Solaranlagenpflicht noch für kein Gebiet in Gütersloh gültig



Bauherren müssen in Gütersloh künftig eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach installieren. Aber noch fehlt die rechtsgültige Formulierung.

108 Solarpaneele sind auf dem Dach des Rathauses II installiert: Michael Räckers (Fachbereich Technisches Gebäudemanagement, links) und Günter Dilchert (Leiter des Fachbereichs Technisches Gebäudemanagement) sind für die Anlagen auf den kommunalen Gebäuden verantwortlich. Foto: Bojak

Gütersloh (gl) - Wer künftig in Gütersloh ein neues Wohnhaus bauen will, muss eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren. Das hat Rat der Stadt am 8. Oktober entschieden. Und Christine Lang, Erste Beigeordnete der Stadt, betont in einem Gespräch über die Umsetzung der Vorgabe, der Weg sei vorgezeichnet. Irgendwann würden alle die Anlagen haben wollen.

Dächer vollkriegen

„Wir müssen die Dächer vollkriegen“, hatte sie schon in der jüngsten Ratssitzung gemahnt. Anders sei das Klimaziel der Bundesrepublik, bis 2045 zu erreichen, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen würden, als auch abgebaut werden könnten, nicht zu erreichen.

Das gelinge selbstverständlich nicht allein mit der Installation von Photovoltaikanlagen auf Gebäudedächern. Um Energie zu 100 Prozent regenerativ zu erzeugen, seien Freiflächensolaranlagen und leistungsfähige Windkraftanlagen notwendig.

Anwaltskanzlei berät bei rechtssicherer Formulierung

Aber in Gütersloh sei die Entscheidung getroffen worden, Bauherren in die Pflicht zu nehmen. Für eine rechtssichere Formulierung der Verpflichtung arbeite die Stadt mit einer Anwaltskanzlei zusammen, erläuterte Lang.

In welchem Baugebiet die Verpflichtung zum ersten Mal gelte, konnte sie am Montag noch nicht sagen. Um dazu eine konkrete Aussage machen zu können, müsse erst die rechtssichere, detaillierte Formulierung vorliegen, lautete die Auskunft vom Fachbereich Stadtplanung. 

An der Ahornallee wird bereits gebaut

Die Verpflichtung gelte nur für Neubaugebiete, für die der Bebauungsplan noch erstellt werden müsse, erläuterte Christine Lang. Das Neubaugebiet Ahornallee und Surenhofsweg zum Beispiel sei ausgeschlossen. Dort wird bereits gebaut. Auch am Orionweg in Kattenstroth könne das Vorhaben, Solaranlagen für alle Gebäude vorzuschreiben, noch nicht durchgesetzt werden. Ein Investor werde dort die Häuser errichten. Die Stadt wolle ihm aber anbieten, über einen städtebaulichen Vertrag zu regeln, dass alle Gebäude mit Photovoltaik bestückt und so ausgestattet vermarktet würden.

Durch Beratung und Förderung Bauherren unterstützen

Günter Dilchert, seit Anfang Oktober Leiter des Fachbereichs Technisches Gebäudemanagement und Nachfolger von Heike Schindler, kennt die Verpflichtung, Photovoltaikanlagen auf Neubauten zu installieren, aus Wiesbaden. Bauherren reagierten nicht erfreut auf diese Vorschrift, formuliert er vorsichtig. „Wir wollen durch Beratung – und bei Altbauten auch durch Förderung – dazu beitragen, dass sich Hausbesitzer dazu entscheiden, ihre Gebäude mit Photovoltaik zu bestücken“, sagt Christine Lang. Es gebe beim Bauen so viele Vorschriften, die umgesetzt werden müssten „Warum tut man sich bei diesem Punkt, der so existenziell ist, so schwer?“

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