Schüler beim Klimastreik in der Minderheit



Am Anfang standen Klimastreiks von Schülern. Das Bild bei Fridays for Future hat sich gewandelt. Auch in Gütersloh.

Demonstrierten für den Klimaschutz und für den Erhalt von Bäumen: (v. l.) Petra Hensen (22), Franca Beilmann (22), Melissa Friesen (24) und Daniela Avenwedde (23) bei der Kundgebung vor dem Gütersloher Rathaus. Foto: Dinkels

Gütersloh (din) - Einige hundert Menschen haben am Freitag vor dem Rathaus für mehr Klimaschutz, eine Verkehrswende und den Erhalt von Bäumen demonstriert. Was als einer von bundesweit mehr als 450 Klimastreiks der Initiative Fridays for Future angekündigt war, glich bisweilen einer Wahlkampfkundgebung. 

Mitorganisator Emanuel Zurbrüggen, Kreistagsmitglied der Linken, ging CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet namentlich an und forderte offen, die CDU wegen ihrer Versäumnisse in der Klimapolitik in die Opposition zu schicken. Auf dem Platz stieß das auf Zustimmung. 

Dort hatten sich vornehmlich Anhänger und Funktionäre von Grünen, SPD und Linken sowie organisierte Umwelt- und Tierschützer und Parents for Future versammelt. Schüler, die mit ihren Schulstreiks am Anfang der Bewegung standen, waren am Freitag deutlich in der Minderheit. 

Nach Zurbrüggen sprach Jonas Borgmeier, der sich als Mitglied der Grünen Jugend vorstellte und voriges Jahr für die Grünen bei der Kommunalwahl in Rietberg kandidiert hatte, und später Ercan Korkmaz, ebenfalls bei den Linken. 

Das kam auch beim Gütersloher Bürgermeister Norbert Morkes (BfGT), der unter den Zuhörern weilte, nicht gut an: „Ich möchte keine politische Veranstaltung haben. Es geht mir um die Sache“, sagte das Stadtoberhaupt. Er selbst habe übrigens am Dienstag ein Gespräch mit den Umweltverbänden. 

Um die Sache ging es dann auch noch. „Wir wollen ein Zeichen setzen. Die Politik muss endlich handeln“, sagte Zurbrüggen. Es gehe darum, Druck auf die künftige Bundesregierung aufzubauen und zu zeigen, „dass wir präsent sind“. Klimaschutz habe im Wahlkampf eine zu geringe Rolle gespielt. „Es geht nicht darum, was Klimaschutz kostet. Es geht darum, was kein Klimaschutz kostet“, rief Zurbrüggen. 

Jonas Borgmeier forderte ein Sofortprogramm für den Klimaschutz und eine Klimaschutzregierung. Weitere Redner forderten, das Ruder jetzt herumzureißen und den Kohleausstieg vorzuziehen. Abwarten koste Menschenleben und sei grausam. Es dürfe nicht sein, dass die Lebensgrundlagen zerstört würden. Ercan Korkmaz räumte ein, dass mit keinem der Wahlprogramme das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte 1,5-Grad-Ziel erreicht werde. 

Aber auch lokale Aspekte spielten eine Rolle: Fahrrad-Aktivist Felix Kupferschmidt wünschte sich eine Fußgängerzone vom Rathaus bis zum Dreiecksplatz und zur Weberei. Angelika Daum von der Gemeinschaft für Natur und Umweltschutz kritisierte, dass im Mansergh-Quartier 560 gesunde Bäume gefällt werden sollten. „Das geht gar nicht“. Und ein Innovationszentrum im Wäldchen an der Verler Straße sei ein „Imagekiller für ganz Gütersloh“.

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