Unterwegs auf beleuchteten Pfaden in Gütersloh


Wie sehen Skulpturen eigentlich aus, wenn sie in der Dunkelheit der Nacht hell erleuchtet werden? Dieser Frage gehen aktuell zwei Führungen nach.

des 2001 gestorbenen Künstlers Manfred Billinger stehen im Mittelpunkt eines „Glowing Art“-Spaziergangs, den der städtische Fachbereich Kultur initiiert hat. Ein weiterer beleuchteter Weg führt durch die Innenstadt. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gl) - Mit der Aktion „Glowing Art“ rückt der städtische Fachbereich Kultur Kunstwerke im Stadtraum über Beleuchtung in den Mittelpunkt. Das Projekt ist ein Ausläufer des Gütersloher Kultursommers.

Noch bis Sonntag, 26. September, seien geführte Wanderungen geplant, auf denen Kunstobjekte illuminiert würden und auf ungewöhnliche Weise erfahrbar seien, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Den Anfang machte Reiner Kuhn, Vorsitzender des Vereins zur Förderung plastischer Kunst, jüngst mit einer Tour entlang der Dalke bis zu Ólafur Elíassons Dufttunnel im Botanischen Garten.

Kunstfreunde lassen sich die Stimmung nicht verregnen

Obwohl Regenwolken an diesem Tag schwer und dunkel über dem Stadtpark hingen, hatte sich mehr als ein Dutzend Kunstfreunde mit Regenkleidung ausgestattet und eingefunden. Erste Station waren die ebenso spielerischen wie geheimnisvollen Objekte, die der Künstler Manfred Billinger im Stadtjubiläumsjahr 2000 zum Fabelpfad im Stadtpark komponiert hat. 

Als sachkundiger Wanderführer holte Kuhn die Kunst-Spaziergänger in ihrem Alltag ab: „Sie kennen das: Wenn Sie ihre Treppe gefegt und den Besen in die Ecke gestellt haben, wird er unsichtbar. Sie erkennen ihn erst wieder, wenn Ihr Blick anders fällt. Aus einer anderen Richtung oder mit einem anderen Ziel.“ Genau diesen Effekt erreiche die Beleuchtung, die für diesen Abend eingerichtet wurde. 

Skulpturen greifen die Natur in ihrer Umgebung auf

Billingers Werke, so Kuhn, ließen sich an diesem Abend in neuem Licht betrachten und entschlüsseln. An der Skulptur „Est“ am Anfang der Open-Air-Galerie sind die wesentlichen Merkmale der Kunst des Bildhauers aus Hamm ablesbar. Seine Fabelwesen wirken unerwartet zweidimensional und erinnern eher an Zeichnungen, Scherenschnitte oder Graffiti, die in Stahl geschnitten wurden. Dabei greifen Linien und Form die Natur der Umgebung auf, in der sie stehen: Blattwerk, Äste, Tiere und Pflanzen. 

Der Kontrast zwischen einem rostigen Cortenstahl und einem gelben Auto beschreibt Manfred Billingers Beziehung zu Natur und Technik. Das findet sich in allen am Fabelpfad aufgestellten Objekten wieder. Billingers Wesen sollen Lehrstücke über menschliches Verhalten und Denken erzählen. „Est“ verdeutliche den Ursprung der Technik in der Beobachtung der Natur, erklärt Kuhn. 

Weitere Führungen für Ende des Monats geplant

Am Ende des Wegs schimmert helles Licht durch den Blätterwald. Ólafur Elíassons Dufttunnel glüht im Botanischen Garten. 30 verschiedene Pflanzen blühen dort während der gesamten Vegetationszeit. „Elíassons Kunst hilft, über die Folgen menschlichen Handelns nachzudenken“, so Kuhn. Er plädiere für eine Welt, die auf Zusammenarbeit setzt. Damit schließt der weltbekannte isländische Künstler an die Gedankenwelt Manfred Billingers an.

Zu einem weiteren geführten Rundgang durch die Innenstadt lädt der städtische Fachbereich Kultur für Samstag, 25. September, ab 20 Uhr ein. Die Teilnehmer treffen sich auf dem Theodor-Heuss-Platz. Auch die Wanderung auf dem Fabelpfad soll wiederholt werden – am Sonntag, 26. September, ebenfalls ab 20 Uhr. An beiden Veranstaltungstagen sollen der Innenstadtweg sowie der Fabelpfad jeweils von 19 bis 23 Uhr auch für individuelle Wanderungen ohne Führung ausgeleuchtet werden.

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