münsterstraße. Foto: Poetter

Gütersloh (upk) - Nachdem die jüngste Lesung der Buchhandlung Markus schon zwei Jahre her ist, ist die Freude von Buchhändlerin Elke Corsmeyer und ihrem Team ähnlich groß wie die der Zuschauer. Gast im just mit bequemen blauen Sesseln ausgestatteten Bambi-Kinosaal war Lukas Rietzschel.

Der in Görlitz lebende Autor hatte seinen neuen Roman „Raumfahrer“ im Gepäck. Ein Buch, mit dem der 27-Jährige an seinen 2018 erschienenen, für zahlreiche Preise nominierten Debütroman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ anknüpft.

Es geht um Menschen, die zwischen den Welten schweben

Geht es doch auch in diesem in der Oberlausitz spielenden Roman um Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind. Menschen, die – Raumfahrern gleich – zwischen den Welten schweben. Zwischen Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart. Thema der dicht geschriebenen und vielschichtig angelegten Geschichte sind Verletzungen, die auch über Generationen nicht verheilen. 

„Es ist Ihnen wunderbar gelungen, Stimmungen und Figuren zu zeichnen“, sagte Moderatorin Vera Corsmeyer, die zu Beginn des Gespräches mit Rietzschel den Inhalt des Buchs und seine Protagonisten vorstellte. Jan arbeitet in einem Krankenhaus, das, so wie viele andere Einrichtungen des Orts, aus Gründen der Rentabilität geschlossen werden soll. 

„Die Lausitz ist schon früher perfekt ausgebeutet worden“

„Die Lausitz ist schon früher perfekt durch den Abbau von Braunkohle ausgebeutet worden“ beschreibt der Autor schrumpfende Städte und eine Landschaft, die heute das größte künstliche Seengebiet Europas umfasst. Über das Heute und das Gestern wird in Jans Familie nicht viel gesprochen. 

Erst als ein Herr Kern auftaucht, wird es spannend. Was hat Jans Mutter mit dem Vater dieses Mannes zu tun? Ein Karton mit Stasidokumenten über die Familie Kern bringt Licht ins Dunkel. Während Hans Georg Kern, der sich später Georg Baselitz nennt und heute zu den renommiertesten deutschen Malern gehört, 1961 in den Westen geht, gelingt es seinem Bruder Günter nicht, nachzukommen. 

Baselitz hat seine Familiengeschichte übrigens auch in seiner Malerei („Heldenbilder“, „Apfelbäume“) verarbeitet. „Auch ich habe gemalt, lange bevor ich Autor wurde“, berichtet Rietzschel. Das Covermotiv von „Raumfahrer“ stammt von ihm.

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