Stadt Gütersloh will Quartier neben Mohns Park steuern



Die Stadt will die Entwicklung im Wohnquartier Mohns Park steuern. Sie hat andere Vorstellungen als der Eigentümer einer Fläche, die brachliegt.

Freie Sicht: Stadt und Eigentümer haben unterschiedliche Auffassungen darüber, was auf den Grundstücken an der Yorckstraße gebaut werden darf. Die beiden Villen stehen leer und sollen abgerissen werden. Auch die Nachbarn haben eine eigene Meinung. Foto: Dinkels

Gütersloh (din) - Seit Sträucher und Unterholz abgeräumt wurden, herrscht freie Sicht auf die verlassenen Grundstücke im Winkel von Yorck- und Arndtstraße. Die Stadt hat dem Eigentümer seine Baupläne versagt und jetzt den Entwurf für einen Bebauungsplan für das Quartier neben Mohns Park vorgelegt. 

Die Grundstücke der Familie Steiner – Yorckstraße 28 und 30 sowie Arndtstraße 24 – umfassen rund 5000 Quadratmeter. Darauf stehen drei Häuser. Der Unternehmer Martin Steiner und seine Mutter Ursula sind inzwischen nach Bielefeld gezogen. Wiederholte Bauvoranfragen für das Gelände hat die Stadt Gütersloh laut Steiner erst mit Verweis auf die Paragrafen 34 Baugesetzbuch (muss sich in die Umgebung einfügen) und dann 35 (Bauen im Außenbereich) abgelehnt. 

Gericht setzt Ortstermin an

Die jüngsten Pläne sehen fünf Gebäude mit jeweils fünf bis acht Mietwohnungen für Familien und Tiefgaragen vor, also bis zu 40 Wohnungen. Gegen die Ablehnung hat Steiner vor dem Verwaltungsgericht Minden geklagt. Für Januar 2023 habe das Gericht einen Ortstermin anberaumt, sagte Steiner jetzt auf Nachfrage. 

Der Stadtrat hatte am 1. Juli vorigen Jahres eine Veränderungssperre für das Quartier beschlossen, um zu verhindern, dass unerwünschte Fakten geschaffen werden, bevor ein Bebauungsplan vorliegt. Den hat die Verwaltung jetzt für das Quartier zwischen Yorck-, Arndt- und Körnerstraße vorgelegt. Dessen Ziel ist es laut Beschlussvorlage für den Ausschuss für Stadtplanung, Bauen und Immobilien am Dienstag, 7. Juni (17.30 Uhr, Großer Saal der Stadthalle), die vorhandenen baulichen Strukturen in dem Quartier zu sichern und eine „geordnete und gebietsverträgliche Nachverdichtung“ zu steuern. 

Was der Bebauungsplan erlaubt

Der Entwurf weist auf den Steiner-Grundstücken drei Baufelder aus, von denen zwei an der Yorck- und eins an der Arndtstraße liegen. Auf dem Grundstück Arndtstraße 24 wäre demnach ein Einzelhaus mit bis zu drei Wohneinheiten möglich. An der Yorckstraße sind ebenfalls nur Einzelhäuser mit jeweils bis zu fünf Wohneinheiten erlaubt. An der Arndtstraße hatte die Diskussion um aus Sicht der Anwohner überdimensionierte Neubauten begonnen. Das Quartier rund um Mohns Park gilt als eine der besten und beliebtesten Gütersloher Wohngegenden.

Ein Baufeld misst etwa 391 Quadratmeter. Mehr als ein Gebäude wird man dort kaum unterbringen können. Das zweite Baufeld ist mit etwa 500 Quadratmetern etwas größer. Auch dort bräuchte ein Planer vermutlich großes Geschick, um dort zwei Gebäude unterbringen zu können. Vorgegeben werden Zweigeschossigkeit sowie Sattel- oder Walmdächer bei einer Gebäudehöhe von gut zwölf Metern. 

Nicht mehr als 18 Wohneinheiten

In Summe ließen sich dort zwischen 13 und – bei drei Einzelhäusern an der Yorckstraße – bis zu 18 Wohneinheiten errichten. Tiefgaragen sind zulässig und werden bei Ausnutzung der maximal zulässigen Anzahl der Wohneinheiten empfohlen. 

Das reicht Steiner, der die Gebäude und damit die Mieten nach eigener Aussage einer noch zu gründenden Stiftung übereignen will, nicht. Das rechne sich nicht und das Wohnen dort würde zu teuer, sagte Steiner. Wohnen müsse man sich dort auch leisten können. „Wir werden das rechtlich prüfen lassen.“

Die vorhandenen Bäume entlang der Yorck- und der Arndtstraße sowie zwischen den Baufeldern werden im Bebauungsplan festgeschrieben. Außerdem enthält er die Vorgabe, eine rückwärtige private Grünfläche mit der Zweckbestimmung „Hausgarten“ ausschließlich einer Garten- und Freiflächennutzung zuzuführen. Die Bepflanzung sei naturnah auszurichten, das heißt, es seien heimische, standortgerechte Arten zu verwenden. Ausnahmsweise seien Gartenhäuser und befestigte Wege zulässig, die der Zweckbestimmung „Hausgarten“ dienten.

Nachverdichtung führt zu Verärgerung

Es kommt immer wieder vor: Ein- oder Zweifamilienhäuser werden abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt. Das bringt die Nachbarn auf die Palme, die sich um den Charakter ihres Wohnquartiers sorgen. Solche Entwicklungen gab es an der Siedlungsstraße in Pavenstädt, an der Dr.-Brinkmann-Straße sowie zuletzt auch an der Arndtstraße am Mohns Park. Die Neubauten werden zumeist nach Paragraf 34 Baugesetzbuch genehmigt (muss sich in die Umgebung einfügen). Die erwünschte Steuerung hat das zumeist nicht gebracht. 

Auf Druck der Anwohner und aus der Politik zieht die Stadt jetzt mit Bebauungsplänen nach. Noch während über einen aktuellen Neubau an der Arndtstraße diskutiert wurde, wurden die Baupläne der Familie Steiner auf der anderen Straßenseite bekannt. Die Verwaltung hatte angekündigt, wegen des Arbeitsanfalls Bebauungspläne nur nach Bedarf aufstellen zu können, wenn sich ein Bauvorhaben abzeichnet. Der jetzt vorgelegte Bebauungsplan, der auf der anderen Seite der Arndtstraße im Wesentlichen die Bestandsgebäude abbildet, ist das Ergebnis der zurückliegenden Diskussion.

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