Mysteriöse Box in der Gütersloher Innenstadt


Mit seiner Aktion „KV in the Box“ bringt der Kreiskunstverein ungewöhnliche Auftritte in die Fußgängerzone. Dieses Mal: „Isotationen“.

Dünne Nylonschnüre verbinden die Bielefelder Künstlerin Angelika Höger in ihrem Glaskasten mit der Außenwelt. Der Auftritt in der Fußgängerzone war eine Aktion des Kreiskunstvereins. Foto: Hein

Gütersloh (gl) - An drei Samstagen hat Jörg Spätig schon eine Glasbox an der Schnittstelle von Fußgängerzone und Münsterstraße aufploppen lassen. Dreimal konfrontierten darin Performancekünstler die vorbeiziehenden Passanten mit zeitkritischen Gedanken.

„Isotationen“ verbindet Isolation und Intonationen

„Wenn die Menschen nicht zur Kunst gehen können, muss die Kunst zu den Menschen gehen“, erklärt der Kurator des im Verhoffhaus ansässigen Kreiskunstvereins das Ziel dieser Aktionen. Über die Winterzeit wird die Box nun eingemottet. Ob und wie sie künftig genutzt wird, bleibt offen. 

Die Bielefelder Performancekünstlerin Angelika Höger war am Samstagmittag die Letzte, die diesen mobilen Ausstellungsraum nutzen konnte. In ihrer Aufführung „Isotationen“ verbindet sie die selbst erlebte Isolation mit Intonationen: Mit wem unterhält man sich in Corona-Zeiten? Zu wem und wie nimmt man Kontakt auf? Lauscht man nur dem eigenen Selbstgespräch? Und was sind das für Geräusche? 

Dünne Nylonschnüre sind die einzige Verbindung zur Außenwelt

In einem Wohnraum aus Glas sitzt sie, wie gefangen, ernst, auf Trauer fokussiert. Dünne Nylonschnüre verbinden sie mit der Welt. Außerhalb sind sie an Fahrradständer und Laternen gebunden, innerhalb an einem Badewannen-Wäscheständer befestigt. 

Durch melodisches Bestreichen dieses alltäglichen Haushaltsgeräts mit einem Geigenbogen zieht Höger Blicke und Aufmerksamkeit vorbeiziehender Flaneure an. In der Begegnung mit der Kunst bleiben viele interessiert und neugierig. Manche bleiben aber auch kopfschüttelnd stehen.

Ein Spiegelbild, in dem sich jeder wiedererkennen kann

Die Künstlerin bezieht sich auf die pandemische Zwangssituation, die sie selbst als einschränkend empfunden hat. Der veränderte Dialog zwischen Umwelt und innerem Raum lenkt dabei den Betrachter auf die Spuren eigenen Erlebens während dieser Zeit. Es entsteht ein Spiegelbild, in dem sich jeder wiedererkennen kann. 

Jedermann hat diese Isolation erlebt, war oft auch mit seinen eigenen Gedanken in diesem engen Resonanzraum gefangen. Wo gestern noch persönlicher Austausch mit Klassenkameraden, dem Nachbarn oder dem besten Freund war, verbleiben plötzlich nur noch digitale Verbindungen. 

Ohne herzenswarme Umarmungen und offenes Entgegenkommen

Zu einer nur künstlich erfahrbaren Welt, ohne ein fröhlich aufblitzendes Lachen oder den vertrauten Klang der Stimme. Ohne herzenswarme Umarmungen und offenes Entgegenkommen.

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